Belgrad (Serbien) – Diese Geschichte enthält alle Zutaten eines grausamen und mysteriösen Kriminalfalls: Ein Gangster-Boss (52), der spektakulär aus dem Gefängnis befreit wird und jahrelang untertaucht. Ein geheimes Treffen zweier Krimineller mit einem tödlichen Hinterhalt. Dazu kommen eine einbetonierte Leiche und korrupte Polizisten.
Die Geschichte, über die die Schweizer Tageszeitung Blick berichtet, beginnt Anfang Oktober 2000 in einem Gefängnis in Zürich. Dort sitzt der Serbe Aleksandar Nešović (damals 26) wegen des Verdachts auf Drogenhandel in Untersuchungshaft. Als er über Zahnschmerzen klagt, wird er zu einem Arzt gebracht. Hier bedroht ein maskierter Mann die beiden Bewacher des Gangsters mit einer Schusswaffe. Nešović nutzt die Gelegenheit zur Flucht und steigt in einen bereitstehenden Mercedes. Schon damals deutet sich an: Wer auf diese Art befreit wird, ist kein kleines Licht im organisierten Verbrechen. Danach verliert sich seine Spur für viele Jahre.
Hinterhalt bei Geheimtreffen in Nobelrestaurant
Mehr als 25 Jahre später macht er wieder Schlagzeilen. In einem Nobelrestaurant in der serbischen Hauptstadt Belgrad trifft sich Nešović am 12. Mai 2026 mit dem langjährigen Rivalen Sasa Vukovic. Ausgerechnet die Polizei soll das Treffen organisiert haben. Das Ziel der Zusammenkunft: Beide Verbrecher sollen sich versöhnen. Mit am Tisch soll Belgrads Polizeichef Veselin Milic gesessen haben.
Leiche des Gangsters in Ölfass einbetoniert
Das Treffen läuft schief: Vukovic zückt eine Pistole und feuert zweimal auf Nešović, der ohne Begleiter und Leibwächter gekommen ist. Vukovic soll die Waffe heimlich im Restaurant über seine Frau zugesteckt bekommen haben.
Nach dem Attentat verliert sich zunächst jede Spur von Nešović. Erst als seine Lebensgefährtin ihn als vermisst meldet, beginnen die Ermittlungen. Wenige Tage später stoßen Ermittler auf eine verkohlte Leiche. Der Tote wurde in ein Ölfass einbetoniert und vergraben. Eine DNA-Analyse bestätigt: Es ist die Leiche des vermissten Nešović.
Ermittler prüfen nun, ob Polizisten nicht nur das Treffen vermittelt, sondern auch bei der Vertuschung des Mordes geholfen haben. Unklar ist bislang, welche Rolle einzelne Beamte beim Verschwinden der Leiche spielten und ob sie aktiv beteiligt waren oder wegschauten.
Der Kriminalfall schlägt hohe Wellen in Serbien, denn wieder werden Verstrickungen der Polizei mit dem organisierten Verbrechen und die Korruption der Behörden deutlich. Laut Medienberichten wurden der inzwischen abgesetzte Belgrader Polizeichef Veselin Milić und einige Polizisten festgenommen, ebenso der Besitzer des Restaurants und ein Mitarbeiter. Auch Gangster-Boss Sasa Vukovic und seine Frau sitzen in Haft.