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Deutsche Wirtschaft rechnet auch nach Zoll-Urteil mit Unsicherheiten

Deutsche Wirtschaft rechnet auch nach Zoll-Urteil mit Unsicherheiten

Deutsche WirtschaftsverbĂ€nde rechnen auch nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes ​in den USA gegen die von PrĂ€sident Donald Trump eingefĂŒhrten Zölle mit anhaltender Unsicherheit im GeschĂ€ft mit ihren wichtigsten Exportkunden. "Die Entscheidung bedeutet keine Entwarnung", sagte der PrĂ€sident des Bundesverbandes Außenhandel, Großhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura. Die US-Regierung verfĂŒge weiterhin ĂŒber erhebliche handelspolitische SpielrĂ€ume.

Zudem sei die RĂŒckabwicklung bereits entrichteter Zölle rechtlich wie administrativ Ă€ußerst komplex. Auch nach der heutigen Entscheidung sei ​nicht mit einer schnellen oder unbĂŒrokratischen Erstattung zu rechnen. Betroffene Unternehmen mĂŒssten vielmehr davon ausgehen, RĂŒckzahlungsansprĂŒche aktiv geltend zu ‌machen und ⁠gegebenenfalls gerichtlich durchzusetzen. Dem stimmen auch Sprecher der Deutschen Industrie- und ​Handelskammer (DIHK) und des Maschinenbauverbands VDMA zu.

"Die ​Entscheidung gibt mir die Zuversicht zurĂŒck"

"Das Urteil ist ein deutlicher Beweis fĂŒr die bestehende Gewaltenteilung in den USA", sagte Wolfgang Niedermark, Mitglied der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Gleichzeitig warnt er vor anhaltender Unsicherheit fĂŒr international tĂ€tige Unternehmen.

Der Bundesverband E-Commerce ​und Versandhandel (bevh) begrĂŒĂŸt die Aufhebung der Zölle. "Die ​Entscheidung gibt mir die Zuversicht zurĂŒck, dass Recht und Gesetz auch in den USA weiter der Maßstab fĂŒr alle Entscheidungen sind", ‌sagt ⁠bevh-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Christoph Wenk-Fischer.

EU will sich weiter fĂŒr niedrige Zölle einsetzen

HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Kerstin Maria Rippel der Wirtschaftsvereinigung Stahl sagte, der Richterspruch beziehe sich ausdrĂŒcklich nicht auf die unter dem Vorwand der nationalen Sicherheit verhĂ€ngten Stahlzölle von 5 Prozent. Umso dringlicher sei es, dass der Vorschlag ⁠der EU-Kommission fĂŒr ein wirksames Schutzinstrument im Stahl-Außenhandel zĂŒgig umgesetzt werde.

Die EuropĂ€ische Kommission kĂŒndigte an, sich weiter fĂŒr niedrige Zölle einzusetzen. Man prĂŒfe das Urteil "sorgfĂ€ltig" und stehe in engem Kontakt mit der US-Regierung, um zu erfahren, wie diese nun reagieren wolle, teilte ein Kommissionssprecher mit. "Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks sind auf StabilitĂ€t und Vorhersehbarkeit in den Handelsbeziehungen angewiesen. Wir setzen uns daher weiterhin fĂŒr niedrige Zölle ein und arbeiten auf deren Senkung hin."

US-Kleinunternehmer hoffen auf schnelle RĂŒckzahlung

Kleinbetriebe in den USA hoffen unterdessen auf eine rasche Kompensation ihrer Unkosten. Ein Verfahren fĂŒr die RĂŒckerstattung der gezahlten Zölle sei notwendig, erklĂ€rte das BĂŒndnis "We Pay the Tariffs" ("Wir zahlen die Zölle"), dem sich mehr als Kleinunternehmen angeschlossen haben, die die Erhöhung ihrer Importkosten als geschĂ€ftsschĂ€digend empfinden.

"Ein juristischer Sieg ist wertlos ohne tatsĂ€chliche Entlastung fĂŒr die Unternehmen, die diese Zölle gezahlt haben", teilte der Exekutivdirektor der Gruppe mit, Dan Anthony. "Das einzig verantwortungsvolle Vorgehen der Regierung wĂ€re nun, ein schnelles, effizientes und automatisches RĂŒckerstattungsverfahren einzurichten, das den Unternehmen Zollgeld zurĂŒckerstattet, die es bezahlt haben."

Urteil des Supreme Courts

Das oberste US-Gericht hat zuvor den Großteil der von Donald Trump verhĂ€ngten Zölle fĂŒr unrechtmĂ€ĂŸig erklĂ€rt. Die Richter entschieden mehrheitlich, das von Trump bemĂŒhte Notstandsgesetz ermĂ€chtige "den PrĂ€sidenten nicht dazu, Zölle zu verhĂ€ngen".

Die Entscheidung betrifft auch den 15-prozentigen Basiszoll fĂŒr die meisten aus der EU importierten Waren, nicht jedoch die sektorspezifischen AufschlĂ€ge etwa auf Stahl und Aluminium.

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