Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer hat den Beschluss der Koalition kritisiert, die Mineralölsteuer fĂŒr zwei Monate um 17 Cent pro Liter zu senken. Den Preis fĂŒr alle Beteiligten gleichermaĂen zu senken, sei "die schlechteste aller bisher diskutierten Optionen", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Bei der MaĂnahme handele es sich um "eine Hilfe mit der GieĂkanne", sagte die Vorsitzende des SachverstĂ€ndigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Sie helfe somit auch Menschen, die den höheren Preis "verkraften" könnten. Damit reduziere die Regierung den Anreiz, den Spritverbrauch zu senken. So blieben die Menschen im Glauben, der Staat schĂŒtze sie "vor allen Krisen von auĂen â auch die Reichen", sagte Schnitzer. "Eine gezielte UnterstĂŒtzung der wirklich BedĂŒrftigen wĂ€re die bessere Entscheidung gewesen."
DIW fordert Fokus auf Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen
Ăhnlich Ă€uĂerte sich auch der PrĂ€sident des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. "Die bislang angekĂŒndigten EntlastungsmaĂnahmen der Bundesregierung bei den Energiepreisen greifen zu kurz und sind in Teilen sogar kontraproduktiv", sagte Fratzscher. Es sei zu befĂŒrchten, dass "ein erheblicher Teil der Entlastung nicht bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt, sondern auf den Konten der Mineralölkonzerne landet". Gleichzeitig setze die MaĂnahme nicht die nötigen Anreize, den Energieverbrauch im StraĂenverkehr zu senken.
Insgesamt weist das vom Koalitionsausschuss beschlossene MaĂnahmenpaket laut dem DIW-PrĂ€sidenten "eine deutliche soziale Schieflage" auf und drohe damit "die gesellschaftliche Akzeptanz fĂŒr die wirtschaftspolitischen MaĂnahmen der Bundesregierung zu untergraben". Entscheidend wĂ€re hingegen "eine stĂ€rker zielgerichtete Entlastung, die insbesondere Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen in den Blick nimmt", sagte Fratzscher.
BUND kritisiert "Steuergeschenke" und fordert Ausbau der E-MobilitÀt
Auch der Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte den Koalitionsbeschluss. Eine pauschale Steuerreduzierung entlaste primĂ€r diejenigen, die viel verbrauchten, sagte die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Politik des BUND, Verena Graichen. Autofahrern, die wirklich Entlastung benötigten, helfe das wenig. Statt "Steuergeschenke" zu verteilen, solle die Regierung "ein MobilitĂ€tsgeld auszahlen und mit einem befristeten Tempolimit den Kraftstoffverbrauch senken", forderte sie.
Langfristig könne nur ein Ausbau der E-MobilitĂ€t die Menschen vor hohen Spritpreisen schĂŒtzen, sagte Graichen â und kritisierte vor diesem Hintergrund auch einen anderen Beschluss der Koalition: "AbschwĂ€chungen beim sogenannten Verbrenner-Aus sind ein völlig falsches Signal."
GrĂŒne kritisieren Förderung fossiler Energie
Die AfD bezeichnete die geplante Entlastung bei den Spritpreisen als nicht ausreichend. Die zeitlich befristete Senkung der Mineralölsteuer komme sechs Wochen nach Ausbruch des Irankriegs viel zu spĂ€t, schrieb Parteichefin Alice Weidel auf X. "BĂŒrger und Unternehmen benötigen beim Benzinpreis dauerhafte Entlastung durch Abschaffung der COâ-Abgabe und Senkung von Energie- und Mehrwertsteuer."
GrĂŒne und Linkspartei kritisierten die BeschlĂŒsse als teuer und verantwortungslos. "Die Koalition senkt die völlig falsche Steuer und macht fossile Energien billiger, statt mit der Senkung der Stromsteuer die Erneuerbaren zu stĂ€rken", sagte der energiepolitische Sprecher der GrĂŒnen im Bundestag, Michael Kellner, der "Ausgerechnet in einer massiven Ălkrise weiter auf Verbrennermotoren zu setzen, ist nicht nur rĂŒckwĂ€rtsgewandt, sondern schlicht verantwortungslos." Zudem sei ungewiss, was von der angedachten Steuersenkung wirklich bei den Verbrauchern ankomme.
Linke sprechen von "Geschenk an die Mineralölindustrie"
"Das Geld wird wieder die Kassen der Mineralölkonzerne fĂŒllen", warnte auch GrĂŒnenfraktionschefin Katharina Dröge auf Bluesky. Sie erinnerte an die Erfahrungen mit dem frĂŒheren Tankrabatt der Ampelregierung, als nur ein Teil der Steuersenkung an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurde. Dieser Fehler werde nun wiederholt.
Der finanzpolitische Sprecher der Linkenfraktion, Christian Görke, sagte, die geplante MaĂnahme sei teuer und wirke nur begrenzt. "Am Ende ist es ein teures Geschenk an die Mineralölindustrie ohne Gegenleistung", kritisierte Görke. Sinnvoller wĂ€re etwa eine Direktzahlung an alle BĂŒrgerinnen und BĂŒrger gewesen, sagte er.