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Erstochener Student in Trier: „Marius’ Tod lässt mich nicht mehr los“

Erstochener Student in Trier: „Marius’ Tod lässt mich nicht mehr los“
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Trier (Rheinland-Pfalz) – Es gibt Fälle, die enden nicht, wenn der Notizblock zugeklappt ist. Die Begegnungen mit Familien, deren Leben von einem Augenblick auf den anderen in Scherben liegt, begleiten mich nach Hause. Über viele Jahre. Das weiß ich auch, als ich zu den Eltern von Marius Dick fahre. Der 22-Jährige wurde am 15. Juli, einem Mittwoch, in Trier von einem psychisch kranken Afghanen erstochen.

Marius war ein Zufallsopfer. Der Täter und der Student kannten sich nicht. Sajad M. (22) stach auf dem Fußweg auf den jungen Mann ein. Marius war zur falschen Zeit am falschen Ort. Der Zufall hat über Leben und Tod entschieden. Vielleicht ist es das, was mich auch noch nach 26 Jahren im Job als Polizei-Reporterin erschüttert.

Das erste Treffen mit den trauernden Eltern

Als ich die ruhige Straße zum Einfamilienhaus der Familie in Landstuhl (Rheinland-Pfalz) fahre, ahne ich, dass mich deren Schicksal lange begleiten wird. Ich stelle mein Auto ab. In diesem Moment kommt mir Marius’ Vater, Thomas Dick (59), entgegen. Ich frage vorsichtig, ob er bereit wäre, mit mir zu sprechen. Er überlegt einen Moment, geht ins Haus – und kommt zurück. „Kommen Sie rein.“

Im Haus wartet seine Frau Elke (56). Ihre Augen sind gerötet. Sie hat viel geweint in den letzten Stunden. Ich kann den Schmerz der Eltern fühlen, und das trifft mich mitten ins Herz. Keine Mutter sollte ihr Kind beerdigen. Kein Vater sollte einen Sohn verlieren, dem das Leben noch offenstand. Jetzt kommen auch mir die Tränen.

Gemeinsam setzen wir uns auf die Terrasse. Es ist still. Eine Stille, die lauter ist als jedes Wort. Trotz ihres unfassbaren Schmerzes erzählen die Eltern von ihrem Sohn. Von Marius.

„Sein Tod darf nicht folgenlos bleiben“

Marius Dick war ein junger Mann mit Träumen, mit Zielen, mit einem Geschichtsstudium. Er wollte seinen Bachelor machen. Er war hilfsbereit, fleißig, zielstrebig. Während sie erzählen, wird mir immer deutlicher, was mit ihm verloren gegangen ist. Nicht nur ein 22-Jähriger. Sondern ein Sohn, ein Freund, ein Mensch mit einer Zukunft.

Diese Zukunft wurde ihm genommen. Für seine Eltern ist deshalb eines besonders wichtig: Der Tod ihres Sohnes darf nicht folgenlos bleiben. Mit festem Blick schaut mich Vater Thomas Dick an und sagt: „So kann es nicht weitergehen! Der Fall meines Sohnes muss jetzt Deutschland aufrütteln.“

Neben ihm sitzt seine Frau. Tränen laufen ihr unaufhörlich über die Wangen. Er nimmt ihre Hand, drückt sie fest und sagt leise: „Das sind wir Marius schuldig. Er soll nicht umsonst gestorben sein.“

Ich suche nach Worten des Trostes. Und finde keine ...

In diesem Moment wird mir bewusst, wie dünn die Grenze zwischen einem ganz normalen Familienleben und einer Tragödie ist, die alles verändert. Vor wenigen Tagen blickten diese Eltern noch voller Zuversicht in die Zukunft. Heute leben sie mit einer Leere, die niemand füllen kann. Ich sitze an ihrem Tisch. Als Reporterin. Doch für einen Moment tritt der Beruf in den Hintergrund. Ich suche nach Worten des Trostes. Aber ich finde keine.

Als ich mich verabschiede, umarmen wir uns. Manchmal sagt eine Umarmung mehr als jedes geschriebene oder gesprochene Wort. Schon jetzt weiß ich: „Marius’ Tod lässt mich nicht mehr los, wird mir für immer in Erinnerung bleiben.“

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