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Diesmal das Wetter

Diesmal das Wetter

Wieder einmal muss die Deutsche Bahn ein Versprechen brechen. Dieses Mal sei das eisige Wetter schuld, sagt sie. Weil in den vergangenen Wochen mehr Schnee fiel als erwartet und der Boden fast durchgehend gefroren war, konnte an der Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg nicht gebaut werden. Deshalb bleibt sie lĂ€nger als bis Ende April gesperrt. Wann die ZĂŒge wieder fahren dĂŒrfen, will die Deutsche Bahn Mitte MĂ€rz mitteilen. 

Nun dĂŒrften einige VerstĂ€ndnis dafĂŒr haben, dass ein kalter Winter eine Baustellenplanung durcheinanderbringen kann. Allerdings wird damit die Liste der gebrochenen Versprechen bei der sogenannten Generalsanierung schon wieder lĂ€nger. Zur Erinnerung: Die Deutsche Bahn sperrt wichtige Strecken monatelang, um sie grundlegend zu sanieren. Doch die bereits erneuerte Strecke zwischen Mannheim und Frankfurt ist störanfĂ€lliger als angekĂŒndigt. Im Zuge der Generalsanierung wird weniger digitalisiert als ursprĂŒnglich geplant. Die Deutsche Bahn verbaut weniger neue Weichen. Und sie gibt mehr Geld aus als vorgesehen.

In der Branche wĂ€chst daher die Kritik an den monatelangen Komplettsperrungen. Der Verband Mofair, in dem regionale Eisenbahnverkehrsunternehmen organisiert sind, hat einen Brandbrief an den Aufsichtsrat der DB InfraGO geschrieben, der Infrastrukturtochter der Deutschen Bahn. Keines der zentralen Versprechen der Sanierung habe die Bahn einhalten können, heißt es darin. Und die Planung fĂŒr die kommenden Jahre ließe nicht erkennen, dass zuverlĂ€ssig Besserung zu erwarten sei. Der Aufsichtsrat mĂŒsse das Konzept ĂŒberprĂŒfen.

Noch deutlicher wird Peter Westenberger, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbands der GĂŒterbahnen: "Wenn die DB ihre eigenen PlĂ€ne reißt, muss sie zur bewĂ€hrten Arbeitsweise zurĂŒckkehren", sagt er.

Hat sich das Prinzip Korridorsanierung gut zwei Jahre nach dessen Start schon wieder ĂŒberholt?

Es sollte alles besser werden

Die Idee stammt von der Deutschen Bahn selbst. Mitte 2022 stellte der damalige Bahnchef Richard Lutz das Konzept dem damaligen Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) vor. Es war eine Reaktion auf den desolaten Zustand der Weichen, Gleise, Stellwerke und Oberleitungen im Land. Die Anlagen seien so kaputt, argumentierte die Bahn damals, dass man sie am besten auf einen Schlag saniere, statt wie bislang nacheinander und im laufenden Betrieb.

Gemeinsam mit dem Ministerium identifizierte die Deutsche Bahn 40 besonders alte und störanfĂ€llige Strecken. 2031 könne das Projekt abgeschlossen sein, hieß es damals. Anschließend wĂŒrden die ZĂŒge endlich wieder pĂŒnktlich kommen. 

Die erste Strecke, die man anpackte, war die Riedbahn zwischen Mannheim und Frankfurt. Im Juli 2024, kurz nach dem Finale der Fußball-EM, rĂŒckten die ersten Bagger an. In fĂŒnf Monaten tauschte die Bahn 140 Kilometer Oberleitungen, 150 Weichen und modernisierte 20 Bahnhöfe. Zwar schaffte es das Unternehmen, die Bauarbeiten rechtzeitig abzuschließen, allerdings kostete die Sanierung am Ende nicht 500 Millionen Euro, sondern 1,5 Milliarden. Hinzu kommt, dass die Strecke noch immer deutlich störanfĂ€lliger ist als versprochen. Beim Baustart hatte der damalige Bahnchef Richard Lutz 80 Prozent weniger Störungen angekĂŒndigt. Doch im gesamten Jahr 2025 konnten die Probleme nur um 60 Prozent reduziert werden. 

Allerlei ErklĂ€rungen fĂŒr den RĂŒckstand

"Wir haben noch Luft nach oben", sagt Julian Fassing, der zustĂ€ndige Projektleiter bei der DB InfraGO. Bei den Weichen seien die mechanischen Komponenten falsch eingestellt gewesen. Außerdem hĂ€tten neu eingebaute Infrarotscanner an den BahnĂŒbergĂ€ngen fĂ€lschlicherweise Personen und GegenstĂ€nde im Gleis gemeldet. Man habe die Probleme mittlerweile gelöst. Zum Ende des Jahres sei die Zahl der Störungen noch mal stĂ€rker gesunken.

Die gestiegenen Kosten erklĂ€rt Fassing mit der fehlenden Erfahrung: Ein Bauprojekt dieser GrĂ¶ĂŸe und mit dieser Bauweise habe es zuvor noch nicht bei der Bahn gegeben. Bei der Planung habe man deshalb noch nicht alle Risikofaktoren gekannt. "Heute kalkulieren wir die Korridore nach anderen AnsĂ€tzen", sagt er. Inzwischen hat die Bahn das Ende der Generalsanierung auf 2036 verschoben.

Das Sanieren ganzer Korridore am StĂŒck sollte auch die Digitalisierung des deutschen Schienennetzes voranbringen. UrsprĂŒnglich war geplant, auf allen Strecken das europĂ€ische Zugsicherungssystem ETCS zu verbauen. Dadurch können die ZĂŒge dichter hintereinanderfahren. TatsĂ€chlich setzt die Deutsche Bahn zwischen Hamburg und Berlin aber erst mal wieder auf alte Technik. Zu wenige ZĂŒge seien in der Lage, auf solchen Strecken zu fahren, und eine DoppelausrĂŒstung mit alter und neuer Technik sei zu teuer. 

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