Wer dieser Tage tanken geht, merkt es spĂ€testens an der Kasse: Infolge des Irankriegs steigen die Preise. Das trifft allerdings nicht nur die Verbraucher, sondern auch den Staat. Und zwar ĂŒber einen Effekt, der seinen finanziellen Spielraum kĂŒnftig weiter verkleinert.
Der Staat verschuldet sich nĂ€mlich, indem er regelmĂ€Ăig Bundesanleihen ausgibt, fĂŒr die er einen festen Zins zahlt, oft ĂŒber mehrere Jahre. Diese Anleihen werden am Kapitalmarkt gehandelt. Zum Problem fĂŒr den Staat werden steigende Inflationserwartungen, wenn er neue Anleihen ausgibt: Dann muss er einen höheren Zins bieten, damit die Anleger und Investoren ihm Geld leihen. Anleger verlangen bei steigenden Inflationserwartungen meist höhere nominale Renditen, um Kaufkraftverluste auszugleichen. Hinzu kommen mögliche RisikoaufschlĂ€ge, etwa wegen der schwachen Konjunktur, steigender Staatsschulden und wachsender Unsicherheit an den MĂ€rkten. So steigen die Finanzierungskosten des Staates.
Es wird also teurer fĂŒr Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), neue Schulden zu machen. Und neue kreditfinanzierte Ausgaben sind bekanntlich ein erklĂ€rtes Ziel der Bundesregierung. Sie plant, viel Geld in Infrastruktur und Verteidigung zu stecken. DafĂŒr will sie bis 2030 jedes Jahr rund 200 Milliarden Euro an zusĂ€tzlichen Schulden aufnehmen. Der deutsche Schuldenstand dĂŒrfte also immer weiter klettern.
Was folgt, ist so logisch wie riskant: Deutschland muss mit immer höheren Zinskosten klarkommen. 30 Milliarden Euro sind im Bundeshaushalt fĂŒr dieses Jahr veranschlagt, 2027 könnten es laut dem Bundesfinanzministerium bereits 43 Milliarden, 2030 rund 79 Milliarden sein. Das entsprĂ€che dann 12,6 Prozent des Bundeshaushalts. Noch eindrĂŒcklicher wird das Problem, wenn man die Zahlen ins VerhĂ€ltnis zu den Steuereinnahmen setzt. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft dĂŒrfte 2030 jeder fĂŒnfte Euro fĂŒr Zinsen draufgehen â aktuell ist es nicht einmal jeder zehnte.
Experten sind deswegen besorgt: »Das aktuelle Tempo der Kreditaufnahme wird den Haushalt spĂŒrbar belasten«, sagt Friedrich Heinemann vom Zentrum fĂŒr EuropĂ€ische Wirtschaftsforschung (ZEW). Der Ăkonom geht sogar davon aus, dass die Zinsausgaben des Bundes jedes Jahr um mehrere Milliarden höher ausfallen könnten als erwartet, wenn die Anleiherenditen so hoch bleiben.
Steigen wiederum die Zinsausgaben, schrumpft der finanzielle Spielraum der Regierung. Und der ist schon jetzt gering, weil Deutschland mehr Geld ausgibt, als es einnimmt. Im Etat fĂŒr 2027 muss Finanzminister Lars Klingbeil eine LĂŒcke von 20 Milliarden Euro schlieĂen, in den darauffolgenden Jahren werden die FinanzierungslĂŒcken noch gröĂer. Wie die Löcher gestopft werden sollen, ist unklar.
Zumal sich abzeichnet, dass Klingbeil nicht mit höheren Steuereinnahmen rechnen kann, denn die Wirtschaft entwickelt sich schlechter als erwartet. FĂŒr das laufende Jahr erwartet die Regierung nur noch ein Wachstum von 0,5 Prozent. Auch in den darauffolgenden Jahren sieht es nicht viel besser aus.
Wie also kommt man aus dieser Lage ohne Wachstum heraus? Die Schuldenbremse lockern, um die LĂŒcke zu fĂŒllen? Das ist politisch schwierig und könnte die Zinskosten noch weiter treiben. Die Steuern erhöhen? Das könnte die Wirtschaft weiter bremsen. Es bleibt nur eine Option, wenn die schwarz-rote Koalition trotz der steigenden Zinskosten handlungsfĂ€hig bleiben will: Sie muss sparen â und die Ausgaben stĂ€rker begrenzen.