Erstmals seit Beginn der US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran sind deutsche Urlauber aus der Golfregion wieder per Flugzeug nach Deutschland unterwegs. Am Dienstagmorgen startete in Dubai eine Maschine der Airline Emirates und ist nach Frankfurt unterwegs. Dort werde sie um 13.39 Uhr erwartet, bestĂ€tigte eine Sprecherin des Frankfurter Flughafens der ZEIT. Die Maschine habe Passagiere an Bord, es handle sich nicht um einen Leerflug.Â
Laut dem Flugtrackingdienst Flightradar24 handelt es sich um eine Airbus A380. Stand 9.30 Uhr befand sie sich demnach ĂŒber der Sinai-Halbinsel. Wie viele deutsche StaatsbĂŒrger an Bord sind, war zunĂ€chst nicht bekannt.Â
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) bieten SonderflĂŒge fĂŒr gestrandete Touristen an, nachdem die FlĂŒge in den ersten Tagen des Irankrieges storniert worden sind. Emirates teilte mit, Passagiere mit bereits bestehenden Buchungen bevorzugt zu berĂŒcksichtigen. Kundinnen und Kunden, die auf einen der eingeschrĂ€nkt angebotenen FlĂŒge umgebucht worden seien, wĂŒrden von der Airline informiert.
Tui plant mehrere FlĂŒge nach MĂŒnchen
Auch Reisekonzern Tui plant mit einer RĂŒckholung seiner im Nahen Osten festsitzenden Kunden innerhalb einiger Tage. Wie viele Menschen konkret nach Deutschland zurĂŒckgebracht werden sollen, sagte Vorstandschef Sebastian Ebel beim Fernsehsender n-tv nicht. Er gehe aktuell davon aus, dass die ersten FlĂŒge heute durchgefĂŒhrt werden könnten.
Erste FlĂŒge sollten nach MĂŒnchen gehen. Geplant sei es, die Urlauber mit Partner-Airlines wie Emirates, Qatar Airways und Etihad zurĂŒckzubringen. Auch stĂŒnden eigene Flugzeuge von Tui Fly bereit. Diese seien "Stand-by, sobald wir die Erlaubnis bekommen, dorthin zu fliegen und Kunden auch möglichst zĂŒgig abzuholen".
Wie schnell die RĂŒckholung abgeschlossen werden könne, sei abhĂ€ngig von der Sicherheitslage, sagte Ebel. Er gehe davon aus, dass es "etwas ist, was einige Tage dauern wird".
Kritik an Reaktion der Bundesregierung
BundesauĂenminister Johann Wadephul (CDU) sagte im ZDF-, dass er guter Dinge sei, dass die baldige RĂŒckkehr deutscher Urlauber nach und nach gelinge. Das AuswĂ€rtige Amt bereitet aktuell die RĂŒckholung von Kranken, Kindern und Schwangeren aus der Konfliktregion vor.
Politiker von Linken und GrĂŒnen kritisierten die Reaktion der Bundesregierung. "Erst an Tag drei nach Ausbruch des Krieges anzukĂŒndigen, einzelne vulnerable Personengruppen aus der Region evakuieren zu wollen, reicht nicht aus", sagte die GrĂŒnen-AuĂenpolitikerin Luise Amtsberg den Zeitungen der -Mediengruppe.
Laut der auĂenpolitischen Sprecherin der Linksfraktion, Cansu Ăzdemir, ist die Krisenkommunikation der Bundesregierung mangelhaft. Die aktuelle AnkĂŒndigung, vorerst nur besonders vulnerable Gruppen zu evakuieren, schĂŒre Verunsicherung.
Zehntausende Deutsche sitzen fest
FĂŒr die PrĂ€sidentin der Allianz SelbststĂ€ndiger Reiseunternehmen, Anke Budde, gehe es jetzt darum, die GĂ€ste zu beruhigen, Sachlichkeit und transparente Kommunikation mit ihnen zu haben, "damit eben keine Panik ausbricht". Im rbb- teilte sie mit, dass derzeit ein groĂer Aufwand betrieben werde, um Flugzeuge in die betroffenen Regionen zu schicken und Reisende wieder nach Hause zu holen.
Budde sagte, dass der Krieg fĂŒr die Branche auch die wirtschaftlichen UnwĂ€gbarkeiten verschĂ€rfe. "Sicherlich wird uns das wirtschaftlich, finanziell treffen, weil jetzt auf absehbare Zeit ein wichtiges Drehkreuz möglicherweise wegfallen wird." Es herrsche eine groĂe Unsicherheit.
Laut Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) sitzen derzeit rund 30.000 Kunden deutscher Veranstalter fest, die im Nahen Osten Urlaub machen oder einen der dortigen FlughĂ€fen als Drehkreuz nutzen wollten. Zahlreiche Staaten haben ihren Luftraum geschlossen, auch Kreuzfahrtschiffe liegen in HĂ€fen fest.Â
Torsten SchÀfer, Sprecher des DRV, bekrÀftigte im Deutschlandfunk die Empfehlung des AuswÀrtigen Amts, "im Hotel zu bleiben und sich nicht auf eigene Faust in ein anderes Land oder zum Flughafen zu begeben". Die Reise- und Sicherheitshinweise des AuswÀrtigen Amts seien "ein sehr wichtiges Instrument und sollten wirklich sehr ernst genommen werden".