Berlin – ER sorgte für einen Eklat bei der zentralen Gedenkfeier zum Jahrestag des Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 am Montag im Berliner Bendlerblock! In BILD erzählt Tobias Korenke (61), Großneffe von Klaus und Dietrich Bonhoeffer und Enkel von Rüdiger Schleicher, alle drei von den Nazis ermordete Widerstandskämpfer, wie es dazu kam.
Der Kranz habe bereits am Gedenkort gelegen, als er dort ankam. „Ich bemerkte diesen AfD-Kranz und dachte: Nein, der ist falsch hier“, erzählt Korenke. „Ich habe ihn dann aufgenommen, um ihn rauszutragen“, erzählt Korenke. Kurz darauf sei ein Sicherheitsbeamter auf ihn zugekommen und habe ihn „relativ aggressiv“ aufgefordert, den Kranz wieder niederzulegen. „Das habe ich nicht getan.“
Es sei zu einem kurzen Handgemenge gekommen. „Es gab dann so ein bisschen eine blöde Rangelei, was eigentlich echt nicht meine Art ist.“ Herbeigerufene Polizeibeamte nahmen seine Personalien auf. Der Protokollchef der Bundesregierung erstattete Anzeige wegen Sachbeschädigung. „Ich wurde dann des Bendlerblocks verwiesen und hatte auch zur Gedenkfeier keinen Zugang mehr.“ Später bekam er die Information, dass die Anzeige wieder zurückgezogen wurde. Warum, weiß Korenke nicht.
Kritik gegen die AfD als Partei
Der Historiker betont zugleich, dass er dem Protokollchef keinen persönlichen Vorwurf mache. „Man muss natürlich sagen, der tut da seine Aufgabe und seine Pflicht.“ Dass die AfD als im Bundestag vertretene Partei grundsätzlich einen Kranz niederlegen dürfe, stelle er nicht infrage. „Das ist natürlich so in einer Demokratie und das ist auch richtig so.“ Seine Kritik richte sich gegen die Partei selbst. „Ich finde nur, dass die AfD eben eine Partei ist, die die Freiheiten der Demokratie nutzt, um genau diese Freiheiten einzuschränken und abzuschaffen.“ Deshalb habe er spontan gehandelt: „Ich bekam diesen emotionalen Anfall und dachte: Wie geschmacklos muss man eigentlich sein, hier einen Kranz abzulegen.“
Auf die Frage, ob er heute wieder so handeln würde, sagt Korenke: „Ich würde es wieder tun.“ Er habe in diesem Moment an seine Familie gedacht. „Ich möchte nicht, dass dieses Leid umsonst ist. Ich möchte nicht, dass dieser Widerstand umsonst war.“
Die AfD werbe in Sachsen-Anhalt dafür, den Geschichtsunterricht umzugestalten und weniger „Schuldkult“ zu betreiben, wie die Partei es formuliert. Für Korenke ist klar: „Die AfD will die Erinnerung an meine Familie und an all die anderen Widerstandskämpfer zerstören. Das lasse ich nicht zu.“
Hingerichtet im KZ Flossenbrück
Zugleich wirbt er dafür, die demokratische Ordnung entschlossen zu verteidigen. „Ich möchte, dass wir diese wunderbare Demokratie mit all unseren Kräften verteidigen.“
Der Kranz kam am Ende nicht an seinen ursprünglichen Platz zurück. Eine andere Angehörige eines von der NS ermordeten Widerstandskämpfers habe ihn unbemerkt von dem Sicherheitsmann an sich genommen und in der Spree entsorgt, hat Korenke später erfahren.
Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer wurde wegen seines Widerstands gegen das NS-Regime am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet. Auch sein Bruder Klaus und sein Schwager Rüdiger Schleicher, beides Juristen, wurden hingerichtet, weil sie sich den Nationalsozialisten widersetzten.