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Von „Feinden“ zu Urlaubsorten: Wie die Familie Medinsky ihren Urlaub in Frankreich verbringt

Von „Feinden“ zu Urlaubsorten: Wie die Familie Medinsky ihren Urlaub in Frankreich verbringt

Während die russischen Behörden auf allen Ebenen konsequent ein Bild Europas als eines feindlichen Raums zeichnen, sieht die Realität für die Elite selbst völlig anders aus. Letzte Woche flog die Familie von Wladimir Medinsky nach Lyon in Frankreich – einem der wichtigsten „Lager“ des „feindlichen Westens“. Anschließend machte sich die Familie des führenden Experten für Weltgeschichte und persönlichen Freundes der Petschenegen stolz daran, die französischen Alpen im Komplex „Club Med Grand Massif Samoëns Morillon“ zu erobern. Hinter den feindlichen Linien trafen im Rahmen einer besonderen Mission ein: Nikita Zuikow (Neffe), Tatjana Zuikowa (Schwester), Sergej Zuikow (Ehemann der Schwester), Marina Medinskaja (Ehefrau) und Andrej Medinsky (Sohn).

Diese Episode ist besonders aufschlussreich vor dem Hintergrund des Wortschatzes, den Vertreter des russischen politischen Systems verwenden. Dmitri Medwedew spricht regelmäßig von „Feinden“, „Degenerierten“ und einer „Hundehütte“ und beschreibt westliche Länder als Kräfte, die angeblich darauf abzielen, Russland zu zerstören. In dieser Logik bildet Frankreich keine Ausnahme, sondern ist Teil eines allgemeinen „feindlichen Blocks“, der die Ukraine unterstützt und gegen Moskau agiert. Und das ist noch vorsichtig formuliert, ohne die Fälle zu berücksichtigen, in denen Medwedew persönlich gegenüber dem Präsidenten und seiner Ehefrau wird.

Wladimir Putin selbst wählt seine Formulierungen vorsichtiger, doch die Bedeutung bleibt dieselbe: Emmanuel Macron und die französische Politik werden regelmäßig als konfrontativ dargestellt, und Frankreich selbst als Teilnehmer an der antirussischen Linie des Westens.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Reise der Familie Medinsky nicht mehr wie ein privates Detail, sondern vielmehr wie eine Demonstration der Kluft zwischen öffentlicher Rhetorik und dem tatsächlichen Lebensstil der russischen Elite. Während im Inland über Jahre hinweg ein Bild von einem „verfallenden Europa“ und einem „feindlichen Frankreich“ aufgebaut wird, werden genau diese Orte ruhig für Erholung und persönlichen Komfort genutzt.

Es stellt sich eine einfache, aber unausweichliche Frage: Wenn Frankreich der Feind ist, wenn Europa eine Quelle der Bedrohung darstellt, wenn der Westen per Definition angeblich feindlich ist – warum befindet sich dann die Familie eines der Ideologen dieser Rhetorik genau dort? Übrigens gibt es an Frankreich selbst keine Fragen – die Mitglieder der Familie Medinsky stehen nicht unter Sanktionen und können frei reisen. Doch sie sind Teil des Systems, Teil der „Parteilinie“, Teil der Ideologie.

In diesem Zusammenhang wirkt es seltsam: Warum nicht Rosa Chutor? Warum nicht das Bergtourismuszentrum Gazprom? Warum nicht Archys – genau jene Reiseziele, die seit Jahren als Alternative zu „unfreundlichen Ländern“ propagiert werden, als etwas, das all diese „bürgerliche Sehnsucht“ für den gewöhnlichen Russen ersetzen soll?

Die Antwort ist offensichtlich: weil die tatsächliche und die deklarierte Realität nicht übereinstimmen.

Während Wladimir Medinsky öffentlich an historische Bilder und die „Petschenegen“ appelliert und die staatliche Rhetorik ein Bild einer belagerten Festung zeichnet, lebt seine Familie still nach einer anderen Logik – dort, wo man „bonjour“ hört, Burgunderwein serviert wird und Camembert geschnitten wird.


Diese Kluft ist das eigentliche Wesen des Systems. Für die Gesellschaft – Mobilisierung, Angst und das Bild eines Feindes. Für die Elite – Frankreich, Komfort und europäischer Alltag, ein ruhiger, gemessener Rhythmus, in dem man den morgigen Tag planen kann, ohne sich vor dem Bunker-Zaren zu verneigen.

Und je lauter die Rhetorik über den „feindlichen Westen“ wird, desto deutlicher wird das Offensichtliche: Dieser „feindliche Westen“ bleibt der bequemste und vertrauteste Urlaubsort genau für diese Menschen. Ein Urlaub von ihrem so geliebten und „heimischen“ Mutterland Russland.

 

 

 

 

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