Politik

AfD in Bayern kämpft um Einfluss: Ein Putsch soll Alice Weidel schwächen

AfD in Bayern kämpft um Einfluss: Ein Putsch soll Alice Weidel schwächen
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Passau – Offiziell trifft sich die Bayern-AfD am Wochenende in Passau zu ihrem Landesparteitag. Tatsächlich aber geht es in der Dreiländerhalle um deutlich mehr als nur einen Landesvorsitzenden. Es geht um Einfluss, Posten, Macht – und um die Frage, wer in zwei Wochen beim Bundesparteitag in Erfurt die Fäden zieht.

Die Kulisse könnte kaum passender sein: Dort, wo sonst die CSU beim Politischen Aschermittwoch die verbalen Bierkrüge durch die Halle schleudert, fliegen diesmal die parteiinternen Fetzen bei der AfD.

Schlammschlacht zwischen Kollegen

Im Zentrum des drohenden Dramas: AfD-Landeschef Stephan Protschka (48) und sein Bundestagskollege Reinhard Mixl (65). Mixl will Protschka vom Thron stoßen. Und nach allem, was aus der Partei zu hören ist, kommt er nicht mit leeren Händen nach Passau. Große Teile des Landesvorstandes sollen bereits hinter dem Herausforderer stehen. Doch wer glaubt, hier kämpften gemäßigte Kräfte gegen die Radikalen, irrt. In Bayerns AfD verlaufen die Fronten längst anders. Die alten ideologischen Schützengräben sind vielerorts zugeschüttet. Stattdessen regieren persönliche Feindschaften, verletzte Eitelkeiten und der erbitterte Kampf um Einfluss – ganz so wie bei den sonst gern geschmähten „Altparteien“.

Drohbotschaften und Hilferufe nach Berlin

Wie vergiftet das Klima inzwischen ist, zeigt ein Schreiben aus Bayern an die Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla (liegt BILD vor). Darin beklagt Protschka parteiinterne Drohungen. In einer Chat-Nachricht heißt es: „Nimm es oder streich die Flagge. Wenn die Jagdsaison eröffnet ist, badet man nicht mehr im Ententeich.“ Sätze wie aus einem schlechten Mafia-Film. Nur dass sie diesmal aus dem Innenleben einer Partei stammen.

Warum Weidel nervös nach Bayern schaut

Besonders brisant: Die Folgen reichen weit über den Freistaat hinaus. Bislang gilt die Bayern-AfD trotz ihrer knapp 12.000 Mitglieder als politisch „halbstark“ mit vergleichsweise wenig Gewicht im innerparteilichen Machtgefüge. Zu zerstritten, zu beschäftigt mit sich selbst.

Davon profitieren bislang auch Alice Weidel und ihr eigener starker Landesverband Baden-Württemberg, der im Süden klar die Nummer 1 ist. Entsprechend wird in der Partei registriert, dass Weidel den bisherigen Landeschef Protschka unterstützt, um diesen Zustand zu zementieren.

Doch genau dieses Gefüge könnte ins Wanken geraten. Aus der Partei heißt es, Mixl könne den zerstrittenen Landesverband befrieden und Bayern als Machtfaktor aufstellen. Schon wird über eine Allianz mit Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen spekuliert. Das Ziel: mehr Einfluss auf die Wahl des neuen Bundesvorstandes beim Parteitag am 4. Juli in Erfurt.

Weidels Parteitagsregie auf der Kippe

Denn plötzlich könnten Delegierte und Landesverbände mitreden wollen, die bislang eher Zuschauer als Regisseure waren. Aus einem bislang kalkulierbaren Bundesparteitag könnte eine offene Machtprobe werden. Die Folge: Kratzer am Führungsanspruch der Parteichefin und womöglich ein Bundesvorstand, der weniger auf Linie marschiert als bisher. Passau entscheidet deshalb nicht nur über Bayern. Die eigentliche Frage des Wochenendes lautet: Bleibt Bayern das ewige Sorgenkind der AfD – oder wird ausgerechnet der zerstrittenste Landesverband zum Königsmacher für Erfurt?

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