Dresden – Ein verbeamteter Feuerwehrmann betreibt „nebenbei“ Firmen und arbeitet im Auftrag der Feuerwehr. Ranghöhere Feuerwehrleute winken die fantasievoll erstellten Abrechnungen des Kameraden durch, es fließen über Jahre mindestens Hunderttausende Euro. Was klingt wie der Korruptionsbericht einer Bananenrepublik, soll mitten in Deutschland passiert sein. Ein Klüngel-Report von der Berufsfeuerwehr Dresden.
Im Zentrum der staatsanwaltlichen Ermittlungen, die seit nunmehr zwei Jahren laufen, steht ein 2016 gegründetes Unternehmen. Die „BTS Brandschutztechnik Stolpen“ schaffte es in wenigen Jahren auf immerhin 80 Mitarbeiter. Der alleinige Gesellschafter der Boom-Firma: André R. (44), bis zu seiner Beurlaubung wegen der Korruptionsermittlungen selbst Obermaschinist und Beamter bei der Berufsfeuerwehr in Dresden. Abrechnungen, die BILD und der Staatsanwaltschaft vorliegen, legen den Verdacht nahe, dass der wirtschaftliche Aufstieg zu einem gehörigen Teil mit dem BTS-intern mit Nummer 1455 geführten Kunden zu tun hatte: Der Berufsfeuerwehr Dresden, bei der sich André R. um die Fahrzeuge kümmerte – und sie sich in seine eigene Firma zur Reparatur überwies.
Fake-Ersatzteile auf Rechnungen verbucht?
Die Rechnungen, die bei den Compliance-Wächtern der Stadt Dresden offenbar kein Misstrauen erweckten und letztlich zulasten des Steuerzahlers gehen, sind schon auf den ersten Blick haarsträubend.
Stadt dementiert Vorwürfe nicht
Im Hinblick auf diese augenscheinlichen Auffälligkeiten hatte BILD berechtigte Fragen an die Stadt Dresden. U. a. wurde nachgehakt, ob BTS-Abrechnungen geprüft wurden oder werden. Auch, welche Führungs- und Aufsichtsebenen des Brand- und Katastrophenschutzamts offensichtlich versagten und ob es möglich ist, dass auch der heutige Amtsleiter Dr. Michael Katzsch Mitverantwortung trägt, wurde angefragt. Zumindest fragwürdig dabei: Dr. Katzsch soll – so erzählt man es sich zumindest auf den Dresdner Feuerwachen – ein Wohnmobil bei einer Firma von André R. ausgebaut haben lassen. Alexander Buchmann, ein Sprecher der Stadt, dementiert keinen der Vorwürfe. Er versichert lediglich, die Abläufe seien derzeit auch Gegenstand interner Prüfungen. „Zudem stehen wir weiterhin in engem Austausch mit den zuständigen Strafverfolgungsbehörden“, ergänzt er.
André S. meldet sich nach mehrfachen unbeantworteten Anfragen am Freitag schließlich mit einer Stellungnahme zu den Vorwürfen. Er zu BILD: „Die gegen mich erhobenen Vorwürfe sind Gegenstand laufender Ermittlungen. Diese Ermittlungen respektiere ich und unterstütze die Aufklärung.“ Wichtig sei ihm, nicht vorverurteilt zu werden.
Die BTS Brandschutztechnik Stolpen habe sich in den vergangenen Jahren von einem kleinen Betrieb zu einem mittelständischen Unternehmen mit über 80 Beschäftigten entwickelt. „Mit diesem Wachstum wurden operative Aufgaben und Verantwortlichkeiten auf verschiedene Fach- und Führungsebenen übertragen. Vor diesem Hintergrund werde ich mich weder zu einzelnen Rechnungen noch zu konkreten Vorgängen öffentlich äußern, solange die zuständigen Behörden die Sachverhalte prüfen.“ Er selbst habe sich seit Anfang 2026 aus dem Tagesgeschäft als Geschäftsführer zurückgezogen.
Staatsanwaltschaft mit Rechnungen beschäftigt
Die Staatsanwaltschaft Dresden, die seit zwei Jahren mit dem Fall betraut ist und „Ermittlungen wegen Korruptionsvorwürfen gegen fünf Beschuldigte“ bestätigt, prüft derzeit ebenfalls die dubiosen Rechnungen. „Im vorliegenden Verfahren sind konkrete Werkstattabrechnungen Gegenstand des Ermittlungsverfahrens“, sagt Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt. Und: „Es wird geprüft, ob private Leistungen im Zusammenhang mit dienstlich verantworteten Aufträgen als mögliche Gegenleistung relevant sind.“