Berlin – Mehr als zwei Euro für einen Liter Sprit. Die Zapfsäule läuft, der Preis rast – doch wer bekommt unser Geld? Super E10 kostet im Bundesschnitt 2,151 Euro, Diesel 2,17 Euro. Beim E10 gehen gut 1,15 Euro an den Staat, beim Diesel knapp 99 Cent – für Energiesteuer, Mehrwertsteuer und CO₂-Kosten. Das sind beim E10 rund 54 Prozent des gesamten Preises.
Die Energiesteuer fließt in den Bundeshaushalt, der CO₂-Preis in den Klima- und Transformationsfonds. Anders als die festen Centbeträge steigt die Mehrwertsteuer mit dem Spritpreis. RWI-Ökonom Manuel Frondel (61) zu BILD: Der Staat solle „nicht auch noch zum Krisengewinner werden“. Er fordert, die Mehrwertsteuer auf Sprit durch eine höhere feste Energiesteuer zu ersetzen.
Wer bekommt den Rest?
Bei E10 bleibt knapp ein Euro übrig, beim Diesel sogar 1,18 Euro. Davon werden die Kosten für Rohöl, Raffinerien, Transport, Handel und Tankstellen gedeckt – und die Gewinne der Branche. Wer davon wie viel kassiert, ist kaum nachzuvollziehen. Der ADAC sagt, die aktuellen Preise ließen sich durch Ölpreis und Wechselkurs allein nicht erklären. Das Bundeskartellamt prüft bereits die zwölf Eigentümer deutscher Raffinerien und untersucht, wie sie ihre Preise festlegen und ob genug Wettbewerb herrscht.
Autofahrer werden „weit über Gebühr abgezockt“
An der Tankstelle selbst bleibt wenig hängen. Der Bundesverband freier Tankstellen zu BILD: „Die hohen Preise werden nicht an der Tankstelle gemacht – sie kommen dort an und müssen weitergegeben werden.“ Herbert W. Rabl, Chef des Tankstellen-Interessenverbands, sagt: „Ganz klar, die Autofahrer in Deutschland werden aktuell weit über Gebühr abgezockt.“ Die Mineralölkonzerne nutzten die Krise, um „einmal mehr Kasse zu machen“. Pächter erhielten oft nur ein bis zwei Cent je Liter. Ökonom Justus Haucap (57) sagte zu BILD, am stärksten profitierten Ölkonzerne, die selbst fördern, weil sich ihre Kosten kaum verändert hätten, während sie das Öl teurer verkaufen könnten.
Ölbranche weist Vorwürfe zurück
En2x, der Verband der Mineralöl- und Kraftstoffbranche, weist den Vorwurf überhöhter Gewinne zurück. Entscheidend für die Spritpreise seien die Weltmarktpreise für Benzin und Diesel. Die Iran-Krise, Ausfälle russischer Raffinerien und höhere Transportkosten hätten den Kraftstoff weltweit verteuert.