Köln – Er fuhr ein Rennen auf der Autobahn – und verursachte einen tödlichen Unfall, bei dem eine Mutter und ihre Tochter ums Leben kamen. Davon ist der Richter überzeugt. Vor wenigen Wochen wurde Fußballer Vladislav F. (22) deshalb zu fünf Jahren Haft verurteilt. Doch trotz der drohenden Gefängnisstrafe wurde er jetzt von einem Fußballverein verpflichtet!
Eine Verpflichtung trotz Kritik
Die Mitteilung über den Neuzugang beim SV Eintracht Hohkeppel (Mittelrheinliga) sorgt im Internet für Aufregung und Diskussionen. Auf seiner Vereinsseite teilt der Klub inzwischen mit: „Vor der Verpflichtung haben wir uns intensiv mit der Situation auseinandergesetzt und mehrere persönliche Gespräche mit Vladislav geführt. Diese Entscheidung wurde nach sorgfältiger Abwägung getroffen.“ Der Verein stellt weiter fest: „Unabhängig von unserer sportlichen Entscheidung sind wir uns bewusst, dass bei dem tragischen Verkehrsunfall Menschen ihr Leben verloren haben und Familien bis heute mit den Folgen leben müssen.“
Dabei stellte das Kölner Landgericht fest, dass es sich eben nicht um einen tragischen Unfall handelte. Richter Tilman Müller sagt deutlich in der Urteilsbegründung: „Die Opfer sind nicht tragisch gestorben. Sie wurden Opfer eines Verbrechens.“ Es habe sich um ein klares Rennen gehandelt. „Es ging darum, wer am schnellsten ist. Es wurde billigend in Kauf genommen, dass jemand zu Schaden kommt.“ Vladislav F. hatte im Prozess bestritten, dass er ein Rennen fuhr. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Ylvi und ihre Mutter Christina verbrannten im Wagen
Rückblick: Am 1. Dezember 2023 fuhren Geografie-Studentin Ylvi Solmecke (23) und ihre Mutter Christina (49) nach einem Konzertabend mit ihrem VW Polo auf der A 555 bei Köln nach Hause. Plötzlich kamen zwei Autos von hinten herangeschossen. Vladislav F. im Audi A5 und Nachwuchs-Kicker Vinzent S. im Mercedes E400 D versuchten, mit über 200 Kilometern pro Stunde zu überholen. Dabei stießen die beiden Fahrzeuge zusammen und der Audi krachte in das Heck des Polo. Durch die Wucht des Aufpralls kam es zu einer Explosion in dem Kleinwagen. Die beiden Frauen verbrannten im Wrack.
Kevin Theisen, Sportdirektor des SV Eintracht Hohkeppel, zu BILD: „Wir finden, dass der Junge eine zweite Chance verdient hat und bleiben trotz der Kritik bei der Entscheidung. Wir kennen Vladislav bereits seit vielen Jahren. Unser Kader ist so aufgestellt, dass wir, falls er die Haftstrafe antreten sollte, auch ohne ihn auskommen werden.“