St. Petersburg – Während Putins Morden im Krieg gegen die Ukraine weiterläuft und er jeden Tag Städte bombardiert und Familien auseinanderreißt, läuft in St. Petersburg seine große Wirtschafts-Propagandashow! Offiziell geht es da um Handel, Kontakte, Investitionen. Tatsächlich braucht der Kreml vor allem Bilder: von vollen Sälen, Händeschütteln, westlichen Gästen. Und einige dieser Gäste kommen schon wieder aus Deutschland!
Prominentester Name: Thomas Bruch, Gesellschafter der Riesen-Supermarktkette Globus. Laut „Handelsblatt“ reist mit ihm erstmals seit Putins Angriff auf die Ukraine wieder ein prominenter deutscher Familienunternehmer zum Wirtschaftsforum. Er nehme als Gesellschafter der russischen „Hypermärkte“ teil. Der Besuch diene „der Pflege wirtschaftlicher Kontakte“.
Die deutsche Russland-Runde
Globus meint, kein Geschäft mit Russland zu treiben. Argument: Ihre russischen Märkte seien seit dem 1. Januar 2025 von der deutschen Holding abgespalten. Allerdings hält Bruch auch an den russischen Standorten Anteile.
Bruch soll auf einem Panel über deutsche Unternehmen in Russland sitzen. Ebenfalls mit dabei: Stefan Dürr, deutsch-russischer Doppelstaatsbürger, Agrarunternehmer und Gründer des Milch-Konzerns EkoNiva. Dazu Matthias Schepp, Chef der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer.
„Deutsche Welle“ nennt zudem Leo Eppinger, Mitinhaber des Moskauer Industriekonzerns Masterlok (stellt unter anderem Klebstoffe her). Früher führte er das russische Büro der Ingenieurgruppe Metalock, die sich nach Kriegsbeginn vom russischen Ableger trennte. Auch genannt wird Polina Sharova, Eigentümerin von Hermes-Ural, der Firma, die die russischen Aktivitäten der deutschen Heizungsriesen Viessmann leitet.
AfD trifft Gazprom
Auch die AfD ist vertreten: mit Fraktionsvize Markus Frohnmaier (35), dem energiepolitischen Sprecher Steffen Kotré (54), Sachsens AfD-Chef Jörg Urban (61) und dem EU-Abgeordneten Petr Bystron (53). Frohnmaier sagte, er habe Gazprom-Chef Alexej Miller (64) getroffen. Thema: Nordstream und mögliche neue Gaslieferungen.
In Berlin gibt es dafür scharfe Kritik. CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt (63) sprach von einer „Propaganda-Auffrischung“ für Putin, die Beteiligung sei „unpatriotisch“. Das Auswärtige Amt hatte AfD-Politikern von der Teilnahme abgeraten. Für den Kreml sind solche Namen wertvoll. Russland soll trotz Sanktionen nicht isoliert wirken. Dabei steht Putins Wirtschaft unter Druck: hohe Rüstungsausgaben, schwankende Öl- und Gaseinnahmen, steigende Preise.