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Der hat schon Gelb!

Der hat schon Gelb!

Nach dem Schlusspfiff wussten die Spieler von Real Madrid innerhalb weniger Sekunden ganz genau wohin mit ihrem Ärger: direkt hinein ins Gesicht des Schiedsrichters.

Slavko Vinčić hatte gerade ein höchst unterhaltsames Viertelfinal-RĂŒckspiel beendet, der FC Bayern sich fĂŒrs Halbfinale der Champions League qualifiziert, Real war raus, da bauten sich die Madrilenen vor dem Slowenen auf. Einige verfolgten ihn gar bis zu dem Mundloch, das vom Feld hinunter in die Katakomben fĂŒhrt. Arda GĂŒler, doppelter TorschĂŒtze, kassierte ein paar Meter davor noch einen Platzverweis.

»Er hat ein sehr schönes, sehr ausgeglichenes Spiel auf dem Höhepunkt ruiniert, und dann war das Spiel vorbei«, sagte Reals Trainer Álvaro Arbeloa hinterher. »Das Spiel hat sich mit dem Platzverweis entschieden. Es war ein Fehler des Schiedsrichters. Unbegreiflich. Es tut einfach weh.«

Was war passiert? Eine Szene, die die jedem Amateurfußballer bekannte Phrase »Der hat schon Gelb!« provozierte.

In der 86. Minute hatte Eduardo Camavinga ein Allerweltsfoul an Harry Kane begangen. Camavinga aber hatte den Ball nach dem Pfiff noch ein paar Meter am Fuß gefĂŒhrt, sich dann umgedreht und den Ball in die Hand genommen. DafĂŒr bekam er von Vinčić die Gelbe Karte. Regeltechnisch vertretbar, Camavinga hatte das Spiel verzögert, wenn auch nur ein bisschen. Er hat den Ball andererseits nicht weggekickt, wie es manchmal zu sehen ist, sondern lief mit ihm in der Hand immerhin eher zurĂŒck zum Ort des anstehenden Freistoßes als davon weg.

Zwei Lesarten nach dieser Entscheidung

Vinčićs Entscheidung sollte ihre volle Wirkung aber erst ein paar Sekunden spĂ€ter entfalten. Weil Camavinga bereits zehn Minuten zuvor Gelb gesehen hatte, weil er Musiala festgehalten hatte, folgte die Gelb-Rote Karte. Platzverweis. Zu diesem Zeitpunkt stand es, beide Spiele aufaddiert, unentschieden. Real fĂŒhrte in MĂŒnchen mit 3:2, hatte damit das 1:2 aus dem Hinspiel wettgemacht. Die Partie war komplett offen, stand kurz vor der VerlĂ€ngerung. Kleinigkeiten, so viel war klar, wĂŒrden nun entscheiden. Und auf diesem Niveau die restliche Spielzeit und womöglich sogar eine VerlĂ€ngerung mit einem Mann weniger zu spielen, ist mehr als eine Kleinigkeit.

Als Vinčić zunĂ€chst die Gelbe Karte zeigte, schien er nicht im Kopf gehabt zu haben, dass er Camavinga bereits zuvor verwarnt hatte. Der Slowene hat sich nach der Partie nicht geĂ€ußert. Als Indiz dafĂŒr kann aber sein Wegdrehen nach der ersten Karte gelten. FĂŒr ihn schien die Sache mit Gelb erst mal erledigt. Erst kurz darauf bemerkte er – oder wurde per Funk oder durch die reklamierenden Bayernspieler darauf aufmerksam gemacht –, dass Camavinga schon Gelb hatte. Erst dann folgte der Platzverweis.

Eine Entscheidung, fĂŒr die es zwei Lesarten gibt: selbst schuld, so die erste. Wer so ungeschickt ist wie Camavinga und den Ball nicht hergibt, obwohl er schon verwarnt ist, hat nichts anderes als eine zweite Gelbe und damit den Platzverweis verdient. »Er hat davor schon zweimal den Ball in die Hand genommen, er soll ihn einfach liegen lassen und weggehen«, sagte etwa Bayerns Sportvorstand Max Eberl nach dem Spiel .

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