Wirtschaft

„Zu viele Hierarchieebenen“ – Das sind die Unicredit-Pläne für die Commerzbank

„Zu viele Hierarchieebenen“ – Das sind die Unicredit-Pläne für die Commerzbank

Unicredit-Chef Andrea Orcel will den Bund als Aktionär der Commerzbank halten. „Ein staatlicher Anteilseigner verleiht nicht nur der Commerzbank, sondern unserer ganzen Gruppe zusätzliche Stabilität“, sagte Orcel im Interview mit WELT AM SONNTAG. Er habe nicht vor, den deutschen Staat aus der Commerzbank herauszukaufen. „Wenn wir uns grundsätzlich einig sind, wäre die Bundesregierung als Partner positiv zu beurteilen.“

Orcel äußerte sich zuversichtlich, dass es schon bald zu persönlichen Gesprächen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) oder Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) kommen wird. „Lassen wir erst einmal die Sommerferien vergehen“, sagte er. Er sei optimistisch, dass der Widerstand danach schwinde. „Ich sehe derzeit keinen Punkt, bei dem wir grundsätzlich anderer Meinung sein müssten“, sagte Orcel. Der Bund hält zwölf Prozent an der Commerzbank.

Einen umfangreichen Stellenabbau und Filialschließungen im Privatkundengeschäft schloss der Chef der italienischen Großbank aus. „Im Filialgeschäft und im direkten Kundenkontakt sind unseres Erachtens kaum Eingriffe erforderlich“, sagte er.

„Keine signifikante Filialschließungswelle“

Die eigentlichen Einschnitte beträfen eher höher dotierte Managementfunktionen als klassische Kundenberater. „Die Commerzbank verfügt aus unserer Sicht über zu viele Hierarchieebenen“, sagte Orcel. Die Zahl der aktuell rund 400 Filialen hält er dagegen für angemessen. „Da die Commerzbank ihr Filialnetz bereits massiv reduziert hat, erwarten wir keine signifikante Filialschließungswelle“, sagte der Unicredit-Chef.

Einen schnellen Zusammenschluss der Commerzbank mit der bereits vor 20 Jahren von Unicredit übernommenen Hypovereinsbank (HVB) schloss Orcel aus. „Commerzbank und HVB sollen zwei bis drei Jahre eigenständig bleiben“, sagte er. Würde man die beiden Organisationen sofort zusammenwerfen, entstünden erhebliche Widerstände und Reibungsverluste. Über einen Zusammenschluss werde erst in vier bis fünf Jahren entschieden.

Gleiches gelte für die Frage, ob die neue Bank dann Commerzbank, Hypovereinsbank oder Unicredit heiße. „Ich kann mir alle Marken für den künftigen Auftritt in Deutschland vorstellen“, sagte Orcel.

Der ehemalige Investmentbanker brachte die Möglichkeit ins Spiel, dass die Commerzbank an der Börse gelistet bleibt. „Es gibt Szenarien, in denen die Bank selbst nach einer Fusion börsennotiert bleibt. Eine Börsennotierung kann die Bindung an ein Land stärken“, sagte Orcel. Er sehe derzeit keinen Anlass, über Squeeze-out oder Delisting nachzudenken. Die aktuelle Beteiligung gebe Unicredit „bereits jetzt den notwendigen Einfluss“, wie er sagte.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Karsten Seibel ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet unter anderem über Haushalts- und Steuerpolitik.

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