Berlins parteilose Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson hat ihren RĂŒcktritt angekĂŒndigt. Sie habe den Regierenden BĂŒrgermeister Kai Wegner (CDU) um ihre Entlassung gebeten, teilte die parteilose Politikerin im Rahmen eines Statements zu einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht des Rechnungshofes mit. Der Bericht sieht bei der Vergabe von Fördermitteln fĂŒr Projekte gegen Antisemitismus schwere RechtsverstöĂe und VersĂ€umnisse. Am Dienstag hatte Wedl-Wilson aufgrund der VorwĂŒrfe bereits ihren StaatssekretĂ€r Oliver Friederici (CDU) entlassen.
Ihren eigenen RĂŒcktritt begrĂŒndete Wedl-Wilson mit ihrer Verantwortung gegenĂŒber der Stadt Berlin und ihren BĂŒrgern. Sie habe sich dazu entschlossen, um Schaden von dem wichtigen Kampf gegen zunehmenden Antisemitismus in Berlin abzuwenden, sagte die gebĂŒrtige Britin. Wegner nahm das RĂŒcktrittgesuch an und dankte Wedl-Wilson fĂŒr ihre Arbeit. »Sarah Wedl-Wilson ĂŒbernimmt politisch und persönlich Verantwortung â dafĂŒr gebĂŒhrt ihr Respekt«, sagte er.
In dem PrĂŒfbericht kam der Berliner Landesgerichtshof zu der EinschĂ€tzung, die Kulturverwaltung habe mit ihren Verfahren zur Bearbeitung und Auszahlung bestimmter FörderantrĂ€ge gegen die Landeshaushaltsordnung und andere Regeln verstoĂen. »Die betreffenden Zuwendungsbescheide hĂ€tten auf dieser Grundlage nicht erlassen werden dĂŒrfen«, heiĂt es in dem Bericht.
Rechnungshof kritisiert Fördermittelvergabe als willkĂŒrlich
Als Kultursenatorin hatte Wedl-Wilson die Gelder freigegeben. Der Rechnungshof beurteilte die Auswahl der Projekte in der Kulturverwaltung als willkĂŒrlich und nicht auf Basis nachvollziehbarer Kriterien getroffen. Es habe keine Chancengleichheit fĂŒr potenzielle andere Bewerber bestanden.
Die Senatsverwaltung habe kein verbindliches Verfahren zur PrĂŒfung von FörderantrĂ€gen festgelegt, zudem habe eine nachvollziehbare fachlich-inhaltliche Bewertung gefehlt. Betroffen seien 13 Projekte fĂŒr das Jahr 2025 mit einem Volumen von rund 2,6 Millionen Euro aus dem Etat fĂŒr »Projekte von besonderer politischer Bedeutung«.
Wedl-Wilson insgesamt weniger als ein Jahr im Amt
Diese gehörten zu einer Liste von insgesamt 18 Projekten, fĂŒr deren Förderung sich insbesondere die Berliner CDU-Fraktion eingesetzt hatte. Linke und GrĂŒne warfen Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson sowie ihrem im Mai 2025 zurĂŒckgetretenen VorgĂ€nger Joe Chialo (CDU) vor, unzulĂ€ssigem Druck aus der CDU nachgegeben zu haben. Ein Untersuchungsausschuss befasst sich seit Dezember mit den VorwĂŒrfen.
Wedl-Wilson ist seit Mai 2025 Senatorin, mit dem RĂŒcktritt war sie also insgesamt weniger als ein Jahr im Amt. Ihr VorgĂ€nger Chialo war zuvor ebenfalls zurĂŒckgetreten. Grund fĂŒr seinen RĂŒcktritt war nach seinen Angaben das AusmaĂ damaliger KĂŒrzungen im Kulturbereich.