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Porträt von Angela Merkel fürs Kanzleramt enthüllt

Porträt von Angela Merkel fürs Kanzleramt enthüllt
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Jérémie Queyras, nie gehört? Schade eigentlich. Vergangene Woche hätte man seine Ölbilder noch für unter 1000 Euro das Stück kaufen können. Ab jetzt eher nicht mehr. Denn Queyras hat die erste Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland gemalt. Das steigert garantiert seinen Marktwert.

Seit Dienstag, 18.30 Uhr, weiß man nun, wie sich Angela Merkel (71, CDU) in der sogenannten Kanzlergalerie im Kanzleramt – der Ahnenreihe aller Regierungschefs der Bundesrepublik – verewigt sehen will. Ernst, sehr nachdenklich den Blick nach vorn gerichtet. In enzianblauem Blazer vor ockerfarbenem Hintergrund. Ohne Raute. Gott sei Dank. Das wäre dann doch zu viel Klischee gewesen, fünf Jahre nach dem Abschied vom Amt (rechter Hand rückt auf einem Tischchen die Kanzlermappe ins Bild als elegante Reminiszenz an dieses Amt, daneben ein Würfel, den sie mal in die Hand nahm, wenn es stressig wurde).

Die Kanzlerin und der Künstler kamen ins Bode-Museum, um vor einer Gästeschar (u.a. der 93-jährige Opa von Queyras, Prof. Joachim Sauer und die Ex-Merkel-Minister Peter Altmaier und Annette Schavan) das Bild zu enthüllen.

Über Queyras’ Gemälde muss und wird sich niemand aufregen. Anders als über das goldige Fast-Heiligenbild, das SPD-Altkanzler Gerhard Schröder einst bei Jörg Immendorff (starb 2007) in Auftrag gab. Mit souveränem Pinselstrich vorgetragen, lebt das Merkel-Bild von freundlicher Sachlichkeit. Dass sich die einst mächtigste Frau der Welt eben nicht von einem Malerstar porträtieren ließ, sondern von einem gerade mal 28-jährigen französisch-deutsch-kanadischen No-Name-Mann, spricht für Angela Merkel. So war sie. So ist sie. Maler und Modell haben sich während der vielen Porträtsitzungen offenkundig gut verstanden. Und der Queyras-Satz „Der Weg nach oben ist der Weg nach unten, und der Weg nach vorn ist der Weg zurück“ könnte auch ein Merkel-Satz sein. Und die Alt-Kanzlerin? Hatte offenbar Spaß, dem Maler Modell zu sitzen: „Wir haben im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt gequatscht“, sagte sie.

Überdies muss Merkel auch extra Freude daran gehabt haben, die Mal-Arbeit an ihrem Porträt für die berühmte Galerie im Kanzleramt unter strengste Geheimhaltungsstufe zu stellen. Als die Republik immer noch rätselte, wann die frühere Regierungschefin (schied 2021 aus dem Amt) sich endlich entscheiden würde, welcher Künstler sie verewigen darf, war schon längst ein Saal in dem Museum (praktischerweise gleich gegenüber von ihrer Wohnung) reserviert. Bizarr: Selbst Deutschlands Kulturstaatsminister Wolfram Weimer tappte im Kanzleramt im Dunkeln. Er war offenkundig nicht eingeweiht, sagte noch vergangene Woche im BILD-Interview, Merkel dürfe „selbst entscheiden“, wie lange ihre Entscheidung dauere, der Respekt gebiete, abzuwarten, welchen Maler sie auswähle. So schnell kann’s gehen. Jetzt weiß er Bescheid.

Wie es zu dem Kontakt mit Merkel kam? Queryras hat ihr einfach mal Fotos von seinen Arbeiten geschickt. Danach wollte ihn Merkel kennenlernen. Und prompt gab’s den Zuschlag. Für Queyras begann ein „ungewöhnliches Jahr“, wie er gestern sagte. Ein Porträt wie dieses könne nur „entstehen, wenn Vertrauen herrscht“. Zur guten Atmosphäre habe aber auch Merkels Büroleiterin Beate Baumann beigetragen. Er hoffe nun, dass die Besucher Merkel auf dem Bild „sofort erkennen und doch von einer neuen Seite kennenlernen.“

Das Gemälde soll zunächst weiter im Bode-Museum ausgestellt werden, bevor es Anfang Oktober ins Kanzleramt umzieht.

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