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Warum dieser Krieg ein echtes Dilemma ist

Warum dieser Krieg ein echtes Dilemma ist

Der Krieg Israels und der USA gegen den Iran spaltet die westlichen Demokratien wie kaum ein geopolitisches Ereignis der jĂŒngeren Geschichte. Die Frage, ob dieser Krieg gerechtfertigt ist, lĂ€sst sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Wohl aber lĂ€sst sich sagen, was das Schlechteste aller denkbaren Ergebnisse wĂ€re: der gegenwĂ€rtige Status quo.

Um das Dilemma zu schĂ€rfen: Stellen Sie sich vor, wir blieben in den nĂ€chsten Jahren untĂ€tig – und der Iran entwickelt tatsĂ€chlich eine einsatzfĂ€hige Atomwaffe. WĂŒrden die heutigen Kritiker dann immer noch behaupten, ein militĂ€risches Eingreifen sei kategorisch falsch gewesen? Dieses Gedankenexperiment beweist nicht, dass der Krieg richtig ist – ein solches Extremszenario gilt auch unter pessimistischen GeheimdiensteinschĂ€tzungen keineswegs als wahrscheinlich. Es zeigt aber, dass es keine einfache, unwiderlegbare Antwort auf diese Frage gibt, weder fĂŒr BefĂŒrworter noch fĂŒr Gegner.

Die politische Philosophie bietet uns zwei grundverschiedene ZugĂ€nge zu dieser Frage. Aus einer regelbasierten, kantianischen Perspektive ist der Krieg kaum zu rechtfertigen. Wenn die USA sich das Recht herausnehmen, prĂ€ventiv anzugreifen, dann öffnen sie die TĂŒr fĂŒr China, Russland und andere Staaten, dieselbe Logik auf ihre eigenen Konflikte anzuwenden. Der Westen hĂ€tte kein glaubwĂŒrdiges Argument mehr dagegen, denn nach den meisten völkerrechtlichen MaßstĂ€ben tut er im Iran genau das, was er anderen vorwirft.

Niemand hat eine gute Antwort auf diesen Krieg

Wenn jeder sich eine solche Ausnahme erlaubt, gibt es schlicht keine regelbasierte Weltordnung mehr. Die grĂ¶ĂŸten Verlierer wĂ€ren ausgerechnet die westlichen Demokratien selbst, die diese Ordnung in den vergangenen acht Jahrzehnten maßgeblich geprĂ€gt haben und deren Regeln ihren eigenen Werten weit nĂ€herstehen als denen autoritĂ€rer Regime. Das Ergebnis wĂ€re eine Welt in noch tieferen geopolitischen Konflikten – und eine höhere Wahrscheinlichkeit einer nuklearen Katastrophe.

Aus einer utilitaristischen Perspektive hingegen lĂ€sst sich der Krieg begrĂŒnden: durch die Verhinderung einer iranischen Atomwaffe und durch die Chance auf dauerhaften Frieden in der Region. Hinzu kommt ein Argument, das auch die schĂ€rfsten Kritiker nicht ignorieren können: Der Iran unterstĂŒtzt seit Jahren bewaffnete Gruppen, die Israel und westliche Interessen angreifen – durch die Hisbollah im Libanon, durch die Hamas in Gaza, durch die Huthi im Jemen und weitere Gruppierungen. Wer von Israel ZurĂŒckhaltung fordert, muss erklĂ€ren, wie sich das Land gegen reale, tĂ€gliche Bedrohungen verteidigen soll. Zugleich gilt: Auch Israel hat in der Region militĂ€risch agiert, und die Geschichte westlicher Interventionen – Irak, Libyen, Afghanistan – mahnt zur Vorsicht vor der Annahme, militĂ€rische Gewalt schaffe langfristig StabilitĂ€t.

Verhandlungen schienen einst einen Ausweg zu bieten. Das Atomabkommen der Obama-Regierung mit dem Iran vor ĂŒber zehn Jahren schien genau diesen Weg zu eröffnen: wirtschaftlicher und politischer Druck, um das Regime zur Aufgabe seines Atomprogramms zu bewegen, ohne die regelbasierte Ordnung zu untergraben. Die AufkĂŒndigung des Abkommens durch die erste Trump-Administration hat diese Möglichkeit zerstört. Was bleibt, ist eine bittere Erkenntnis: Ob man den Krieg fĂŒr gerechtfertigt hĂ€lt oder nicht, ein dauerhafter politischer Wandel im Iran ist das einzige Ergebnis, das diesen Krieg im Nachhinein rechtfertigen könnte.

Scheitert der Regimewechsel, untergrĂ€bt der Krieg sein eigenes Ziel. Ein geschwĂ€chtes, aber ĂŒberlebendes Regime hĂ€tte stĂ€rkere Motive denn je, sich durch Atomwaffen vor kĂŒnftigen Angriffen zu schĂŒtzen. Ein Kriegsende ohne Regimewechsel wĂŒrde die Wahrscheinlichkeit einer iranischen Atombombe langfristig erhöhen, nicht senken. Es wĂ€re das denkbar schlechteste Ergebnis. Dabei bleibt ein Regimewechsel eine gefĂ€hrlich unscharfe Zielformulierung. Die Erfahrungen im Irak nach 2003, in Libyen nach 2011 und in Afghanistan zeigen, dass die Ablösung eines Regimes erst der Anfang eines langen und oft destabilisierenden Prozesses ist. Wer dieses Ziel proklamiert, muss konkret benennen, wer danach die politische Ordnung des Iran gestaltet, mit welcher Legitimation und mit welchen Ressourcen. Diese Antworten fehlen bislang.

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