Während in Nordamerika die WM läuft, gibt's für den DFB innenpolitisch ein Zeichen mit Knall-Effekt! Die sechs Ministerpräsidenten der ostdeutschen Bundesländer haben in ihrer regelmäßigen Konferenz das Thema Regionalliga-Reform auf die Agenda gesetzt und einen Beschluss gefasst. Sie fordern den DFB mit einer gemeinsamen Erklärung, die dem MDR vorliegt, auf, das sogenannte Kompassmodell zu beschließen und umzusetzen.
Dieses soll die fünf Staffeln der 4. Liga zu vier verringern, damit alle Meister aufsteigen können. Bisher durften nur die Erstplatzierten der Regionen West und Südwest in die 3. Liga hoch, während die Sieger aus Bayern, dem Norden und Osten in zwei von drei Jahren in eine Relegation untereinander mussten. So blieb immer ein Meister unten.
Die bisherige DFB-Regelung wird von den Regierungschefs im Osten als „dauerhaft nicht sachgerecht“ zurückgewiesen. Das Kompassmodell sei aus ihrer Sicht eine geeignete Grundlage für eine zukunftsfähige Neuordnung der Regionalligen.
Voigt spricht von „strukturellen Ungleichheiten“
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (49/CDU), der das politische Signal mit seinen Kollegen angestoßen hatte, sagte dem MDR: „Strukturelle Ungleichheiten beseitigt man nur mit strukturellen Reformen. Die Regionalliga darf für unsere Traditionsvereine keine gläserne Decke auf dem Weg in den Profifußball bleiben.“ Darum folgten seinem Impuls nach Michael Kretschmer (CDU/Sachsen) auch Sven Schulze (CDU/Sachsen-Anhalt), Kai Wegner (CDU/Berlin), Dietmar Woidke (SPD/Brandenburg) und Manuela Schwesig (SPD/Mecklenburg-Vorpommern).
Es gehe den ostdeutschen Ländern nicht um eine neue Ost-West-Debatte, sondern um faire Wettbewerbsbedingungen für alle Vereine. Schließlich sind auch Bayern und der Norden betroffen. Dass die Politik sich mit solcher Wucht in eine Fußball-Debatte einschaltet, ist ein wohl einmaliger Vorgang in der Bundesrepublik.
Fall Lok Leipzig schlägt Wellen
Hintergrund ist, dass die Regionalverbände im DFB die Lösung lange Zeit komplett blockiert hatten. Und der Fall Lok Leipzig schlug hohe Wellen.
Der sächsische Traditionsverein durfte trotz drei Viertliga-Meisterschaften seit 2020 nicht einmal in die 3. Liga aufsteigen. Dabei hatte der Kultklub Millionen Euro auch mithilfe politischer Förderungen in sein Gelände gesteckt, um alle DFB-Auflagen zu erfüllen und eine professionelle nachhaltige Infrastruktur für den Profifußball aufzubauen. Genauso hatte Lok bei früheren Fan-Problemen u.a. mit Anti-Rassismus-Kampagnen beachtliche Fortschritte erzielt und nebenbei mit kleinem Geld sportliche Erfolge gefeiert.
Kurios: Als 1860 München auch noch die Drittliga-Lizenz entzogen wurde, durfte Leipzig selbst dann nicht als fünfter Meister hoch, sondern der sportliche Absteiger Havelse, der Tribünen in seinem Ausweichstadion bereits abgebaut hatte, bekam den Zuschlag.
Nach BILD-Informationen erzürnen diese Beispiele mittlerweile auch die Politik. Denn die ostdeutschen Ministerpräsidenten wissen, dass durch die Klub-Präsenz in höheren Ligen auch wirtschaftliche Effekte in den Regionen durch Hotelübernachtungen, Gastronomie oder das generelle Image hängen bleiben. Letztlich geht es um Arbeitsplätze und die Identität der Städte.
Darum haben die sechs CDU- und SPD-geführten Landesregierungen nun ein parteiübergreifendes Signal gesetzt, das der DFB und vor allem seine Regionalverbände nicht einfach vom Tisch wischen können. Den DFB-Vize-Bossen und Landesverbandspräsidenten wie speziell Dr. Christoph Kern (42/Bayern) werfen Experten schwerwiegende Strukturfehler und ein konstruiertes System vor.