Berlin â Der Umgang mit der Ukraine bestimmte heute weite Teile des Antrittsbesuchs des neuen ungarischen MinisterprĂ€sidenten PĂ©ter Magyar (45) bei Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU). Kanzler Merz rief seinen ungarischen Kollegen dazu auf, die europĂ€ische Politik gegenĂŒber der Ukraine mitzutragen â anders als Magyars AmtsvorgĂ€nger Viktor OrbĂĄn (63), der diese Politik jahrelang blockiert hatte.
Friedrich Merz sicherte Ungarn die UnterstĂŒtzung der Bundesregierung zu. âWir wollen helfen, dass dieser Neuanfang in Ungarn ein Erfolg wirdâ, sagte der Kanzler. Magyars Wahlsieg im April ĂŒber Viktor OrbĂĄn sei âeine Inspiration fĂŒr ganz Europaâ gewesen. Viel Harmonie zwischen den beiden Amtskollegen also, doch beim Thema Ukraine gibt es noch deutliche Unterschiede.
âWir verstehen, dass Budapest bilaterale Fragen zunĂ€chst klĂ€ren will, wie etwa die Rechte der ungarischen Minderheit in der Ukraineâ, sagte Merz. âDas darf aber nicht zulasten der europĂ€ischen UnterstĂŒtzung fĂŒr Kiew gehenâ, betonte der Bundeskanzler. Europa dĂŒrfe nicht vom Ziel abgebracht werden, die Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine förmlich zu eröffnen.â
Streit mit Ukraine um Minderheitenrechte
Peter Magyars Problem mit dem groĂen Nachbarn Ukraine ist die Situation der etwa 100.000 ungarischstĂ€mmigen Einwohner in der westukrainischen Region Transkarpatien. Magyar will das VerhĂ€ltnis zur Ukraine erst normalisieren, wenn diese Menschen Minderheitenrechte bekommen. Die Beziehungen zwischen Budapest und Kiew hatten sich 2017 durch ein Gesetz verschlechtert, das Ukrainisch als Hauptsprache fĂŒr die Sekundarbildung vorschrieb. âEin Land, das die Beitrittsverhandlungen zur EuropĂ€ischen Union beginnen möchte, muss diese grundlegenden Menschenrechte einhaltenâ, sagte Magyar. Er sei bereit, den ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj (48) in der kommenden Woche zu treffen.
Keine Waffen fĂŒr die Ukraine
Magyar stellte gegenĂŒber Merz auch klar, dass Ungarn auch unter seiner Regierung keine Waffen oder Soldaten in die Ukraine schicken werde. Nach seinem Wahlsieg gegen den moskaunahen Viktor OrbĂĄn hatte Magyar aber den Widerstand Ungarns gegen die Auslösung des 90-Milliarden-Euro-Kredits der EuropĂ€ischen Union an die Ukraine beendet.
Péter Magyars konservative Tisza-Partei hatte bei der Parlamentswahl in Ungarn am 12. April eine Zwei-Drittel-Mehrheit erobert. Anfang Mai wurde er als MinisterprÀsident vereidigt.