Dissen/Loxten – Deutschlands größter Wurst-Hersteller, die Zur-Mühlen-Gruppe (ZMG), schließt eines seiner Werke. An dem Standort fallen 230 Arbeitsplätze weg. Die Produktion wird verlagert. Für die Mitarbeiter gibt es jetzt ein Angebot, das sie vor eine schwierige Entscheidung stellt.
Betroffen ist die Belegschaft im niedersächsischen Dissen. Künftig sollen die Wurstwaren rund neun Kilometer entfernt in Versmold-Loxten (NRW) produziert werden. Das Werk liegt direkt hinter der Landesgrenze. Die gute Nachricht: Alle 230 Beschäftigten bekommen die Möglichkeit, bei The Family Butchers, das zur ZMG gehört, weiterzuarbeiten.
Was das Aus für die Mitarbeiter bedeutet
„Betriebsrat und Arbeitgeber haben sich bereits darauf geeinigt, dass die Arbeitnehmenden dort zu ihren bisherigen Arbeitsbedingungen, insbesondere unter Berücksichtigung ihrer Betriebszugehörigkeit, beschäftigt werden“, sagt ein Sprecher des Wurst-Riesen zu BILD.
In Loxten würde die Belegschaft dadurch von rund 650 auf etwa 880 Mitarbeiter wachsen. „Stand jetzt gehen wir daher davon aus, dass der überwiegende Teil der Belegschaft das Angebot annehmen wird“, so der Sprecher.
Warum die Produktion eingestellt wird
Hinter der Entscheidung steckt auch der seit Jahren zunehmende Druck auf die deutsche Fleisch- und Wurstindustrie. Laut ZMG stagnieren die Absatzmengen oder gehen zurück, während gleichzeitig die Kosten für Löhne, Energie und Logistik steigen. Und: „Immer mehr internationale Anbieter mit niedrigeren Kosten drängen auf den deutschen Markt“, sagt der Sprecher.
In Dissen wären laut Unternehmen erhebliche Investitionen für die Instandhaltung notwendig. Doch diese Ausgaben würden sich „aufgrund der Marktbedingungen mittel- und langfristig nicht refinanzieren“. Dazu kommt: Das Werk liegt mitten in einem Wohngebiet. Gleichzeitig sei der Standort in Versmold-Loxten nicht ausreichend ausgelastet.
Durch die Zusammenlegung will der Wurst-Riese deshalb gleich zwei Probleme auf einmal lösen: Dissen wird aufgegeben, dafür soll die Auslastung in Loxten wieder steigen. Beide Werke produzieren bereits ähnliche Waren. In Loxten werden auch Produkte der Marke Schulte für den Fachgroßhandel sowie Salami hergestellt.
Immer mehr Werksschließungen
Bereits im Februar wurde die Produktion der Eberswalder Wurstwerke im brandenburgischen Britz nach fast 50 Jahren eingestellt. Rund 500 Jobs sind weggefallen. Die Eberswalder Wurstwerke gehören ebenfalls zur ZMG, die Teil der Premium Food Group (früher Tönnies) ist.