Kiew/Moskau– Putins eigenes Starlink ist bereits im Kriegseinsatz! Russland nutzt sein neues Satellitensystem „Rasswet“ inzwischen für die militärische Kommunikation über der Ukraine. Das bestätigte erstmals der ukrainische Militärgeheimdienst HUR. Kiew warnt vor den Folgen russischer Drohnenangriffe.
Schon Anfang September hatte BILD über den Aufbau des russischen Satellitennetzes berichtet. Damals erklärte Militärexperte Oberst Markus Reisner (48), dass die Satelliten bereits täglich mindestens zwei stabile Kommunikationsfenster über der Ukraine ermöglichen.
Drohnen könnten im Flug neue Ziele erhalten
Das System soll Russland ermöglichen, seine Streitkräfte unabhängig vom amerikanischen Satellitennetz Starlink zu vernetzen. Besonders gefährlich könnte das für die Ukraine bei Angriffen mit Langstreckendrohnen werden. Über Satellitenverbindungen lassen sich Fluggeräte auch während eines Einsatzes mit neuen Informationen versorgen und möglicherweise auf andere Ziele lenken. Das könnte russische Angriffe präziser machen und die ukrainische Luftabwehr zusätzlich belasten.
Der ukrainische Sicherheitsexperte Mykola Zientsev sieht laut Reuters bereits erste Hinweise darauf, dass Rasswet Auswirkungen auf russische Angriffe mit schnellen Düsendrohnen haben könnte. Ein konkreter Zusammenhang zwischen dem System und einzelnen erfolgreichen Angriffen ist allerdings bislang nicht unabhängig nachgewiesen.
Putins Starlink hat noch Probleme
Russland hat in diesem Jahr insgesamt 32 Rasswet-Satelliten ins All gebracht, jeweils 16 im März und im Juli. Entwickelt wird das System vom russischen Unternehmen Bureau 1440.
BILD berichtete bereits, dass mehrere Satelliten zunächst ihre vorgesehenen Umlaufbahnen nicht erreichten. Zudem hatte eine ukrainische Flamingo-Rakete im August das russische Progress-Raketenzentrum in Samara getroffen, in dem Trägerraketen für die Satellitenstarts hergestellt werden. Trotz dieser Rückschläge ist das System inzwischen militärisch nutzbar.
Von einer flächendeckenden Versorgung ist Russland allerdings noch weit entfernt. Während Elon Musks Starlink über mehr als 10.000 Satelliten verfügt, kann Rasswet bislang nur zeitweise Verbindungen über der Ukraine herstellen.
Russland will sein Satellitennetz massiv ausbauen
Der Kreml plant, die Zahl der Rasswet-Satelliten in den kommenden Jahren erheblich zu erhöhen. Bis 2035 sollen es nach bisherigen Planungen mehr als 900 sein.
Schon im September warnte Oberst Reisner gegenüber BILD, Russland könne damit seine bisherige Abhängigkeit von Starlink ausgleichen. Russische Langstreckendrohnen seien dadurch zunehmend in der Lage, Ziele tief in der Ukraine anzugreifen. Die neue Bestätigung aus Kiew zeigt: Die Technologie ist nicht mehr nur ein Zukunftsprojekt. Russland setzt sie nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes bereits im Krieg ein.