Berlin – Während die vergangenen Tage von Beschwerden aus der CDU über die große Kabinettsrochade geprägt waren, standen am Mittwoch zunächst drei Aufsteiger im Rampenlicht. Nach der Ernennung der neuen Minister (Carsten Linnemann für Gesundheit, Steffen Bilger für Verkehr) durch den Bundespräsidenten schlug am Nachmittag im Reichstag die Stunde des neuen Unionsfraktionschefs.
Thorsten Frei (52, CDU) wurde mit 91,9 Prozent von den Abgeordneten der CDU/CSU in einer Sondersitzung gewählt. Frei löst den infolge der Leihmutter-Affäre gefallenen Jens Spahn (46, CDU) ab – und bekommt doch noch den Job, den er immer wollte.
Mit seinem Ergebnis übertraf Frei viele Erwartungen. Sein Vorgänger Spahn erzielte im Frühjahr 86,5 Prozent. Auch Merz erzielte als Fraktionschef nur einmal mehr als Frei: 2022 holte er 87,1 Prozent, 2025 dann 98 Prozent. Und: Angela Merkels Fraktionschef Volker Kauder hatte 2017 nur 73,5 Prozent.
Indirekte Merz-Abstrafung bleibt aus
Im Vorfeld der Wahl war geunkt worden, dass Frei – ein enger Vertrauter des Kanzlers – stellvertretend abgestraft werden könnte für dessen hartes Umspringen mit den Verlierern der Rochade – allen voran dem gefeuerten Verkehrsminister Patrick Schnieder, der von Merz im Urlaub angerufen worden war und die Welt nicht mehr verstand.
Patrick Schnieder bekam Rückendeckung von seinem Bruder Gordon (kein Geringerer als der neue Regierungschef von Rheinland-Pfalz) – und von der gesamten CDU-Fraktion in Rheinland-Pfalz, die kurzerhand ein geplantes Treffen mit Merz absagte.
Im CDU-Bundesvorstand und CDU-Präsidium entlud sich – für den gegen Kritik allergischen Kanzler – ein heftiges Sommergewitter. Merz, der am heutigen Mittwoch nach den Sitzungen in Urlaub reisen will, sah sich einem regelrechten Donnerwetter ausgesetzt („stillos“, „respektlos“, „Sie führen eine Partei, keine Firma“). Und die Frage war, ob Merz die Welle der Kritik sogar die ganzen Ferien vermiesen würde. Die Wahl Freis als Fraktionschef galt als Test dafür, wie es für Merz und die CDU nach der missratenen Rochade weitergeht.
Doch letztlich freuen sich eben doch viele über die Rückkehr des außergewöhnlich beliebten früheren Parlamentarischen Geschäftsführers Frei. Ihn stellvertretend für Merz abzustrafen, kam für die Mehrheit der CDU/CSU-Abgeordneten nicht infrage.
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Jetzt kommt die Aussprache in der Fraktion
Merz’ neue Kanzleramtsministerin Nina Warken, auch eine Top-Aufsteigerin der Rochade (sie war bislang Gesundheitsministerin), stärkte sich zunächst mit engen Vertrauten im Bundestags-Bistro. Dann ging es zur Fraktionssitzung im Plenarsaal, weil die Fraktionsebene des Reichstags wegen Bauarbeiten gesperrt ist.
Die Aussprache über die vergangenen Tage soll erst jetzt stattfinden. Also nach Freis Wahl. Sicher ist sicher ...