Stade (Niedersachsen) – Sechs Menschen soll der Tatverdächtige Fatih G. (45) in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade am Montag hingerichtet haben. Nach dem Blutbad stieg er in einen hochmotorisierten Mercedes-AMG. Am Steuer des Fluchtwagens: die mutmaßliche Patentante (65) seiner drei Monate alten Tochter. Die Behörden hatten das Kind zuvor aus der Familie genommen. Drei Tage vor der Tat verschickte die Patentante ein 20-seitiges Dokument, offenbar an mehrere Medien.
Es ging unter anderem an die Redaktion der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. In dem Schreiben berichtet die Patentante über den Sorgerechtsstreit, den Fatih G. und seine Frau mit den Behörden in der Region Hannover führen. Gegen den 45-Jährigen laufen Ermittlungen „wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen“, bestätigte der Erste Staatsanwalt Oliver Eisenhauer von der Staatsanwaltschaft Hannover gegenüber BILD.
Das sagt die Patentante
In dem Dokument widerspricht die Patentante den Darstellungen, stellt Fatih G. als hilflosen Vater dar, der vergeblich gegen die Behörden kämpft, die ihm zu Unrecht sein Kind wegnahmen. Gedroht wird in dem Schreiben jedoch nicht. Es soll die Sicht der Familie schildern – eine Art Hilferuf. Die Aussagen der Patentante sind nicht verifiziert, die Darstellung einseitig. Die Behörden und zuständigen Einrichtungen halten sich unter anderem aus Datenschutzgründen bedeckt.
Laut der Patentante brachten die Eltern den Säugling am 12. April 2026 ins Krankenhaus, weil er erbrach und zuckte. In der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) diagnostizierten die Ärzte eine Hirnblutung. Die schlimme Vermutung der Mediziner: Fatih G. habe das Kind geschüttelt. In ihrer E-Mail an die Redaktion führt die Patentante den Vorfall auf ein unbeabsichtigtes Geschehen wenige Tage zuvor zurück: Der Vater sei im Halbschlaf mit seinem Kopf gegen den Kopf des Kindes gestoßen.
Kind wurde aus Familie genommen
Das Jugendamt glaubt dieser Version nicht. Nach BILD-Informationen gab es ein familienrechtliches Verfahren am Amtsgericht Neustadt (Niedersachsen). Dabei soll es um das Sorgerecht für das Kind gegangen sein. Das Mädchen wurde schließlich aus der Familie genommen, durfte unter Auflagen aber wieder bei ihrer Mutter leben. Allerdings nicht zu Hause, sondern nur im betreuten Umfeld der Jugendhilfeeinrichtung.
Wie die Region Hannover inzwischen bestätigte, soll es am Montag in der Jugendhilfeeinrichtung einen Termin für ein „Hilfeplangespräch“ gegeben haben. Unter den sechs Todesopfern sind auch drei Mitarbeiter des Jugendamtes der Region Hannover.
Am Dienstagabend fand ein Trauergottesdienst in der St.-Wilhadi-Kirche für die Opfer statt. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (59, SPD) sprach sein Mitgefühl mit den Angehörigen der Toten aus: „Uns allen ist sehr bewusst: Es wird viel Zeit brauchen, bis diese Wunde langsam heilen kann.“
Gegen Fatih G. wurde inzwischen Haftbefehl erlassen. Die Staatsanwaltschaft wertet die Taten als sechsfachen Mord, weil Mordmerkmale wie Heimtücke und niedere Beweggründe vorliegen.