Ein Antrag der Jungen Union fĂŒr eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente mit 63 Jahren ist beim CDU-Bundesparteitag vorerst gescheitert. Der Parteitag entschied, den Antrag unter dem Titel "Reformjahr 2026 â Mut zu Entscheidungen" an die Bundestagsfraktion der Union zu ĂŒberweisen. Zuvor hatte der Vorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel, eindringlich fĂŒr eine Annahme geworben. Die Partei mĂŒsse sich positionieren und dabei auch weitreichende VorschlĂ€ge machen. Unter anderem schlĂ€gt die Junge Union eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung vor sowie höhere RentenabschlĂ€ge bei FrĂŒhrentnern.
Der nordrhein-westfĂ€lische Sozialminister Karl Josef Laumann hielt dagegen, dass eine Annahme eines solchen Antrags die Partei gerade vor anstehenden Landtagswahlen auf Positionen festlege, die in vielen Teilen der Bevölkerung keine Zustimmung fĂ€nden. Das sei zu riskant. Er könne keiner Pflegekraft oder einem Bauarbeiter erklĂ€ren, dass er nach 45 Arbeitsjahren nicht mehr mit 63 in Rente gehen dĂŒrfe. Und auch der von der Jungen Union vorgeschlagene unbezahlte Karenztag fĂŒr Arbeitnehmer biete zu viel ZĂŒndstoff.
Karenztag und keine Telefonkrankschreibung
Die Junge Union spricht sich nicht nur fĂŒr einen solchen Karenztag aus, um die Fehltage zu reduzieren, sondern will auch die telefonische Krankschreibung abschaffen. DarĂŒber hinaus soll die Zahl der Krankenkassen reduziert und die versicherungsfremden Leistungen der Krankenversicherung, konkret die Zahlungen fĂŒr BĂŒrgergeldempfĂ€nger, sollen kĂŒnftig durch Steuern finanziert werden.
JU-Chef Johannes Winkel (CDU) verteidigte den fĂŒnfseitigen Forderungskatalog mit insgesamt 20 Punkten. Es gehe zwar einerseits darum, "den Umfang des Sozialstaates zu begrenzen", aber auch darum, "SozialvertrĂ€glichkeit sicherzustellen". Kern seien die WiedereinfĂŒhrung des Nachhaltigkeitsfaktors zur DĂ€mpfung des Rentenanstiegs, das Ende des "Prinzips GieĂkanne" bei staatlichen Leistungen und die Trennung von steuer- und beitragsfinanzierten Sozialleistungen.
Einstimmig votierten die Delegierten hingegen fĂŒr eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung einsetzen. Der Antrag dazu kam von der Mittelstands- und Wirtschaftsunion. Die Antragssteller begrĂŒndeten den VorstoĂ damit, dass deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit durchschnittlich 22,3 Krankheitstagen im Jahr "weiterhin auf einem Rekordniveau" lĂ€gen.
Die telefonische Krankschreibung sei einer der GrĂŒnde fĂŒr die hohe Krankenquote, heiĂt es in dem Beschluss. "Klar ist: Je einfacher eine ArbeitsunfĂ€higkeits-Bescheinigung zu erhalten ist, desto eher fĂ€llt die 'Bettkantenentscheidung' zugunsten der Krankmeldung aus." Die telefonische Krankschreibung sei wĂ€hrend der Corona-Pandemie sinnvoll gewesen, um Infektionen zu vermeiden und Praxen zu entlasten. Inzwischen sei sie nicht mehr nötig.
Kein voller Mindestlohn fĂŒr SaisonkrĂ€fte in der Landwirtschaft
Mit groĂer Geschlossenheit stimmte die CDU auch fĂŒr Abweichungen vom Mindestlohn fĂŒr SaisonkrĂ€fte in der Landwirtschaft, obwohl solche Ausnahmen nach einer PrĂŒfung des Bundesagrarministeriums rechtlich gar nicht möglich sind. Die Delegierten auf dem Bundesparteitag in Stuttgart stimmten trotzdem fĂŒr einen entsprechenden Antrag des Kreisverbands SĂŒdbaden.
"Der Mindestlohn schwĂ€cht die WettbewerbsfĂ€higkeit heimischer Betriebe und damit unsere Versorgungssicherheit in Deutschland", heiĂt es in dem Antrag. Die Landwirtschaft sei auf auslĂ€ndische SaisonkrĂ€fte zur Produktion angewiesen. Die SaisonkrĂ€fte wĂŒrden nur in Spitzenzeiten bei der Ernte helfen, sie kĂ€men zudem aus dem Ausland, wo ein Stundenlohn unter dem Mindestlohn noch deutlich ĂŒber den dortigen Standards liege. Der gesetzliche Mindestlohn betrĂ€gt derzeit 13,90 Euro pro Stunde und steigt bis 2027 auf 14,60 Euro pro Stunde.
Regeln fĂŒr Handyverbot bundesweit an Schulen
Ebenfalls votierten die Delegierten in Stuttgart fĂŒr den Antrag fĂŒr bundesweite Regeln fĂŒr ein Handyverbot an Schulen. Der Antrag schlĂ€gt vor, auf Ebene der Kultusministerkonferenz eine einheitliche Regelung zur Nutzung privater Mobiltelefone und digitaler EndgerĂ€te fĂŒr SchĂŒler bis zur zehnten Klasse auszuarbeiten.
Die CDU plĂ€diert dabei fĂŒr Schutzzonen an allen Schulen. Dort soll die private Nutzung von digitalen EndgerĂ€ten im Unterricht und in den Pausen verboten sein. Ausnahmen sieht das Konzept etwa fĂŒr medizinische Apps oder fĂŒr pĂ€dagogische Zwecke vor. Die aktuellen uneinheitlichen Regeln verunsicherten Eltern und LehrkrĂ€fte, heiĂt es im Antrag.
In einem weiteren gesundheitspolitischen Beschluss forderte der Parteitag, ein Rauchverbot in Autos einzufĂŒhren, sofern sich MinderjĂ€hrige im Fahrzeug befinden. Das angestrebte Verbot soll sowohl das Rauchen von Tabakprodukten als auch das Dampfen von E-Zigaretten und Vapes umfassen.