Warnemünde – Zu DDR-Zeiten galt das berühmte Hotel an der Ostsee in Warnemünde als Luxus-Herberge. Mit seinem 15-stöckigen, weißen Aufsatz überragte es den Leuchtturm und auch die Hallen der nahen Werft. Das Neptun war ein Sehnsuchtsort. Denn nur wenige DDR-Bürger durften dort übernachten, und es stand an einem der wenigen Tore zur Freiheit: der Hafenausfahrt. Und jetzt schillern, schon aus weiter Ferne sichtbar, 55 Balkone des einstigen „Stasi-Hotels“ in goldenem, neuem Gewand.
In den 70er- und 80er-Jahren sind Staatschefs und hochrangige Politiker aus dem Westen Gäste im Hotel Neptun gewesen, darunter Fidel Castro, Helmut Schmidt, Willy Brandt und Uwe Barschel. Kein Wunder, dass bis zum Mauerfall auch rund 250 Stasi-Spitzel im Hotel tätig waren.
Was das Gold am Hotel soll
Nach der Wende kamen Stars wie Udo Lindenberg, Nina Hagen oder Till Lindemann nach Warnemünde, dem bekannten Seebad von Rostock. Seit der Eröffnung 1971 nächtigten neun Millionen Menschen aus mehr als 120 Ländern in dem Hotel. Die goldene Deko bekam der elegante 64-Meter-Bau jetzt anlässlich seines 55-jährigen Bestehens.
Hotel-Sprecherin Silke Greven sagt zu BILD: „Der ursprüngliche Plan des Künstlers war, die Fassade komplett zu verhüllen. Dann hätten die Gäste aber keinen Blick mehr auf die Ostsee gehabt. So entstand die Idee mit den Balkonen.“
Die Aktion ist nicht die erste Arbeit von Joerg Waehner für und mit dem Hotel Neptun. Greven erklärt: „Er gestaltete den mehr als sieben Meter langen ‚Goldenen Fries‘ vor dem Bernsteinsaal, eine Collage zur Geschichte des Hotels. Aber auch die Vliestapeten mit historischen Motiven im unteren Foyer.“ Den Künstler verbinde viel mit der Region. „Er lebt in Berlin, verbrachte aber die ersten 15 Jahre in Rostock und Warnemünde. Auch für ihn war das Neptun ein Sehnsuchtsort. Es hatte etwas Weltoffenes“, so die Sprecherin weiter zu BILD.
Was die Balkone golden glänzen lässt
Als „Gold“ verwendete Joerg Waehner superleichte Rettungsfolie, die er zuvor an seinem eigenen Balkon ausprobiert hatte. „Die Installation war für ihn eine Herzensangelegenheit. Rund 20 Minuten brauchte er pro Balkon. Die Folien wurden geklebt, verleimt und mit Klammern befestigt. Alles ist wind- und wetterbeständig.“
Die Deko ist nicht für immer gedacht. Greven: „Am kommenden Wochenende findet im Neptun eine Jubiläumsgala statt. Danach wird sie wieder abgebaut.“