Innsbruck (Österreich) – Die Vorwürfe gegen den Gründer der SOS-Kinderdörfer werden immer schwerwiegender. Ein neuer Untersuchungsbericht nennt inzwischen 16 Verdachtsfälle sexualisierter Gewalt gegen Hermann Gmeiner (†1986).
Nach Angaben der unabhängigen Aufarbeitungskommission waren die mutmaßlichen Opfer zum Zeitpunkt der Taten zwischen sechs und 20 Jahre alt. Die Übergriffe sollen sich zwischen den 1950er und 1980er Jahren an verschiedenen österreichischen SOS-Kinderdorf-Standorten ereignet haben.
Zuvor war von acht mutmaßlichen Opfern die Rede gewesen. Die Kommission schließt allerdings nicht aus, dass sich weitere Betroffene melden.
Vorwürfe seit Jahren bekannt
Die Anschuldigungen gegen Gmeiner waren innerhalb der Organisation bereits seit Jahren bekannt. Die mutmaßlichen Opfer meldeten sich zwischen 2013 und 2023 und durchliefen Opferschutzverfahren. Nach Angaben der SOS-Kinderdörfer erhielten sie Entschädigungszahlungen und therapeutische Unterstützung.
Gerichtliche Verurteilungen gibt es gegen den 1986 verstorbenen Gmeiner nicht. Die Kommission bewertet die Schilderungen der Betroffenen jedoch als glaubhaft und plausibel.
Der Gründer der SOS-Kinderdörfer hatte sein Lebenswerk dem Schutz von Kindern gewidmet. Umso schwerer wiegen die neuen Vorwürfe gegen den Mann, der die weltweit tätige Hilfsorganisation nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut hatte.