Benzin und Diesel haben lĂ€ngst die Marke von zwei Euro gerissen. Tendenz stark steigend. Das trifft gerade Pendler hart und kommt den Regierungsparteien besonders in einem Monat ungelegen, da in zwei FlĂ€chenlĂ€ndern Landtagswahlen anstehen â in Baden-WĂŒrttemberg und Rheinland-Pfalz. Die Versuchung ist groĂ, mit populistischen MaĂnahmen darauf zu antworten: einer Bestrafung der Ălkonzerne, die jetzt schon die Preise erhöhen, obwohl sie das Ăl noch zu den alten Preisen eingekauft haben; oder einem Tankrabatt, wie ihn die Ampelregierung nach dem russischen Ăberfall auf die Ukraine einfĂŒhrte.
Auf Konzerne zu schimpfen geht immer. "Also es darf da jetzt keine Abzocke geben, und da muss Politik natĂŒrlich auch handeln und muss da klar und konsequent vorgehen", sagte SPD-Chef Lars Klingbeil in der Sendung . Klar und konsequent taten die Regierungsparteien daraufhin das, was Politik immer tut, wenn sie nicht weiterweiĂ: Sie setzten eine Arbeitsgruppe ein. AuĂerdem kĂŒndigte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU eine kartellrechtliche ĂberprĂŒfung der plötzlichen PreissprĂŒnge an.
Jedoch hat Justus Haucap, der zu Reiches Beraterkreis gehört, schon 2012 als Chef der Monopolkommission festgestellt, dass es "sehr schwer sein wird, den Mineralölgesellschaften einen Missbrauch ihrer starken Marktposition gerichtsfest nachzuweisen, denn echte Absprachen scheint es nicht zu geben. Die einstudierten Preiserhöhungsmuster gelingen auch ohne Absprache."
KartellÀhnliche Strukturen
So ist es. Das Problem ist eben die "starke Marktposition" der Mineralölkonzerne. Vier auslÀndische Unternehmen kontrollieren etwa zwei Drittel der deutschen Raffinerieproduktion: Shell, BP, Total und Rosneft. (Die Rosneft-Raffinerie in Schwedt wird zurzeit treuhÀnderisch von der Bundesnetzagentur verwaltet.) Von den etwa 14.000 deutschen Tankstellen wiederum sind 80 Prozent mit ExklusivvertrÀgen an die "Big Five" gebunden: die BP-Tochter Aral, Shell, Total, Esso und Jet, das einem amerikanischen Investmentduo gehört.
Aber an eine Zerschlagung der kartellĂ€hnlichen Strukturen, die der FDP-Politiker Rainer BrĂŒderle als Wirtschaftsminister 2010 und der GrĂŒne Robert Habeck in der gleichen Funktion 2022 vorschlugen, will keiner ran, weder Klingbeil noch Reiche. Ganz davon abgesehen, dass ein solcher Eingriff allenfalls langfristig wirken wĂŒrde und den Autofahrerinnen heute nichts bringt.
Wie wĂ€re es mit einem Tankrabatt, wie ihn die Ampelregierung im Sommer 2022 einfĂŒhrte? Das fordert die AfD-Fraktion im Bundestag. Finanziert werden soll der Rabatt durch die Aussetzung der COâ-Steuer auf fossile Kraftstoffe. Erwartbar ziehen Teile der CDU nach. So meinte Sachsen-Anhalts MinisterprĂ€sident Sven Schulze (CDU) im Podcast von , bei einer lĂ€nger anhaltenden Verteuerung der Ăl- und Gaspreise mĂŒsse die Regierung auf eine geringere COâ-Bepreisung im europĂ€ischen Emissionshandel drĂ€ngen, um BĂŒrger und Unternehmen zu entlasten. Schulze ist MinisterprĂ€sident auf Abruf, denn im September wird gewĂ€hlt, und die AfD liegt in Umfragen scheinbar uneinholbar vorn.
Doch wĂ€re ein Tankrabatt nicht nur parteipolitisch, sondern haushaltspolitisch, ökologisch und sozial das falsche Signal. Man schlĂ€gt die AfD nicht, indem man ihr nachplappert. Das dreimonatige Experiment der Ampel kostete drei Milliarden Euro, die durch Schulden finanziert werden mussten und fĂŒr Investitionen in erneuerbare Energien oder den Ausbau von Ladestationen fehlten.Â
Der Preisnachlass nutzte den wohlhabenden Fahrern groĂer Autos am meisten, den weniger privilegierten, auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesenen Teilen der Bevölkerung gar nichts. So wĂ€re es auch heute, und das in einer Situation, da sich die Regierung neue Schulden (Sondervermögen) in einer Höhe gönnt, von der die Ampel nur trĂ€umen konnte. Schulden, die durch einen Wirtschaftsaufschwung finanziert werden sollten, der vermutlich nicht stattfinden wird, wenn der Krieg im Iran lĂ€nger anhĂ€lt und die Energie nachhaltig teurer bleibt.