Die letzten JĂ€ger und Sammler treffen sich alle zwei Wochen am Donnerstag in einem VerwaltungsgebĂ€ude in Frankfurt am Main. Sie suchen dort gemeinsam nach schwarzen Einsern und blauen Dreiern â und manchmal auch nach Hollywoodstars.
Wenn auch nur auf dem Papier. âAudrey Hepburnâ ist so ein Fall: Eine der begehrtesten Briefmarken, die fĂŒr einige Philatelisten â die Sammler â bis zu 135.000 Euro wert ist. âAndere Marken kosten sogar Millionen, wieder andere nur ein paar Euroâ, sagt Frank Alkenbrecher, der seit diesem Jahr GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundes Deutscher Philatelisten (BDPh) ist.
17.000 Deutsche sind bundesweit in einem Briefmarken-Club organisiert. Aber die Sammelinteressen hierzulande gehen weit ĂŒber die Portomarken hinaus. UngefĂ€hr 35 Millionen aktive Sammler gibt es nach Angaben des Online-Auktionshauses Catawiki in Deutschland. Doch es stehen VerĂ€nderungen an.
âWir erleben aktuell einen Generationswechselâ, sagt etwa Anja HĂ€se vom Auktionshaus Ketterer, das auf Kunst spezialisiert ist. JĂŒngere suchten heute eher nach speziellen Turnschuhen, Designer-Möbeln oder PokĂ©mon-Karten. Einige der gefragten japanischen Spielkarten werden teilweise, Ă€hnlich wie Kunstwerke, schon zu Millionen-Preisen gehandelt.
âJĂŒngere KĂ€ufer begegnen Kunst deutlich offenerâ, sagt HĂ€se. Zum Beispiel sei gerade etwa Popkultur oder Street-Art gefragt â frĂŒher höchstens ein Randaspekt. Einige Pop-Art-Drucke laufen bei Auktionen schon besser als GemĂ€lde. Eine Serie mit Drucken mit Marilyn-Monroe-Motiv von Andy Warhol erzielte kĂŒrzlich einen Preis von viereinhalb Millionen Euro, mehr als ein Kandinsky-GemĂ€lde.
Eher bunt als klassisch scheint generell angesagt zu sein. Sammler, das zeigen Daten des Online-Marktplatzes Catawiki, suchen gerade verstĂ€rkt nach Disney-StĂŒcken, daneben auch nach Edelmetallen sowie Sport-Memorabilia. Aber auch Luxusuhren, die den Experten zufolge die neue Kategorie mit den höchsten Ausgaben sind, verzeichnen ein groĂes Interessenwachstum.
FĂŒr Online-Auktionen in Deutschland sei das vergangene ein âstarkes Jahrâ gewesen â und das trotz wirtschaftlicher Krisen, heiĂt es in einer Mitteilung von Catawiki. Innerhalb der vergangenen Jahre habe sich die Zahl der KĂ€ufer auf der Plattform mehr als verdoppelt. Vielleicht auch, weil beim Verkauf von SammlergegenstĂ€nden meist anders als bei Aktien keine Abgeltungssteuer fĂ€llig wird.
Die Briefmarkenfreunde aus Frankfurt denken daran nicht. âGehandelt wird bei uns fast gar nichtâ, sagt Experte Alkenbrecher. Dem Verein bereite eine andere Entwicklung Sorgen: Schon bald könnte es mit den Briefmarken insgesamt vorbei sein. Noch bringt die Post limitierte Sondereditionen wie die âWacken-Open-Airâ-Marke, das passende Motiv zum Heavy-Metal-Festival, heraus. Doch gleichzeitig stuft sie die tĂ€gliche Briefzustellung als ânicht mehr tragfĂ€higâ ein.
Der Verein hat aber eine Lösung. âStatt Marken kann man auch die Briefe selbst sammelnâ, sagt Alkenbrecher. Sein eigenes Highlight: ein Schreiben von Kopenhagen nach New York mit Stempeln aus verschiedenen europĂ€ischen LĂ€ndern. Eine einmalige RaritĂ€t, die ebenfalls gefragt ist. Wenn die Marken verschwinden, bleibt dem Hobby also trotzdem eine Zukunft.
Dieser Artikel wurde fĂŒr das Wirtschaftskompetenzcentrum von WELT und Business Insider erstellt.
Felix Seifert ist Redakteur im Ressort Wirtschaft und Innovation. Er schreibt unter anderem ĂŒber die Themen Karriere, Verbraucher, Mittelstand und Immobilien.