„Nach dem Spiel wissen wir definitiv, wo wir stehen.“ DFB-Sportdirektor Rudi Völler (66) im ZDF vor unserem zweiten WM-Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste! Die Antwort: noch nicht titelreif, mit Problemen in der Abwehr – aber dem besten WM-Joker.
Sechs Tage nach dem Torfestival gegen WM-Debütant Curaçao (7:1) dreht das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) einen Pausen-Rückstand noch in einen 2:1-Sieg gegen die Ivorer (jüngster WM-Kader) – dank des eingewechselten Deniz Undav (29).
Doppelpacker Undav schießt DFB-Team zum Sieg
Nach 60 Minuten beim Stand von 0:1 bringt Nagelsmann Undav, Amiri und Leweling (für Musiala, Sané, Pavlovic) – mit Erfolg. Acht Minuten später flankt Amiri von rechts in die Mitte, wo Undav am zweiten Pfosten den Ball volley versenkt – 1:1 (68.).
Völlige Ekstase in der vierten Minute der Nachspielzeit: Nach Zuspiel von Nmecha ist Undav wieder zur Stelle, bleibt cool und schießt die deutsche Nationalmannschaft mit dem Last-Minute-Tor zum 2:1 vorzeitig in die K.o-Runde (Sechzehntelfinale).
Jonathan Tah (30/sein Vater stammt aus der Elfenbeinküste) im ZDF: „Deniz muss man heute nicht hervorheben. Er ist jemand, der sich nicht so viel von außen ablenken lässt. In der Halbzeit pusht er das Team, nach seiner Einwechslung pusht er das Team. Einfach überragend.“
Schon beim Auftakterfolg gegen Curaçao machte der VfB-Stürmer nach seiner Einwechslung in der 64. Minute mit einem Tor und zwei Vorlagen Werbung in eigener Sache. Jetzt legt er nach und hat nun in 56 WM-Minuten insgesamt fünf Scorerpunkte (drei Tore, zwei Vorlagen).
Nagelsmann tobt an der Seitenlinie
Kurz vor Schluss tickt unser Bundestrainer richtig aus: Wegen Zeitspiels der Ivorer explodiert Nagelsmann, der bereits zuvor mehrfach auf 180 ist, an der Seitenlinie komplett, donnert einen Ball auf den Boden und diskutiert heftig mit dem Vierten Offiziellen.
Sieg gerettet, ABER: Davor macht der Auftritt viele Sorgen. Erschreckend: Joshua Kimmich (31) wird hinten rechts im Duell mit Leipzig-Star Yan Diomande (19) schwindelig gespielt. So entsteht auch der Rückstand. Diomande vernascht unseren Kapitän, läuft einfach an ihm vorbei. In der Mitte rettet Brown im ersten Versuch noch gegen Diallo. Doch der Abpraller fällt vor die Füße von Kessié, der die Kugel zum 1:0 für die Elfenbeinküste ins Tor knallt (30.).
Bezeichnend: Kurz vor der Pause setzt Diomande ein Zeichen. Nach einer fairen Grätsche des Leipzigers gegen Kimmich, ruft er dem Bayern-Star noch ein paar Worte zu und gibt ihm einen kleinen Schubser in den Rücken. Die Ivorer sind heiß, kämpfen um jeden Zentimeter. Die DFB-Stars haben dem lange nichts entgegenzusetzen. Auch bei der großzügigen Linie von Schiri Benítez, der viele Zweikämpfe laufen lässt, kommt kaum Gegenwehr.
Innenverteidiger Nico Schlotterbeck (26) muss nach einem Zweikampf mit Gegenspieler Amad Diallo (23) am linken Bein behandelt werden – und zur Halbzeit raus.
Schwach: Unsere Offensiv-Künstler um Wirtz, Musiala und den öffentlich in der Kritik stehenden Sané fehlt es an Ideen gegen die starke Defensive der Ivorer (kein Gegentor in der WM-Quali). Einzig Nmecha versprüht mit seinen Distanzschüssen (21.) ein wenig Gefahr. Von der Spielfreude gegen Fußballzwerg Curaçao fast nichts zu sehen. Da ist es nur ein kleiner Trost, dass der Ball zwar zweimal im Tor der Elfenbeinküste liegt (22./38.), die Treffer aber jeweils wegen Foulspiels (Pavlovic gegen Fofana, Musiala gegen Kossounou) aberkannt werden.
Am Ende bringt das goldene Händchen von Nagelsmann und die Klasse von Top-Joker und Doppelpacker Undav den Sieg – und den vorzeitigen Einzug ins Sechzehntelfinale.