Revolution bei der Tour de France! Nicht weniger als das fordert Ralph Denk (52), Teamchef und Gründer des deutschen Rennstalls Red Bull-Bora-hansgrohe. Es geht um Preisgeld, Einnahmen und Hotels. Zum 13. Mal ist der Bayer aus Raubling mit seiner Mannschaft beim größten Radrennen der Welt dabei. Erfahrung hat er also genug und weiß, wie man ein solches Unternehmen von null aufbaut. Bei der Frankreich-Rundfahrt 2026 gelangen durch den Belgier Remco Evenepoel (26) zwei Etappensiege und das Podium am Sonntag in Paris winkt. Pech dagegen hatte er, dass sein Vorzeigefahrer Florian Lipowitz (25) mit einem Schlüsselbeinbruch am Dienstag aufgeben musste.
Nur 500.000 Euro bekommt der Tour-Gewinner, während Wimbledonsieger Jannik Sinner (24) mit 4,2 Millionen nach Hause fährt. Denk zu BILD: „Der Tennisspieler ist schon richtig bezahlt, der Radsportler nicht. Man könnte jetzt sagen, der Sport, der ist halt viel kleiner. Aber wenn du die Bilder in den Vogesen gesehen hast, an der deutschen Grenze, oder jetzt in Alpe d’Huez, unser Sport hätte ein Riesenpotenzial.“
Warum wird das nicht ausgeschöpft? „Der Radsport muss in der Gesamtvermarktung massiv seine Hausaufgaben machen. Aktuell gibt es einen Gutverdiener, das ist die ASO (Tour-Organisator; d. Red.). Die Teams haben tolle Partner und mittlerweile auch tolle Besitzer. Aber das ist noch kein Businessmodell für die Teams. Das einzige funktionierende Businessmodell ist die ASO. Unser Sport ist in vielen Bereichen einfach noch amateurhaft im Vergleich zu anderen Sportarten. Der Tour-de-France-Sieger hat definitiv auch das Preisgeld des Wimbledonsiegers verdient.“
Dabei hat er nicht nur die sportliche Leistung an sich, sondern auch die Wirkung auf die Menschen generell im Blick. „Wenn ich meine verdient, dann geht es nicht um die Anstrengung. Der Schwimmer oder der Tischtennisspieler strengen sich genauso an. Ein Preisgeld sollte immer gesteuert sein von: Wie groß ist der Sport? Wie sind die Einnahmequellen? Wie viele Leute schauen hin? Dann geht's im Endeffekt allen Protagonisten gut. Schauen wenige hin, wird es schwierig. Deswegen ist ja der Fußball so hoch bezahlt, weil halt so viele Leute hinschauen“, so Denk zu BILD.
Aber Zuschauereinnahmen sind im Radsport, abgesehen von der Champs-Élysées nun mal nicht möglich. Denk sieht es anders, fordert eine Tour-Revolution: „Würde ich so jetzt nicht stehen lassen. Warum kann man nicht Eintrittsgelder generieren? Ich sage ja nicht, von Kilometer null bis zum Ziel. Aber vielleicht gewisse Bereiche. Ich will nicht sagen, der Radsport darf nicht mehr zugänglich sein. Aber man kann ja gewisse Bereiche machen, wo der Zuschauer auch mehr kriegt, wenn er zahlt.“
Also jetzt Alpe d'Huez unten dichtmachen und Eintritt nehmen? „Warum nicht? Auf dem Plateau oben gibt’s für die Leute noch ein großes Rockkonzert oder was weiß ich nicht. Einfach mal groß denken“, fordert er. Und Abschnitte, um diese Ideen durchzusetzen, würde es tatsächlich auf jeder Etappe irgendwo geben und wo es tatsächlich nicht möglich ist, bleibt es eben wie bisher.
Was Denk auch umtreibt: die Ekel-Hotels, wahrhaftige Absteigen. Die machten bei der Tour de France durch Spinnweben quer durch die Zimmer, in denen sich unzählige Insekten verfangen hatten, oder versiffte Wände und Bäder Schlagzeilen. Das norwegische Team Uno-X Mobility hauste in einem. Denk: „Ich habe mir das juristisch ein bisschen tiefer angeschaut. Der Veranstalter ist verpflichtet, wenn er sich schon anmaßt, Hotels zur Verfügung zu stellen, auch was Adäquates zu präsentieren. Das heißt, dass es den Regenerationsprozess nicht unterbricht oder verschlechtert. Was da so stattgefunden hat, ist nicht Tour-de-France-like, das sollte nicht passieren. Da tut sich die ASO selbst keinen Gefallen.“
Am Ende der Tour, so der Plan, soll jedes Team zusammengerechnet in derselben Anzahl an Sternen genächtigt haben. „Es ist sicherlich schwierig, in strukturschwachen Regionen adäquate Hotelkapazitäten zu finden. Und ja, es ist schön, dass sie sich Gedanken machen, dass da eine Gleichbehandlung stattfindet. Überprüfen kann die Gleichbehandlung aber sowieso keiner. Das kann man auch als Lippenbekenntnis sehen. Was Fakt ist, ich habe noch nie irgendwelche Funktionäre in schlechten Hotels gesehen, weder von der ASO noch von der UCI (Weltverband – d. Red.). Vielleicht hat man das früher noch unter der Decke halten können, wo es noch kein Social Media gab. Aber jetzt kannst du den Rennfahrern ja keinen Maulkorb geben. Wenn die was Scheiße finden, dann hauen die das raus. Das ist die moderne Welt, mit allen Vor- und Nachteilen. Eine Werbung für die Tour de France ist es jedenfalls nicht.“
Überraschend und im Fußball undenkbar: Evenepoel kam ungeschoren davon, nachdem er mit Lipowitz seinen Co-Kapitän öffentlich angepisst hatte, weil dieser, völlig platt von der Etappe über den Tourmalet, nicht den Sprint für ihn anziehen wollte. Denk: „Das war nicht böswillig und es ist für mich immer das Wichtigste, ob einem da nach 200 Kilometern mit dem Messer am Hals irgendein Satz rausrutscht. Den darf man dann nicht auf die Goldwaage legen. Mir ist es so immer lieber, und euch als Journalisten auch, weil die aalglatten Fußballinterviews – furchtbar. Entschuldige, dass ich das so hart sage, aber die gehen mir auf den Sack.“