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Patientenschützer schlagen Pflege-Alarm: Kaum Klimaanlagen! Alten droht der Hitze-Tod

Patientenschützer schlagen Pflege-Alarm: Kaum Klimaanlagen! Alten droht der Hitze-Tod
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Berlin – Die Luft steht. Die Vorhänge sind zugezogen, die Ventilatoren surren. In manchen Pflegeheimen zeigen die Thermometer mehr als 30 Grad, vereinzelt sogar mehr als 35 Grad. Für viele Bewohner wird das zur Tortur. Hochbetagte Menschen sitzen schweißgebadet in ihren Zimmern, schlafen schlecht, klagen über Kreislaufprobleme und Atemnot. Wer bettlägerig ist oder an Demenz leidet, kann der Hitze oft nicht einmal ausweichen. Viele trinken zudem zu wenig – mit gefährlichen Folgen.

Ausgerechnet in vielen Krankenhäusern und Pflegeheimen fehlen Klimaanlagen und moderne Kühlsysteme. Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (63, SPD) ist entsetzt. Sein drastischer Befund: „Jedes teure Hotel ist klimatisiert, viele Intensivstationen nicht.“

Auch Patientenschützer schlagen Alarm. „Wieder leiden viele der 800.000 Pflegeheimbewohner unter den extremen Temperaturen“, sagt Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Sein Vorwurf: „Bestandsbauten müssen endlich den klimatischen Bedingungen angepasst werden.“

Wie dramatisch die Lage werden kann, zeigte sich zuletzt in Nordrhein-Westfalen. In Seniorenheimen in Dormagen und Krefeld mussten zahlreiche Bewohner wegen Gesundheitsproblemen aus überhitzten Gebäudebereichen in Sicherheit gebracht werden. Die Temperaturen stiegen dort auf bis zu 35 Grad. Mehrere Krankenwagen standen bereit, mindestens zehn Bewohner mussten medizinisch versorgt werden.

Auch in Krankenhäusern sieht die Lage vielerorts nicht besser aus. Nach einer Erhebung des Deutschen Krankenhausinstituts sind nur 38 Prozent der Krankenzimmer klimatisiert. In jeder dritten Klinik gibt es nicht einmal in der Notaufnahme eine Kühlung. Selbst Intensivstationen sind teilweise nicht klimatisiert.

Bernd Meurer (69), Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, fordert deshalb mehr Tempo bei der Nachrüstung. Zu BILD sagt er: „Ein Problem ist die Anpassung der baulichen Situation.“ Die Einrichtungen wollten bei Neu- und Umbauten „alle Möglichkeiten wie Klimatisierung oder Verschattung mitdenken“. Doch: „Solche Maßnahmen müssen in den Investitionskostenverhandlungen mit Kommunen und Ländern berücksichtigt werden. Das passiert leider noch nicht.“

Bundesregierung gibt zu: Es fehlt an Hitzeschutz

Die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Katrin Staffler (44, CSU), verweist auf den Einsatz der Pflegekräfte. „Bei akuter Hitze helfen Maßnahmen wie morgens stoßlüften, Räume verdunkeln und auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Dafür sorgen die Pflegefachkräfte vor Ort – bei jedem Wetter.“ Also alles nicht so schlimm? Staffler bekennt: Es fehlt an Geld, um Pflegeheime und Kliniken mit Klimaanlagen nachzurüsten. „Langfristig werden viele Einrichtungen in baulichen Hitzeschutz investieren müssen. Hier sind insbesondere die Einrichtungen in der Verantwortung und die Bundesländer mit einer Beteiligung an den Investitionskosten.“

Patientenschützer Brysch reicht das nicht. Er wirft Bund und Ländern „reinen Aktionismus“ vor. Sein Vorwurf: „Die Papiere und Konzepte enden dort, wo der Patientenschutz Geld und Personal kostet.“ Seine Forderung: verbindliche Investitionen noch in diesem Jahr. Bei Neubauten dürfe es in den Räumen künftig nicht wärmer als 25 Grad werden.

Die bittere Realität dieses Hitzesommers: Während Hotels, Bürogebäude und Einkaufszentren längst klimatisiert sind, sitzen viele Pflegebedürftige in stickigen Zimmern, kämpfen mit der Hitze – und können ihr nicht einmal entkommen.

Sogar die Grünen sind jetzt dafür, Klimaanlagen zu fördern. Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge (41), wirft der Bundesregierung in BILD vor, nichts für den Hitzeschutz der Bevölkerung zu tun. Sie fordert ein Abkühl-Sofortprogramm für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen mit solarbetriebenen Klimaanlagen.

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