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Bundespräsidentin: So kam Ilse Aigner nach ganz oben

Bundespräsidentin: So kam Ilse Aigner nach ganz oben
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München – Seit acht Jahren ist Ilse Aigner (61, CSU) die Nummer 1 in Bayern. Als Landtagspräsidentin hat sie offiziell das höchste Staatsamt inne. Jetzt soll sie das höchste Amt der Bundesrepublik übernehmen. Sie wäre die erste Frau im Amt und die erste gelernte Handwerkerin an der Spitze Deutschlands.

Im Bayerischen Landtag genießt sie Respekt und Zuneigung weit über die Grenzen ihrer eigenen Partei hinaus. Immer trägt sie ein Lächeln auf den Lippen, immer hält sie einen freundlichen Gruß bereit. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61) sagt zu BILD: „Ilse Aigner ist ein heiterer Herzensmensch. Das wird Deutschland beseelen.“

Es soll sich allerdings niemand täuschen: Freundlichkeit bedeutet bei Aigner nicht Schwäche. Im Sommer 2023, nach fünf Jahren als Präsidentin in Bayern, zog sie Bilanz: „Der Ton im Landtag ist spürbar verroht.“ 27 Rügen hatte sie seit 2018 ausgesprochen. „Der weit überwiegende Anteil ging an die AfD oder ehemalige Mitglieder dieser Fraktion. Manche haben das fast wie eine Trophäe vor sich hergetragen.“ Ihre Reaktion: 2024 führte der Bayerische Landtag harte Bußgelder ein. Bis zu 2000 Euro kann das Landtagspräsidium seither für Verstöße verhängen, 4000 im Wiederholungsfall.

Genauso sorgt sie auf der anderen Seite des politischen Spektrums für Ordnung. Nach der Cannabis-Legalisierung 2024 hatte ein Grünen-Abgeordneter einen Joint auf der Terrasse des Landtags geraucht. Aigner änderte die Hausordnung und verbot jegliche Nutzung von Cannabis im Gebäude.

Aigners Kraftquelle ist die Familie. Sie stammt aus dem kleinen Ort Feldkirchen-Westerham (10.700 Einwohner), auf halbem Weg zwischen München und Rosenheim gelegen. Sie wuchs mit drei älteren Schwestern auf, mit Eltern und Großeltern im selben Ort. Mittlerweile sind elf Nichten und Neffen dazugekommen. Sie nennt das ihr „Mehrgenerationenhaus“.

Der Vater führte einen Elektro-Betrieb im Ort. Ilse war als Kind fasziniert von der Technik und der praktischen Arbeit. Nach dem Realschulabschluss begann sie eine Lehre als Radio- und Fernsehtechnikerin. „Man musste jedenfalls schwindelfrei sein“, sagt sie darüber – und sie musste lernen, wie sie sich in einer Männer-Domäne durchsetzt.

Eigentlich war ihr Berufstraum Astronautin. Das verriet sie vor Jahren gegenüber BILD. Gereicht hat es dazu nie. Ein kleiner Ersatz war Anfang der 90er Jahre ihre Arbeit beim Hubschrauberhersteller Eurocopter in Ottobrunn bei München. Sie entwickelte die Technik, die im heute unter dem Namen Airbus Helicopters H135 bekannten Modell verwendet wird.

Das Vorbild des Vaters führte sie auch in die Politik. Er war bis 1990 Gemeinderat für die CSU in Feldkirchen. Sie wurde im selben Jahr gewissermaßen seine Nachfolgerin im Gremium. Vier Jahre später errang sie als Listenkandidatin ein Abgeordnetenmandat im Bayerischen Landtag. Mit 29 Jahren war sie 1994 die zweitjüngste Abgeordnete. Der jüngste war damals ein gewisser Markus Söder (27 Jahre) aus Nürnberg.

Der Aufstieg der beiden vollzog sich praktisch parallel. Aigner ging in den Bundestag, wurde Bundeslandwirtschaftsministerin. Söder war unter Edmund Stoiber (82, CSU) erst Generalsekretär, dann Europaminister. Unter Ministerpräsident Horst Seehofer (77. CSU) stieg er zum Finanzminister auf.

2013 holte Seehofer Aigner als Wirtschaftsministerin nach Bayern. Sein Plan: Aigner als mögliche Nachfolgerin aufbauen, um einen Aufstieg des ungeliebten Markus Söder, mittlerweile Finanzminister, zu verhindern. Söder beschrieb 2019 diese Zeit in einem BILD-Interview so: „Von unseren 25 ge­meinsamen Jahren waren 20 großartig. Die fünf letzten waren etwas schwieriger. Da wurde auch einiges von außen instrumentalisiert.“

Seehofer konnte sich nicht durchsetzen. Söder und Aigner einigten sich 2018: Er wird Ministerpräsident, sie Landtagspräsidentin. Aigner meinte im Jahr darauf souverän: „Man muss dann Vergangen­heit auch mal Vergan­genheit sein lassen.“

Eins wird mit Aigner als Bundespräsidentin ebenfalls ungewohnt sein: Die Position des First-Partner bleibt unbesetzt. Aigner ist nicht verheiratet, einen Lebensgefährten gibt es nicht. Sie steht offen dazu. „Andere können sich das nicht so leicht vorstellen, weil als Single leben immer mit Einsamkeit gleichgesetzt wird“, sagte sie vor drei Wochen in einem Podcast des Münchner Merkur. Sie sei aber alles andere als einsam. „Ich lebe in einem großen Familienverbund, in einem Dreigenerationenhaus.“

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