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Wir scheitern an diesem Krieg

Im Scheitern liegen manchmal kleine Erfolge. Minister aus mehr als 50 Staaten sowie Vertreter von UN, EU, Afrikanischer Union, Arabischer Liga und zahlreicher internationaler Hilfsorganisationen waren am Mittwoch zur Sudan-Konferenz nach Berlin gereist. Dass es nicht um einen Waffenstillstand oder gar den Beginn von Friedensverhandlungen gehen wĂŒrde, war von vornherein klar. Die beiden Kriegsparteien, die sudanesischen StreitkrĂ€fte (SAF) und die paramilitĂ€rischen Rapid Support Forces (RSF), kĂ€mpfen mit unverminderter BrutalitĂ€t weiter. Folgerichtig hatte man sie gar nicht eingeladen.

DafĂŒr – und das war ein Erfolg – bekamen Mitglieder der sudanesischen Zivilgesellschaft erstmals prominent Platz, anders als bei den Sudan-Konferenzen in Paris und London in den beiden Jahren zuvor. Unter ihnen waren Vertreter der Emergency Response Rooms; jener lokalen Hilfsgruppen, die Hunderttausende Landsleute mit GemeinschaftskĂŒchen und rudimentĂ€rer medizinischer Versorgung vor noch Schlimmerem bewahren.

Hilfszusagen von rund 1,5 Milliarden Euro verkĂŒndete Co-Gastgeber Deutschland am Ende des Treffens. Auch das ist beachtlich in Zeiten, da GeberlĂ€nder ihre Budgets fĂŒr humanitĂ€re Hilfe rabiat zusammengestrichen haben.

Das Geld mĂŒsste schneller fließen

Reicht das? NatĂŒrlich nicht. Drei Milliarden Dollar werden laut den Vereinten Nationen in diesem Jahr benötigt, um im Sudan eine Ausbreitung von Hungersnöten zu verhindern, 13 Millionen Vertriebene mit dem Allernötigsten zu versorgen und grassierende Seuchen zu bekĂ€mpfen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, den viele der betroffenen Menschen zu verlieren drohen. Denn zwischen Zusage und Auszahlung von Geldern verstreicht oft zu viel Zeit. In KĂŒrze setzt die Regenzeit ein. Unter anderem die Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) wies darauf hin, dass die Gelder sofort eintreffen mĂŒssten, »bevor der Regen alles zum Erliegen bringt«.

Politisch hat man schon lange keine so große Versammlung von Staaten erlebt, die einhellig das Ende eines Krieges und den Schutz der Zivilbevölkerung fordern. Auch das ist ein Erfolg in Anbetracht des Zustands der internationalen Diplomatie in diesen Zeiten. Nur trat in Berlin auch das Scheitern derselben zutage.

Mit anwesend waren die UnterstĂŒtzer der Kriegsparteien. Vorneweg Saudi-Arabien aufseiten der SAF und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) aufseiten der RSF. Ein gemeinsames Statement aller teilnehmenden Staaten kam nicht zustande – nach Angaben aus Konferenzkreisen aufgrund einer Blockade Saudi-Arabiens. »Das ist eine vertane Chance, international Druck auf die Kriegsparteien und ihre UnterstĂŒtzer auszuĂŒben«, sagte am Rande der Konferenz die GrĂŒnenpolitikerin Luise Amtsberg, Mitglied im AuswĂ€rtigen Ausschuss des Bundestags.

Der Irankrieg lenkt von dem im Sudan ab

Dahinter steckt zum einen der Machtkampf zwischen dem saudischen Königshaus und den VAE um regionale Vorherrschaft am Golf. Diesen Machtkampf tragen sie mittlerweile auch im Sudan aus, indem sie ihre SchĂŒtzlinge mit Waffen versorgen. Umso zynischer klangen die Statements ihrer Minister in Berlin, in denen sie ihre Betroffenheit ĂŒber das Leid der Zivilbevölkerung ausdrĂŒckten.

Dahinter steckt aber zum anderen und vor allem das Versagen der internationalen Gemeinschaft, die Menschen im Sudan vor den Verbrechen der Kriegsparteien zu schĂŒtzen. Nirgendwo wurde das deutlicher als bei dem Massaker der RSF an wahrscheinlich mehreren Zehntausend Zivilisten in der Stadt Al-Faschir im vergangenen Oktober. UN-Experten und Menschenrechtsorganisationen hatten monatelang genau davor gewarnt. Von massivem politischen Druck westlicher Regierungen auf die VAE, den grĂ¶ĂŸten Waffenlieferanten der RSF, war nichts zu merken. Davon ist auch jetzt nichts zu merken, da der Irankrieg alle anderen Kriege ĂŒberschattet.

In den nĂ€chsten Monaten kann sich also durchaus wiederholen, was in Al-Faschir passiert ist. In der Region Kordofan belagert die RSF grĂ¶ĂŸere StĂ€dte und schießt sie sturmreif. Die SAF bombardiert unterdessen mit Drohnen MĂ€rkte und KrankenhĂ€user in StĂ€dten unter RSF-Kontrolle. Beide blockieren oder behindern die Lieferung von HilfsgĂŒtern. Und beide sehen dank eines ungehinderten Nachschubs an Waffen und einer lukrativen Kriegsökonomie rund um den Schmuggel von Gold keinen Anlass, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Der Nachschub an Drohnen, Haubitzen, Gewehren und Munition ließe sich zumindest bremsen, gĂ€be es endlich ein UN-Waffenembargo fĂŒr den gesamten Sudan.

Ohne solche Maßnahmen bleibe das Land »ein Labor fĂŒr GrĂ€ueltaten«. So formulierte es auf der Konferenz in Berlin der Chef des UN-NothilfebĂŒros Tom Fletcher. Und fragte die Anwesenden unverblĂŒmt, ob sie in einem Jahr wieder die gleichen Statements der Betroffenheit verlesen oder endlich handeln wollen.

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