Der österreichische Migrationsforscher Gerald Knaus (56) hat bei Markus Lanz (57) eindringlich auf die enormen Risiken der jüngsten AfD-Erfolge für die Sicherheit in Europa hingewiesen. „In den letzten Wochen hatten wir viele Warnungen von hohen Militärs und Geheimdienstleuten“, schilderte der Experte sichtlich besorgt. Darauf bezog sich etwa der polnische Ministerpräsident Donald Tusk „mit einer Rede, die an Dramatik wirklich nicht mehr zu überbieten war“. Baltische Regierungschefs würden jetzt sogar schon über Evakuierungspläne für die litauische Hauptstadt Vilnius reden.
„Es ist nicht so, dass man einen Angriff Russlands in den nächsten Wochen und Monaten direkt vorhersagen kann“, erklärte Knaus. „Aber alle Sicherheitsexperten, alle Regierungen Europas warnen uns, dass die Demokratien Europas in einer gefährlicheren Lage sind als je zuvor. Und in dieser Situation – ich war jetzt in Paris – haben alle nur über Deutschland diskutiert: Was passiert mit unserem Europa? Was passiert mit der Abschreckung gegen eine wachsende militärische Gefahr? Bei Vilnius stehen deutsche Soldaten! Deutschland wäre sofort hineingezogen, wenn da was passiert.“
„Jetzt schaut ganz Europa auf dieses Deutschland“
Hauptgrund für die Befürchtungen sei, so Knaus, die Schlappe der CDU. Die Frage sei: „Was passiert mit diesem Europa, wenn in Deutschland die Partei der Mitte, auf der dieses Europa mit aufgebaut wurde, zusammenbricht? Und eine Partei siegt, deren Chefin Alice Weidel im Sommer noch einmal betonte, wir wollen mit Putin zusammenarbeiten?“
Wenn man Sachsen-Anhalts Wahlsieger Ulrich Siegmund frage, wie sein Wahlprogramm finanziert werden solle, sei die Antwort: Die Hilfe für die Ukraine stoppen. „Das bedeutet, dass die Ukraine zusammenbricht“, sagte Knaus voraus. Denn „Deutschland ist in Summe der wichtigste Unterstützer“. Doch viele wollten jetzt „wieder mit Putin Geschäfte machen“.
„Jetzt schaut ganz Europa auf dieses Deutschland“, analysierte der Experte. „Und sieht eine Partei, die bundesweit an den 30 Prozent kratzt, die in immer mehr Bundesländern in die Nähe der Macht kommt. Und fragt sich: Können wir uns auf Deutschland noch verlassen?“ Seine Sorge: „Das demokratische Europa war vielleicht seit 1948 nicht mehr so gefährdet wie heute. Wir haben keine sichere Unterstützung mehr aus den USA von Donald Trump. Wir haben die Drohungen aus Russland. Und wir haben die Nervosität in den Nachbarstaaten, ganz besonders in Polen.“
Knallharter Knaus-Konter
Besonders kritisch beurteilte der Experte die Ansage vom AfD-Chef Tino Chrupalla (51), der erklärt habe: „Wir haben keine Angst vor Putin.“ Knaus über die wohl umstrittenste Äußerung Chrupallas: „Er kann auch nicht sehen, dass Putin Kriegsverbrechen begeht, aber Polen könnte eine Gefahr sein!“
AfD-Spitzenpolitiker Leif-Erik Holm (56), Wahlsieger in Meck-Pomm, eilte seinem Parteichef zu Hilfe: „Was er damit sagen will, ist, dass er nicht glaubt, dass Russland die Europäische Union angreifen wird“, beschwichtigte er. Doch Knaus konterte knallhart: „Die Angriffe gibt’s ja, die hybriden Angriffe, die Drohnen. Der ehemalige russische Präsident Medwedew sagte, die Europäer werden nicht mehr ruhig schlafen können. Die Drohungen kommen jeden Tag. Die Drohungen auch aus dem Kreml von den Leuten, die sagen: Wenn ihr die Ukraine weiter unterstützt, dann greifen wir euch an. Und dann kommen die Aktionen. Jeden Tag Raketenangriffe auf zivile Ziele. Jagd mit Drohnen auf Zivilisten. Und das wird dann im Internet gezeigt, um abzuschrecken.“