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Mail von Martenstein: Hallo, Lügenfritz!

Mail von Martenstein: Hallo, Lügenfritz!
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Vor 140 Jahren kannte dich in Deutschland fast jeder.

Dein wahrer Name war Adolf Lüderitz. Du hast Deutschland große Teile der Kolonie Südwestafrika besorgt, heute Namibia. Das hast du geschafft, indem du 1883 den Einheimischen Land abgekauft hast, sehr viel Land. Aber im Kaufvertrag hast du sie total übers Ohr gehauen.

Seitdem hieß Lüderitz im Volksmund nur noch „der Lügenfritz“. Ein Lügenfritz ist jemand, der das Blaue vom Himmel runterschwindelt, bis er hat, was er will.

Stell dir vor: Ein Deutscher hat sich an dich erinnert. Er sieht den Kanzler (Bismarck ist inzwischen tot) kritisch und hat ihn „Lügenfritz“ genannt. Dafür wurde er zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, weil so „das Vertrauen in die Integrität“ des Kanzlers erschüttert wird.

Bingo! Genau das wollte der Kritiker ja zum Ausdruck bringen.

Das Wort „Lügenfritz“ war unterm Kaiser legal. Aber heute sind sie nicht mehr so relaxed wie 1883. Lügenfritz, ich habe Angst um deinen Chef. Otto von Bismarck hat nämlich mal geäußert: „Wer seine Ansichten mit anderen Waffen verteidigt als denen des Geistes, von dem muss ich voraussetzen, dass ihm die Waffen des Geistes ausgegangen sind.“ Hoffentlich wird Bismarck vom Kanzler nicht auch noch verklagt! Harald Martenstein

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