Wir wussten schon vor dem Test, dass es um ein sehr leichtes E-Ink-Tablet geht. Doch beim Auspacken waren wir doch ein wenig überrascht: Das Ainote 2 von iFlytek ist so leicht, dass man unweigerlich an ein Dummy denkt, eine Hülle ohne Inhalt, die nur den Schein wahrt.
Der Verdacht hält bis zum Einschalten. 295 Gramm wiegt das Gerät, rund 40 Prozent weniger als ein iPad in dieser Größe. Wer es eine Stunde lang einhändig hält, spürt das im Handgelenk nicht. Zudem ist dieses Tablet extrem dünn. Die 4,2 Millimeter Bauhöhe markieren so etwas wie das physikalische Limit. Der USB-C-Port an der Unterkante braucht allein schon knapp vier Millimeter. Ein flacheres oder leichteres Zehn-Zoll-Tablet mit elektronischem Papier gibt es derzeit nicht zu kaufen.
Bekannt vor allem von E-Readern wie dem Kindle, zeichnet sich E-Ink durch eine einzigartige Eigenschaft aus: Je intensiver das Umgebungslicht, desto besser ist die Lesbarkeit. Während klassische Tablets im grellen Sonnenlicht oft spiegeln und kapitulieren, läuft ein E-Ink-Gerät wie das Ainote 2 unter diesen Bedingungen zu Höchstform auf. Der monochromatische Bildschirm misst 10,65 Zoll (27 Zentimeter) und sorgt mit einer Auflösung von 1920 mal 2560 Bildpunkten für gestochen scharfe 300 Pixel pro Zoll.
Besonders beeindruckt waren wir im Test vom Display-Hintergrund: Er wirkt deutlich heller als bei herkömmlichen E-Readern, nähert sich dem natürlichen Weiß gedruckten Papiers an, während ältere E-Ink-Reader eher grau wirken. Dadurch entsteht ein außergewöhnlich kontrastreiches und augenschonendes Schriftbild.
Unglücklicherweise fehlt dem Ainote 2 eine Displaybeleuchtung, wie sie viele der Konkurrenzgeräte haben. Lesen im abgedunkelten Schlafzimmer scheidet damit aus, die Leselampe muss anbleiben. Technisch hat dieser Verzicht aber auch einen Vorteil: Ohne Lichtleiterschicht erscheint der Text näher an der Oberfläche des Displays. Beim Schreiben mit dem Stift auf dem Tablet entsteht der Eindruck, die Tinte entstehe direkt unter der Stiftspitze und nicht einen Millimeter darunter.
Schreiben wie mit einem Filzstift
Der mitgelieferte Stift arbeitet passiv, braucht also keine Batterie. Magneten halten ihn an der rechten Tabletseite fest, wenn er nicht genutzt wird. Acht Schreibwerkzeuge und mehrere Strichstärken lassen sich auf dem Ainote 2 konfigurieren. Am besten gefiel uns die Feder, die selbst aus einer unruhigen Handschrift noch etwas halbwegs Ansehnliches macht. Im Test war beim Schreiben keine Verzögerung wahrnehmbar. Das Schreibgefühl erinnert aber weniger an einen Bleistift als an einen Filzstift. Praktisch gelöst: Dreht man den Stift um, radiert das hintere Ende die Striche weg.
Die Handschrifterkennung soll in der Lage sein, 133 Sprachen in Text umzuwandeln. Das funktioniert jedoch nur, wenn das Tablet mit dem Internet verbunden ist. Doch selbst dann waren wir von der Treffergenauigkeit enttäuscht. Bei unserer zugegeben unleserlichen Handschrift produzierte die Erkennung reihenweise Fehler, andere Tablets kommen mit demselben Material besser zurecht.
In vielen Situationen ist das Schreiben aber auch gar nicht nötig. Denn das Ainote 2 kann Gespräche in 18 Sprachen transkribieren und in 14 Sprachen übersetzen – wenn es online ist. Das funktioniert im Unterschied zur Handschriftenerkennung hervorragend.
Das Ainote 2 kann ohne Abonnement genutzt werden. Wer allerdings jährlich 59,90 Euro oder monatlich 5,99 Euro zahlt, schaltet einige Funktionen zusätzlich frei, darunter eine Offline-Sprachtranskription und eine unbegrenzte Synchronisation der Notizen, die ohne Abo nur 50 Tage lang synchronisiert werden. Wer ein Abo hat, kann auch unter mehreren Sprachmodellen für die KI-Funktionen wählen. Ohne Abo steht nur GPT 5.2 zur Verfügung, das aber für die meisten Aufgaben allemal ausreicht.
Gut gemeint ist der geräteeigene KI-Support, ein eingebauter Service-Chatbot für Fragen zum Gerät. Auf die Frage, wo sich die Hintergrundbeleuchtung einstellen lässt, verwies der Chat auf die Einstellungen. Doch das Ainote 2 hat gar keine Hintergrundbeleuchtung. Nach einem entsprechenden Hinweis räumte der Assistent den Fehler ein. Ein Support-System, das Funktionen erfindet?
Android 14 öffnet den Play Store
Konkurrenten wie Remarkable und Amazon mit dem Kindle Scribe haben ähnliche Tablets auf dem Markt. Doch zum Ainote 2 gibt es einen wesentlichen Unterschied: Weil auf ihm Android 14 läuft, hat das Gerät Zugriff auf Google Play mit all seinen Apps. Nutzer sollten das aber nicht übertreiben, denn die E-Ink-Technologie hat einige Nachteile. Von Videos sollte man sich fernhalten, sie werden auf dem Ainote 2 nicht abgespielt. Auch auf eine Kamera verzichtet das Gerät.
Dafür gibt es einen Fingerabdrucksensor im Power-Knopf, der im Test zuverlässig gearbeitet hat. Ein zweiter Knopf an der Oberseite ruft standardmäßig den KI-Chatbot auf, lässt sich aber auch anders belegen. Zudem gibt es Apps für Computer und Smartphones, mit denen sich die auf dem Ainote 2 angelegten Notizen synchronisieren lassen.
Leider fehlt dem Gerät ein Lagesensor. Wer die Bildschirmdarstellung drehen will, muss das manuell in den Einstellungen machen. Auch auf einen Lautsprecher hat der Hersteller verzichtet. Audio lässt sich also nur über Bluetooth‑Kopfhörer anhören. Die Batterielaufzeit ist die große Stärke von E-Ink-Geräten, weil ihr Display nur wenig Strom verbraucht. Und so hält auch das Ainote 2 mehrere Tage durch, selbst wenn man es mehrere Stunden pro Tag nutzt.
Fazit: Das Ainote 2 gehört zum Besten, was der E-Ink-Markt derzeit hergibt. Das Display liefert einen Kontrast, der das Lesen langer Texte angenehm macht, das Gewicht macht das Gerät zum Alltagsbegleiter, und der Zugriff auf Google Play hebt es von den geschlossenen Systemen der Konkurrenz ab. Leider fehlt dem Ainote 2 eine Displaybeleuchtung, was man von einem Gerät für 669 Euro schon erwarten sollte. Auch die Software hinkt noch ein wenig, vor allem bei der Handschrifterkennung und beim KI-Support. Hier sollte Flytek nacharbeiten.
Dieser Artikel wurde für WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Thomas Heuzeroth ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Verbraucher- und Technologiethemen, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation.