Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kyjiw und andere Landesteile erneut massiv mit Raketen und Drohnen angegriffen. Dabei gab es Behördenangaben zufolge landesweit insgesamt elf Tote und mindestens 100 Verletzte. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland bei den Angriffen auch ballistische Raketen und Marschflugkörper ein.
Besonders die ukrainische Hauptstadt wurde getroffen. Im Zentrum Kyjiws waren in der Nacht heftige Explosionen zu hören. Dabei wurden mindestens vier Menschen getötet und 58 weitere verletzt, wie BĂŒrgermeister Vitali Klitschko auf Telegram schrieb. 40 von ihnen wĂŒrden stationĂ€r behandelt, darunter zwei Kinder.
Mehrstöckiges Wohnhaus in Kyjiw eingestĂŒrzt
Auch am Morgen waren weitere Explosionen in Kyjiw âzu hören. Ein mehrstöckiges Wohnhaus ist nach Angaben Klitschkos eingestĂŒrzt. Es wird befĂŒrchtet, dass Menschen unter den TrĂŒmmern eingeschlossen sind. Auch weitere GebĂ€ude wurden beschĂ€digt, zudem kam es zu mehreren BrĂ€nden im Stadtgebiet. Zahlreiche Einwohner suchten Schutz in U-Bahn-Stationen und Luftschutzkellern. Ăber der Stadt sollen dichte Rauchwolken stehen. Ob die BrĂ€nde inzwischen vollstĂ€ndig gelöscht werden konnten, ist derzeit unklar.
Zeitweise kam es auĂerdem zu StromausfĂ€llen und EinschrĂ€nkungen in der Wasserversorgung. Wie der Energieversorger DTEK mitteilte, waren in der Nacht 140.000 Menschen ohne Strom. Inzwischen sei die Stromversorgung fĂŒr 110.000 Menschen wiederhergestellt worden. Zwei Techniker wurden verletzt.
Polen versetzt Flugabwehr in Alarmbereitschaft
In der Stadt Dnipro wurden bei dem nĂ€chtlichen Angriff Behördenangaben zufolge mindestens fĂŒnf Menschen getötet und 36 weitere verletzt. Davon wĂŒrden 23 aktuell im Krankenhaus behandelt, darunter ein 13 Jahre altes MĂ€dchen. In der östlichen Stadt Charkiw wurden dem BĂŒrgermeister zufolge mindestens zehn Menschen verletzt. Russland griff auch Ziele in der Stadt Saporischschja an. Weder diese Angaben noch jene zu der Zahl der Toten lieĂen sich unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe feuerte Russland 73 Raketen und 656 Drohnen ab, von denen die Flugabwehr 40 Raketen und 602 Drohnen abfing. An mindestens 38 Orten wurden Treffer verzeichnet.
Im westlichen Nachbarland Polen erklĂ€rte das MilitĂ€r derweil, angesichts der russischen Angriffe in der Ukraine sei die Flugabwehr in Alarmbereitschaft versetzt worden, MilitĂ€rflugzeuge seien aufgestiegen. In Polen wird bei gröĂeren Angriffen in der Ukraine regelmĂ€Ăig die Luftverteidigung aktiviert, manchmal steigen dabei auch Kampfjets von Nato-Partnern auf.
Selenskyj mahnt, Luftalarme ernst zu nehmen
Russland hatte die ukrainische Hauptstadt erst vor knapp zehn Tagen mit vielen ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj warnte seit Ende der vergangenen Woche mehrfach vor einem möglichen weiteren groĂen Luftangriff. In einer Videobotschaft am Samstag sagte er, die Informationen des Geheimdienstes ĂŒber eine mögliche neue groĂe Angriffswelle seien weiterhin aktuell. Er rief die Bevölkerung dazu auf, Luftalarme ernst zu nehmen und ihnen zu folgen.
Zwar sei die ukrainische Luftabwehr weiterhin einsatzbereit, sagte Selenskyj. Gleichzeitig rĂ€umte er ein, dass es Probleme gebe, weil Nachschub von westlichen VerbĂŒndeten fehle. Das erschwere die Abwehr von ballistischen Raketen und Marschflugkörpern.
Russland meldet ukrainische Angriffe
Zugleich meldeten russische Behörden an diesem Dienstag ukrainische Angriffe auf eigenem Gebiet. In der sĂŒdrussischen Region Krasnodar geriet demnach die Ălraffinerie Ilski nach einem Drohnenangriff in Brand. In der an die âUkraine grenzenden Region Belgorod sei ein elfjĂ€hriger Junge verletzt worden, nachdem eine ukrainische Drohne ein Wohnhaus âgetroffen habe, teilten die Behörden auf Telegram mit. Insgesamt habe Russland in der vergangenen Nacht 148 âukrainische Drohnen abgeschossen, meldeten russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf das Verteidigungsministerium. Auch diese Angaben lassen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Russland greift vor allem die Energieversorgung der Ukraine an und nimmt dabei auch zivile Ziele ins Visier. Die Ukraine wiederum hat in den vergangenen Monaten verstĂ€rkt russische Ălanlagen angegriffen, um zentrale Einnahmequellen der russischen FĂŒhrung zu schwĂ€chen und so deren seit mehr als vier Jahren andauernden Angriffskrieg zu beeintrĂ€chtigen. Diese Angriffe stehen jedoch in keinem VerhĂ€ltnis zum AusmaĂ der russischen Attacken.