Dolchstoß? Kampf um Aufmerksamkeit? Echte Demokratie? Europa-Parlamentarierin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (68, FDP) stieß bei Markus Lanz (57) mit ihrer Begründung für die überraschende Kampfkandidatur gegen Wolfgang Kubicki (74) auf Zweifel und Widerspruch. Und Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (63, SPD) griff die FDP scharf an! Es habe „viel Unruhe“ gegeben über die Frage „Wohin marschiert die FDP“, behauptete Strack-Zimmermann, und erklärte: „Aus dieser Lage heraus habe ich mich dann kurzfristig entschlossen, anzutreten, weil ich von sehr vielen hörte, sie wollen eine Wahl haben.“
Lanz wollte das nicht recht glauben: „Sie sagen, das war spontan. So haben Sie es zumindest versucht, medial zu verkaufen“, hielt er ihr vor. „Ihre Rede war so geschliffen – niemals schreibt man so etwas spontan. Wie lange haben Sie das wirklich vorbereitet?“ – Doch Strack-Zimmermann blieb dabei: „Ich habe das nicht lange vorbereitet. Aber ich freue mich, dass Ihnen die Rede gefallen hat.“ - Lanz sofort: „Das habe ich damit nicht gesagt.“
„Es war Ramba-Zamba“
Strack-Zimmermann etwas pikiert: „Vielleicht können wir das mal etwas seriös einordnen. Wenn man wie ich einen individuellen Kompass hat, dann reichen 24 Stunden, eine solche Rede zu schreiben. Das habe ich nicht gemacht, weil ich mal Lust hatte auf Ramba-Zamba.“ Aber, so die Politikerin sichtlich zufrieden: „Es WAR Ramba-Zamba, eine große Bewegung, und richtig was los!“
Daraufhin stellt Lanz ihr die Gretchenfrage: „Haben Sie Wolfgang Kubicki darüber informiert, dass Sie antreten?“ - Strack-Zimmermann ungerührt: „Nein. Ich habe außer denen, die ich ins Vertrauen gezogen habe, überhaupt keinen informiert.“ – Lanz ungläubig: „Sie kennen sich so lange, Sie sind Parteifreunde und Sie reden vorher nicht einen Satz darüber, dass Sie plötzlich mit der Kandidatur um die Ecke kommen?“ - Strack-Zimmermann spöttisch: „Nein. Ich kam um die Ecke, und während ich sprach, war er nicht wirklich amüsiert. Er ist davon ausgegangen, dass er in einem Rutsch gewählt wird. Nein, ich habe ihm das nicht gesagt. Es war eine Überraschung.“
Lauterbach: „Das ist einfach der unseriöse Charakter dieser Partei“
Karl Lauterbach nutzte die Gelegenheit zu einer späten Rache an der FDP: „Das ist einfach der unseriöse Charakter dieser Partei“, wetterte er los. „Genau diesen Zirkus haben wir in der Ampel die ganze Zeit erlebt. In der heutigen schwierigen Zeit brauchen wir so eine halbseidene Partei zumindest in der Regierung nicht.“
Strack-Zimmermann erbost: „Ich käme nie auf die Idee, Ihnen vorzuwerfen, dass man Sie nicht mehr als Minister wollte, weil Sie allen auf den Geist gegangen sind!“ – Lauterbachs Konter: „Ich hätte mich sogar gefreut, wenn Sie gewonnen hätten. Es geht hier nur um den Stil. Dass Sie etwas Spontanes vortäuschen, was in Wirklichkeit geplant gewesen ist.“