Mehrere mutmaĂliche Opfer des verstorbenen US-SexualstraftĂ€ters Jeffrey Epstein wohnen der diesjĂ€hrigen Rede zur Lage der Nation von US-PrĂ€sident Donald Trump bei. Abgeordnete der Demokratischen Partei im ReprĂ€sentantenhaus luden die Frauen ein. "Heute wird die Welt sehen, wie Donald Trump diesen Ăberlebenden direkt auf der TribĂŒne des ReprĂ€sentantenhauses gegenĂŒbertreten muss", sagte die Demokratin Pramila Jayapal aus dem Bundesstaat Washington bei einer Pressekonferenz mit mehreren Epstein-Opfern.
"In anderen LĂ€ndern sind Botschafter und Prinzen festgenommen worden", sagte Jayapal in Anspielung auf GroĂbritannien, wo der frĂŒhere Prinz Andrew und der ehemalige Botschafter in den USA, Peter Mandelson, vorĂŒbergehend in Polizeigewahrsam waren. In den USA habe es dagegen nicht eine einzige Untersuchung gegeben.
Opfer fordern Ermittlungen
Lisa Phillips, die nach eigener Aussage als junge Frau von Epstein missbraucht worden war, rief alle LĂ€nder dazu auf, "unabhĂ€ngige Ermittlungen gegen jede einzelne mĂ€chtige Person" einzuleiten, die in den Epstein-Akten genannt wird. Die Schuldigen mĂŒssten zur Rechenschaft gezogen werden, forderte Phillips. Sie hoffe wĂ€hrend der Ansprache des PrĂ€sidenten "einfach auf irgendeine Form der Anerkennung". "Wir hören nicht auf, bis alle Akten freigegeben werden", sagte sie.
Trumps Name taucht tausende Male in den Akten auf, die das US-Justizministerium auf Druck des Kongresses zuletzt veröffentlicht hatte. Ein persönliches Fehlverhalten konnte ihm bisher jedoch nicht nachgewiesen werden.
Zwischenwahlen im November im Blick
Trump begann am Dienstagabend (ab 03.00 Uhr MEZ) mit seiner ersten Rede zur Lage der Nation seiner zweiten Amtszeit. In seiner Ansprache im Kapitol dĂŒrfte er erneut seine Wirtschafts- und Migrationspolitik rĂŒhmen. Im Blick hat er dabei die Zwischenwahlen zum Kongress im November, die als wichtiger Stimmungstest gelten.
Der US-PrĂ€sident hatte zuletzt eine Reihe von Niederlagen einstecken mĂŒssen: Erst am vergangenen Freitag erklĂ€rte das Oberste Gericht der USA einen GroĂteil seiner Zölle fĂŒr unrechtmĂ€Ăig, die zentraler Pfeiler seiner Wirtschaftspolitik sind. Der Kongress erzwang zudem gegen Trumps Willen die Freigabe der Epstein-Akten.
Kongressmitglieder Ă€uĂern mit Einladungen Kritik
Mehrere demokratische Kongressmitglieder nutzten mit der Einladung von GĂ€sten, um Kritik an der Politik von US-PrĂ€sident Donald Trump zu Ă€uĂern. Der MinderheitsfĂŒhrer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, hat unter anderem die Mutter eines Schulkindes aus New York eingeladen, das von Einwanderungsbehörden festgehalten wird. Senator John Hickenlooper aus Colorado bringt einen Collegestudenten mit, der wĂ€hrend einer Verkehrskontrolle festgenommen und anschlieĂend mehr als zwei Wochen in einer Einrichtung der Einwanderungsbehörde ICE inhaftiert wurde.
Der Abgeordnete Joaquin Castro hat einen Facharzt fĂŒr pĂ€diatrische Intensivmedizin eingeladen, der wiederholt auf die mangelhafte medizinische Versorgung von Kindern und MĂŒttern in AbschiebegefĂ€ngnissen hingewiesen hat. Zu den GĂ€sten der Abgeordneten Ilhan Omar, die seit Monaten von Trump verbal attackiert wird, gehören vier Personen, die von der jĂŒngsten EinwanderungsverschĂ€rfung im GroĂraum Minneapolis betroffen sind.
Manche Demokraten planen Boykott
Zahlreiche demokratische Mitglieder des US-Kongresses boykottierten die Rede. US-Medienberichten zufolge wollten rund 50 Abgeordnete und Senatoren der Rede Trumps fernbleiben.
Bei den Demokraten gingen die Meinungen darĂŒber auseinander, wie der Protest gegen die Regierung am besten ausgedrĂŒckt werden soll. Ihr MinderheitsfĂŒhrer im ReprĂ€sentantenhaus, Hakeem Jeffries, sagte zuletzt, man könne entweder "in stiller Ablehnung" teilnehmen oder fernbleiben.
Ausschreitungen wie im vergangenen Jahr sollen demnach vermieden werden. Damals war der demokratische Abgeordnete Al Green aus Texas wĂ€hrend Trumps Rede abgefĂŒhrt worden, nachdem er lautstark protestiert und mit seinem goldverzierten Gehstock gewedelt hatte.
Andere Abgeordnete und Senatoren nahmen stattdessen an Gegenveranstaltungen liberaler Aktivisten und Gruppen teil. Dort sollen unter anderem der BĂŒrgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, der sich offen gegen EinsĂ€tze der Einwanderungsbehörde ICE in seiner Stadt stellte, sowie der Journalist und Trump-Kritiker Don Lemon sprechen.