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Sie wissen nicht, wo sie hin sollen

Im Libanon gibt es keine Bunker. Keine SchutzrĂ€ume, in denen die Menschen vor Raketen sicher wĂ€ren und vor TrĂŒmmerteilen, die vom Himmel fallen. Auch Luftalarm gibt es nicht. Allenfalls das Brummen einer Drohne kĂŒndigt die nahende Gefahr an, gelegentlich eine Evakuierungsanordnung der israelischen Armee. In dem kleinen Land sind die Menschen dem Krieg schutzlos ausgeliefert.

Der Begriff "Irankrieg" beschreibt lĂ€ngst nicht mehr ausreichend die Eskalation der KĂ€mpfe im Nahen Osten. Die USA und Israel haben den Iran angegriffen. Der Iran feuert großflĂ€chig auf US-StĂŒtzpunkte, auf Israel und die Golfstaaten, hat sogar Zypern schon ins Visier genommen. Sollte es besser so heißen: Die islamistische Hisbollah, gesteuert und finanziert vom Regime in Teheran, hat Israel angegriffen. Seitdem befinden sich die Menschen im Libanon wieder einmal in einem Krieg, den die Mehrheit nicht will.

Der letzte Krieg zwischen der Hisbollah-Miliz und den israelischen StreitkrÀften der IDF begann nach dem Terror des 7. Oktober 2023. Die KÀmpfe hielten bis zum November 2024 an, beendet von einer Waffenruhe, die vor allem Israels Armee nur leidlich einhielt.

Die Hisbollah, so schien es, war von den KĂ€mpfen und dem Tod ihres AnfĂŒhrers Hassan Nasrallah schwer getroffen. Die amtierende libanesische Regierung geht so entschieden gegen die Miliz im eigenen Land vor, wie kaum eine Regierung vor ihr, trieb unter anderem die Entwaffnung voran. Gleichwohl mit ĂŒberschaubarem Erfolg – die libanesische Armee ist nicht besonders schlagkrĂ€ftig, die politische Lage fragil.

Die Hisbollah ist geschwĂ€cht – aber sie ist noch da. "", schrieb die israelische Zeitung . Allein in der Nacht zu Donnerstag feuerte die Miliz etwa zweihundert Raketen in Richtung Israel, wĂ€hrend dort an der Grenze zum Libanon die IDF den SĂŒden heftig bombardierte und auch immer wieder Vororte der Hauptstadt Beirut angriff.

Eine weitere Episode der Gewalt, des Terrors und der Feindschaft also. Und wieder leiden darunter vor allem die Menschen im Libanon. Die Menschen aus dem SĂŒden des Landes fliehen Richtung Norden, aus Angst vor den israelischen LuftschlĂ€gen. Sie campieren am Straßenrand oder schlafen in den Parks von Beirut. Die Massenflucht begann bereits vor einigen Tagen, und sie hĂ€lt an. 700.000 Libanesinnen und Libanesen sollen bereits vertrieben worden sein. Es gibt kaum Orte, an denen sie Unterkunft finden. Und auch fĂŒr sie gibt es keinen Schutz, selbst wenn es in den StĂ€dten immer noch sicherer ist als im SĂŒden. 

Vor allem aber fehlt es den Menschen wie dem Land an einer Perspektive. Die USA mögen das Interesse an einem Krieg mit dem Iran frĂŒher verlieren, aber der Konflikt zwischen Hisbollah und Israel bleibt ungelöst und ungeklĂ€rt. Hunderte Menschen wurden bereits getötet, in der libanesischen Gesellschaft wĂ€chst die Wut auf die Hisbollah, diesen Krieg wieder entfacht zu haben. Und wieder einmal bleibt zu befĂŒrchten: Die Aufmerksamkeit der Welt mag sich irgendwann anderen Dingen zuwenden. Der Krieg im Libanon aber bleibt.


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