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"Wir appellieren an Sie, weiteren Massakern vorzubeugen"


Sehr geehrter Herr Generalbundesanwalt Rommel, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des Deutschen Bundestags,

wir als in Deutschland lebende BĂŒrgerinnen und BĂŒrger iranischer Herkunft wenden uns an Sie, denn wir wollen nicht hinnehmen, dass die Massaker an demokratischen Demonstrantinnen und Demonstranten im Januar 2026 vergessen werden und ungeahndet bleiben. Nach jĂŒngsten Recherchen des -Magazins sind allein am 8. und 9. Januar mehr als 30.000 Menschen getötet worden. Diese Zahlen werden nicht nur von Menschenrechtsorganisationen, sondern auch von der Bundesregierung und anderen westlichen Regierungen fĂŒr realistisch gehalten. Und zu fĂŒrchten ist, dass die tatsĂ€chliche Zahl der Opfer noch weit höher ausfĂ€llt, da aus entlegenen Gegenden so gut wie keine Nachrichten vorliegen. Damit dĂŒrfte es sich bei der Niederschlagung des Aufstands um das weltweit blutigste Massaker an Demonstranten in einem derart kurzen Zeitraum handeln. In unseren eigenen deutschen Alltag ĂŒbersetzt bedeutet das: Jeder von uns, der sich im Privaten, in seinem beruflichen Umfeld und als Teil der deutschen Öffentlichkeit fĂŒr das demokratische Gemeinwesen in Deutschland engagiert, kennt jemanden, der bei den Protesten im Iran umgekommen ist oder Augenzeuge von Tötungen war.

Durch unzĂ€hlige Videoaufnahmen, Augenzeugenberichte und "Leaks" aus dem Staatsapparat sind die Verbrechen umfassend dokumentiert. Die Bilder und Berichte nĂ€hren den Verdacht, dass es sich bei dem Massaker um keine spontanen Übergriffe von Soldaten und MilizionĂ€ren gehandelt hat, sondern um eine geplante, systematische und landesweite Aktion der StaatsfĂŒhrung, um den Freiheitswillen der iranischen Bevölkerung ein fĂŒr alle Mal zu brechen. Die Verantwortlichen fĂŒr die unfassbaren Verbrechen mĂŒssen zur Rechenschaft gezogen werden. Das ist nicht zuletzt die Erwartung und Hoffnung der mutigen Menschen in Iran an uns als BĂŒrgerinnen und BĂŒrger eines Staates, der glĂŒcklicherweise dem Völkerrecht und den allgemeinen Menschenrechten verpflichtet ist.

Da offenkundig die internationale Strafjustiz aufgrund der Zusammensetzung des UN-Sicherheitsrates und des Verhaltens der VetomĂ€chte nicht angerufen werden kann und die Islamische Republik Iran kein Vertragsstaat des Internationalen Strafgerichtshofes ist, sind strafrechtliche Ermittlungen in dritten Staaten wie in Deutschland besonders wichtig und bis auf weiteres die einzige Möglichkeit, die Menschenrechtsverletzungen juristisch aufzuarbeiten. Deutschland hat sich mit dem Völkerstrafgesetzbuch 2002 ein besonders völkerrechtsfreundliches Statut gegeben. Dieses hat sich bereits bei der Aufarbeitung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit des Assad-Regimes in Syrien bewĂ€hrt, wofĂŒr Deutschland zu Recht international viel Anerkennung geerntet hat.

Wir unterstĂŒtzen daher öffentlich die Einreichung des European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) vom 10. Februar 2026 mit der Forderung, dass die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe Strukturermittlungen und gegebenenfalls personenbezogene Ermittlungen im Falle von Iran aufnehmen sollte. Ein solcher Schritt wĂ€re langfristig von enormer juristischer und politischer Bedeutung, weil er die HandlungsspielrĂ€ume eines verbrecherischen Regimes einengen wĂŒrde. Der Aufbau einer Dokumentation und Beweissammlung, die in naher Zukunft fĂŒr strafrechtliche Ermittlungen gegen die TĂ€ter dienen kann, wĂ€re dementsprechend nicht nur im Sinne einer arbeitsteiligen globalen Strafgerichtsbarkeit, sondern wĂŒrde auch den Grundstock fĂŒr die Aufarbeitung der Verbrechen nach einem Übergang in einem demokratischen Rechtsstaat im Iran selbst dienen.

In diesem Sinne appellieren wir an Sie, Ihren Teil dazu zu leisten, dem unhaltbaren Zustand der andauernden Straflosigkeit schwerster Völkerstraftaten in der Islamischen Republik Iran Einhalt zu gebieten und damit auch weiteren Massakern vorzubeugen. Auch aufgrund seiner Geschichte trĂ€gt Deutschland eine besondere Verantwortung fĂŒr das Völkerrecht, die MenschenwĂŒrde und die juristische Verfolgung von staatlichen Massenmorden. An die Bundesregierung gerichtet fordern wir eine finanzielle und personelle Ausstattung der Bundesanwaltschaft und des Bundeskriminalamts, sodass diese ihren wichtigen Aufgaben in der Sicherung von Beweismitteln nachkommen können.

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