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Opposition und Krankenkassen kritisieren Gesundheitsreform

Opposition und Krankenkassen kritisieren Gesundheitsreform

Krankenkassen und FachverbĂ€nde haben die vom Bundeskabinett beschlossene Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) teils deutlich kritisiert. Der ursprĂŒnglich gute Ansatz sei »in eine ernsthafte Schieflage geraten«, sagte der Vorstandschef des GKV-Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen, Oliver Blatt. Versicherte und Arbeitgeber wĂŒrden zusĂ€tzlich belastet, die Pharmaindustrie mit dem nun beschlossenen Gesetzentwurf hingegen weniger gefordert – »und der Bund spart auf Kosten der GKV-Beitragszahlenden«.

Im kommenden Jahr mĂŒssten die Beitragszahler rund 1,8 Milliarden Euro zusĂ€tzlich aufbringen, »um den Bundeshaushalt zu unterstĂŒtzen«, sagte Blatt. Dabei bezog er sich auf die geplante KĂŒrzung des Bundeszuschusses fĂŒr die gesetzlichen Kassen um zwei Milliarden Euro pro Jahr. Zugleich will der Bund im kommenden Jahr seine Zuzahlung fĂŒr die Gesundheitskosten von Menschen, die Grundsicherung beziehen, um lediglich 250 Millionen Euro erhöhen. Blatt forderte »notwendige Korrekturen«.

»Ein Taschenspielertrick auf Kosten der Beitragszahlenden«

Die Vorsitzende des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann, bezeichnete die Reform von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) als ein »Haushaltssanierungsgesetz«. »Das ist keine konsistente Politik, sondern ein Taschenspielertrick auf Kosten der Beitragszahlenden«, sagte Reimann mit Blick auf die KĂŒrzung des Bundeszuschusses fĂŒr die Kassen sowie die 250 Millionen Euro fĂŒr Grundsicherungsbezieher. Im parlamentarischen Verfahren mĂŒssten »die immer noch bestehende Schieflage und die neu entstandenen Unwuchten beseitigt werden«.

Der Spitzenverband FachĂ€rztinnen und FachĂ€rzte Deutschlands (Spifa) kritisiert in der Reform festgehaltene VergĂŒtungskĂŒrzungen. Der Verband erwartet dadurch »spĂŒrbare Verschlechterungen« fĂŒr Patienten in der fachĂ€rztlichen Versorgung sowie lĂ€ngere Wartezeiten auf Facharzttermine.

Der Bundesvorsitzende des HausĂ€rztinnen- und HausĂ€rzteverbandes, Markus Blumenthal-Beier, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, die Reform sei »ein planloses Sammelsurium an KĂŒrzungen« und keine faire Verteilung der Last. »WĂ€hrend die Pharmabranche und die Krankenkassenverwaltungen geschont werden, wird vor allem an denjenigen gespart, die jeden Tag die Menschen versorgen.«

Linke kritisieren Auswirkungen auf Menschen mit geringerem Einkommen

Auch SozialverbĂ€nde sehen die Reform mit Sorge. »Wir befĂŒrchten, dass dieses Sparpaket in der gesetzlichen Krankenversicherung zulasten derjenigen geht, die ohnehin wenig Geld haben«, sagte Diakonie-PrĂ€sident RĂŒdiger Schuch. Der Deutsche Caritasverband dringt auf weitere Korrekturen der Reform: »Die sozialen Unwuchten mĂŒssen im jetzt beginnenden parlamentarischen Verfahren dringend korrigiert werden«, sagte die PrĂ€sidentin des Caritasverbands, Eva Welskop-Deffaa.

Heidi Reichinnek, Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, bezeichnete die KabinettsbeschlĂŒsse als »eine absolute Katastrophe fĂŒr die Zukunft des Landes«. Bei der Gesundheitsreform kritisierte sie insbesondere KĂŒrzungen beim Zahnersatz, steigende Zuzahlungen fĂŒr Medikamente, die kĂŒnftig teurere Familienversicherung sowie eine insgesamt schlechter werdende Versorgung. Wie gut BĂŒrgerinnen und BĂŒrger versorgt wĂŒrden, hĂ€nge von ihren finanziellen Möglichkeiten ab, sagte Reichinnek.

Schwarz-Rot verteidigt ReformplÀne

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete den Kabinettsbeschluss als »durchaus historisch«. »Diese Reform der Krankenversicherung stellt eine der grĂ¶ĂŸten Sozialstaatsreformen der letzten Jahrzehnte dar«, sagte der CDU-Vorsitzende. »Mit dieser Reform schaffen wir fĂŒr lange Jahre Sicherheit fĂŒr die Menschen in Deutschland, fĂŒr die Versicherten, fĂŒr alle, die mit diesem Gesundheitssystem zusammenarbeiten.«

Auch die SPD-Vorsitzende BĂ€rbel Bas lobte das Sparpaket und hob dabei die Rolle der SPD bei den Verhandlungen hervor. »Eine gute Gesundheitsversorgung ist kein Luxusgut, sondern muss fĂŒr alle bezahlbar sein«, sagte die Bundesarbeitsministerin. »Gleichzeitig dĂŒrfen die KrankenkassenbeitrĂ€ge nicht durch die Decke gehen und die BeschĂ€ftigten ĂŒbermĂ€ĂŸig belasten.« Bas versicherte, SPD-Co-Chef Lars Klingbeil und sie setzten sich dafĂŒr ein, »dass die starken Schultern im Gesundheitssystem auch die stĂ€rksten Belastungen tragen«.

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