Politik

Eklat vor Wahl in Sachsen-Anhalt: Zeigt ein AfD-Abgeordneter den Hitlergruß?

Eklat vor Wahl in Sachsen-Anhalt: Zeigt ein AfD-Abgeordneter den Hitlergruß?

Magdeburg – Nazi-Skandal bei der AfD? Der Landeschef von Sachsen-Anhalt, Martin Reichardt (56), steht nach Recherchen des Politico-Podcasts „Inside AfD“ (Politico gehört wie BILD zu Axel Springer) rund zweieinhalb Monate vor der Landtagswahl brutal unter Druck. Anlass ist ein bislang unveröffentlichtes Foto vom 7. Juni 2020, das auf dem Privatgrundstück eines Parteikollegen in Sachsen-Anhalt entstanden sein soll.

Auf der Aufnahme ist laut „Inside AfD“ zu sehen, wie Reichardt den linken Arm mit ausgestreckter Hand schräg nach oben hebt. Vor ihm kniet ein Mann. Zwei Zeugen werteten die Szene gegenüber dem Podcast als Hitlergruß. Reichardt bestätigte die Echtheit des Fotos, wies den Vorwurf des Nazi-Grußes jedoch zurück.

Wurde ein Hitlergruß gezeigt?

Der Bundestagsabgeordnete erklärte, es habe sich „nicht um einen Hitlergruß“ gehandelt, sondern um einen „humoresken Ritterschlag“ für den vor ihm knienden Arzt und späteren AfD-Landtagskandidaten Markus Motschmann. Dieser habe damals seinen AfD-Mitgliedsantrag übergeben. Die Aufnahme bei den Rechtsaußen sei aber vom damaligen Parteivorstand Jörg Meuthen (64) zweimal verhindert worden. Soll mutmaßlich heißen: Eine Ablehnung von Meuthen, innerhalb der AfD vergleichsweise gemäßigt, wurde von den Ultrarechten in der Partei quasi als Kompliment gewertet.

Motschmann und Reichardt weisen Vorwürfe zurück

Nach Angaben von „Inside AfD“ gerät diese Darstellung jedoch durch den zeitlichen Ablauf in Zweifel. Das Foto sei am Tag von Motschmanns Antragstellung entstanden. Die von Reichardt erwähnten Ablehnungen von Motschmanns Aufnahmeanträgen erfolgten laut vorliegenden Unterlagen erst Monate später.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (46, CDU) reagierte empört: „Ein Hitlergruß ist ein Bekenntnis, kein Ausrutscher. Wer so etwas zeigt, hat in einem Parlament nichts verloren.“

Reichardt soll „Mein Führer“ genannt worden sein

Und es kommt noch schlimmer: Zeugen wollen gehört haben, wie Motschmann eben jenen Reichardt als „Mein Führer“ angesprochen habe. Motschmann bestätigte die Echtheit des Fotos, bestreitet aber die Ansprache. Die Szene sei „total lustig gemeint“ gewesen, ein „reiner Joke“.

Weiterer „Hitlergruß“-Vorfall im Bundestag vor Gericht

Und: Reichardts Name taucht bereits in einem anderen Verfahren auf: Gegen seinen AfD-Fraktionskollegen Matthias Moosdorf läuft ein Strafverfahren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, bei einer Begrüßung Reichardts im Bundestag einen Hitlergruß gezeigt zu haben. Der Fall soll vor dem Landgericht Berlin verhandelt werden.

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