Nach gut neun Monaten als Bundeskanzler steht fĂŒr Friedrich Merz (CDU) ein wichtiger Stimmungstest in der eigenen Partei an. An diesem Freitag beginnt in Stuttgart der zweitĂ€gige CDU-Parteitag, auf dem Merz als Vorsitzender der Christdemokraten bestĂ€tigt werden soll. Das Treffen gilt auch als Stimmungstest fĂŒr die Geschlossenheit âder Partei vor den fĂŒnf anstehenden Landtagswahlen.Â
GeneralsekretĂ€r Carsten Linnemann zeigte sich zuversichtlich, dass Merz trotz vieler Reibereien in der schwarz-roten Koalition ein "gutes Ergebnis" bekommt. Der 70-jĂ€hrige Politiker selbst hatte vor zwei Tagen darĂŒber gesprochen, er strebe auch eine zweite Amtszeit als Bundeskanzler an.Â
Insgesamt 1.001 Delegierte kommen ab dem Vormittag in der Stuttgarter Messe zum 38. Parteitag der CDU zusammen. Sie sollen mehr als 280 AntrĂ€ge ĂŒber Sachfragen bearbeiten â von einer AltersbeschrĂ€nkung fĂŒr Kinder und Jugendliche fĂŒr soziale Medien ĂŒber die StĂ€rkung des Wohnungsmarkts bis zu einer Reform des freiwilligen Wehrdienstes.
Auch die angekĂŒndigten Sozialreformen spielen eine Rolle: Kurz vor dem Treffen wurde ein Initiativantrag eingereicht, der dem Plan der SPD eine Absage erteilen soll, der SozialversicherungsbeitrĂ€ge auf KapitalertrĂ€ge und Mieteinnahmen erheben will. Ăber diesen und weitere InitiativantrĂ€ge muss am Abend zunĂ€chst die Antragskommission beraten.
Abstimmung zum Teilzeitantrag
Abgestimmt wird ĂŒber einen Antrag des CDU-WirtschaftsflĂŒgels, der im Vorfeld fĂŒr eine Kontroverse gesorgt hat, weil er in der Ăberschrift ein Ende eines Rechtsanspruchs auf "Lifestyle-Teilzeit" forderte. Er wurde inzwischen ĂŒberarbeitet und trĂ€gt nun den Titel "TeilzeitansprĂŒche ordnen âErwerbstĂ€tigkeit stĂ€rken". FĂŒr heftige Kritik hatte auch der Vorschlag des Wirtschaftsrats der CDU gesorgt, der vorschlug, die Erstattung von Zahnarztleistungen durch die gesetzlichen Krankenkassen zu streichen.
Dass vor einem Parteitag in der Diskussion "vielleicht auch mal der eine oder andere Begriff gewĂ€hlt wird, der emotionalisiert und polarisiert", sei in einer Volkspartei "völlig normal", sagte Linnemann und bestritt, dass die Stimmung in der Partei nicht gut sei. Auch mit Blick auf die fĂŒnf anstehenden Landtagswahlen im MĂ€rz und September wisse jeder in der CDU, worum es gehe, sagte Linnemann. Von dem Treffen werde deshalb ein "Signal der Geschlossenheit" und "Reformbereitschaft" ausgehen.
Merz ist Vorsitzender der CDU, seit er Anfang 2022 auf einem digitalen Parteitag mit 94,62 Prozent ins Amt gewÀhlt wurde. Im Mai 2024 wurde er dann wÀhrend eines Parteitags in Berlin mit 89,8 Prozent bestÀtigt.