Zweibrücken – Wollte Grieche Ioanni V. töten oder war es ein furchtbares Unglück? Das ist die alles entscheidende Frage im Prozess gegen den Schaffner-Killer. Am zweiten Prozesstag sagten neun Augenzeugen der Attacke aus.
Die Nebenklage und die Staatsanwaltschaft werten die Tat als Mord, das Landgericht wertet sie als Körperverletzung mit Todesfolge – genau dafür wurde Ioanni V. auch angeklagt. Einmal schlug Ioanni mit rechts zu, ansonsten prügelte er mit seiner linken Faust auf Serkan Çalar ein – so zeigen es die Videos der Überwachungskameras. Jetzt will die Nebenklage im Prozess beweisen, dass der Grieche sehr wohl wusste, was er tat, und den Tod des Schaffners billigend in Kauf nahm.
Das ist passiert: Am 2. Februar kontrolliert Zugbegleiter Serkan Çalar im Regionalexpress von Landstuhl (Rheinland-Pfalz) nach Homburg (Saarland) Tickets. Grieche Ioanni V. (26) hat keinen Fahrschein, Serkan will ihn aus dem Zug werfen. Plötzlich steht V. auf, droht dem Kontrolleur und ruft: „I‘m a boxer. I‘m a fighter“ (dt.: „Ich bin ein Boxer, ich bin ein Kämpfer“). Mit zwölf Schlägen streckt Ioanni Serkan nieder, der Schaffner stirbt zwei Tage später im Krankenhaus an einer Hirnblutung.
Waren es Faustschläge eines Profis?
Anhand der Haltung von Ioannis linker Faust, so arbeiten es die Nebenkläger heraus, würde man sehen, dass das professionelle Schläge gewesen seien. Außerdem würden die Videos zeigen, dass Ioanni auch noch auf Serkan einschlug, als der schon wehrlos am Boden liegt. Ioanni hat laut Zeugen mehrfach gesagt, dass er Kampfsportler sei.
Würden Nebenklage und Staatsanwaltschaft beweisen, dass Ioanni mit dem Wissen prügelte, dass die Schläge den Schaffner hätten töten können, könnte das Gericht einen rechtlichen Hinweis erteilen. Bedeutet: Ioanni V. könnte doch wegen Totschlags verurteilt werden und so eine höhere Strafe kassieren.
Grieche macht Klimmzüge
Vor Gericht sagte der Grieche aus, er habe noch nie Kampfsport betrieben, kein Karate. Früher trainierte er Klimmzüge in der Garage. Das würde er heute noch in der JVA machen – 1000 Stück würde er nach eigenen Angaben schaffen. Das würde weit über dem Weltrekord liegen.
Die Nebenklagevertreter wollen nun mithilfe eines Gutachters feststellen lassen, dass die Faustschläge eine professionelle Qualität hatten, Ioanni V. sich bewusst darüber gewesen sein musste, dass die Schläge tödlich sein konnten.
Im Falle einer Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge drohen Ioanni V. zwischen einem und fünfzehn Jahren Haft, wegen Totschlags fünf Jahre bis lebenslang und wegen Mordes eine lebenslange Haftstrafe.