Nach der ersten Arbeitssitzung zum Thema Ukraine haben die G7-Staaten ihre Einigkeit bei dem Thema betont. Im Bemühen um ein Ende des Angriffskriegs gegen die Ukraine haben sie den Druck auf Russland verstärkt und verschärfte Sanktionen angekündigt. Nach monatelanger Beschäftigung mit dem Irankrieg zeigte sich auch US-Präsident Donald Trump im französischen Évian bereit, auf diese Art auf ein Kriegsende hinzuarbeiten. Er kündigte die Wiedereinführung ausgesetzter Öl-Sanktionen gegen Russland an.
Nach einer gemeinsamen Arbeitssitzung mit Wolodymyr Selenskyj forderte Trump seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin auf, sich auf Verhandlungen für ein Kriegsende einzulassen. »Russland sollte ein Abkommen schließen«, sagte Trump. Er räumte ein, dass er in den vergangenen Monaten »auf Iran fokussiert« war. Dies trete nun aber in den Hintergrund, sagte der US-Präsident. Er werde sich jetzt wieder mit der Ukraine beschäftigen, auch wenn die USA bis auf Waffenverkäufe, die von der EU bezahlt würden, eigentlich nichts mit dem Konflikt zu tun hätten.
»Der einzige Grund, warum ich dabei bin, ist, dass ich nicht mehr jeden Monat 25.000 junge Menschen sterben sehen will«, sagte Trump. »Ich werde deshalb alles tun, was ich kann«, um den Krieg zu beenden. Selenskyj zeigte sich zufrieden mit dem Treffen und sagte, es habe unter anderem Zusagen für mehr Unterstützung bei der Flugabwehr für sein Land gegeben.
Selenskyj spricht auch mit Friedrich Merz
»Es ist großartig, dass alle verstehen, dass Russland nicht gewinnen wird und dass wir Putin dazu drängen müssen, diesen Krieg zu beenden«, sagte Selenskyj nach den Beratungen. Er traf am Vormittag auch zu einem bilateralen Gespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zusammen. Selenskyj zufolge ging es unter anderem um die Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung und die Lage an der Front. Er dankte Deutschland für die Unterstützung seines Landes. Nach Angaben von Diplomaten plant die G7 weitere Energiesanktionen gegen Russland.
Trump war in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen worden, im Ukraine-Krieg russlandfreundliche Positionen zu vertreten. Er zog nun aber bei verschärften Sanktionen gegen Russland mit. Nach Angaben aus französischen Diplomatenkreisen einigten sich die G7-Staaten, »den Druck auf Russland zu erhöhen, insbesondere durch Sanktionen auf Öl und Gas«. Die G7-Staaten vereinbarten demnach auch weitere Militärhilfen für die Ukraine, unter anderem zur Stärkung der Luftabwehr.
»Russlands Kriegsmaschine soll zum Stillstand kommen«
Ziel der Sanktionen sei es, dass »Russlands Kriegsmaschine zum Stillstand kommt und Frieden auf unseren Kontinent zurückkehrt«, sagte der britische Premierminister Keir Starmer in Évian. Nach Angaben von Starmers Büro sind in Großbritannien 70 neue Sanktionsmaßnahmen geplant. Sie sollen demnach unter anderem 20 weitere Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte betreffen, mit denen Russland Sanktionen beim Öl- und Gasexport umgeht.
Auch Kanadas Regierungschef Mark Carney kündigte umgehend zusätzliche Sanktionen seines Landes an. Sie zielten auf mehr als 160 Akteure, die mit der russischen Schattenflotte in Verbindung gebracht würden.
Merz: »Vielleicht erstmals Chance auf Frieden«
Merz äußerte sich am Abend optimistisch, dass die Europäer und Trump bei den Friedensbemühungen für die Ukraine künftig stärker als bisher an einem Strang ziehen. »Was für uns alle Grund zur Zuversicht gibt, ist die Formulierung von Präsident Trump: Russland muss diesen Krieg beenden. Und ich finde, das ist eine klare Botschaft«, sagte der CDU-Chef und sprach von einem »Tag der Hoffnung«.
Es sei ziemlich klar, dass Russland den Krieg militärisch nicht gewinnen könne, sagte Merz. Zudem ächzte die russische Wirtschaft unter dem Krieg und der Last der Sanktionen. »Das kann vielleicht erstmals eine Chance auf einen Frieden eröffnen.« Er habe den Eindruck, dass sich Trump »nach und nach für diese Einschätzung auch öffnet und mit uns zusammen jetzt einen Weg sucht, diesen Krieg zu beenden«.
Russland hatte zuletzt wenig Interesse an Verhandlungen mit der Ukraine gezeigt und setzt seine Angriffe auf das Land mit unverminderter Härte fort. In der Nacht zum Montag war dabei die zum Weltkulturerbe zählende Kathedrale im Bereich des berühmten Höhlenklosters in Kyjiw in Brand geraten. Selenskyj machte »gezielte« russische Drohnenangriffe dafür verantwortlich. Nach Einschätzung ukrainischer Experten könnten die Restaurierungsarbeiten etwa zwei Jahre dauern.