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Schüsse in Berlin – 29 Verdächtige in U-Haft

Schüsse in Berlin – 29 Verdächtige in U-Haft
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Berlin – Die Ermittlungsgruppe „Telum“ der Berliner Staatsanwaltschaft zieht nach rund drei Monaten ihre erste Bilanz. Seit ihrer Gründung Ende Februar geht die Spezialeinheit gezielt gegen die zunehmende Schusswaffengewalt in der Hauptstadt vor. Zum Stichtag 27. Mai bearbeiten die Juristen 126 Verfahren, teilte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur mit. In acht weiteren Fällen wurde bereits Anklage erhoben. Insgesamt sitzen derzeit 29 Tatverdächtige in Untersuchungshaft.

Ein erster Fall wird bereits vor dem Landgericht Berlin verhandelt: Seit Dienstag müssen sich vier Männer im Alter von 21 bis 26 Jahren unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, versuchter schwerer räuberischer Erpressung und Bedrohung verantworten. Es geht nach Auffassung der Ermittler um Schutzgelderpressung – und Schüsse als Denkzettel.

Enge Zusammenarbeit mit LKA-Sondereinheit

Die Ermittlungsgruppe „Telum“ (lateinisch für „Angriffswaffe“) wurde als Reaktion auf die LKA-Sondereinheit „Ferrum“ (lateinisch für „Eisen“) gegründet, die es seit November 2025 gibt. Beide Einheiten arbeiten eng zusammen.

Die Polizei hatte „Ferrum“ eingerichtet, nachdem die Schusswaffengewalt deutlich zugenommen hatte. Hintergrund waren wiederholte Straftaten gegen türkisch-kurdische Gewerbetreibende, darunter Schüsse auf deren Lokale durch mutmaßlich türkisch-kurdische Mitglieder der organisierten Kriminalität.

Mitte Mai gelang den Behörden bei einem Großeinsatz mit rund 570 Kräften ein weiterer Schlag gegen eine mutmaßliche Schutzgeld-Bande. Neun Männer im Alter von 23 bis 63 Jahren wurden festgenommen. Ihnen wird unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Die Polizei stellte Drogen, Bargeld, eine Schusswaffe, Schusswaffenteile, Schreckschusswaffen, zwei Autos sowie Datenträger und Handys sicher.

Erst am Mittwoch nahmen Ermittler in Berlin-Schöneberg einen 38-Jährigen fest. Er soll im März in Kreuzberg auf zwei Brüder geschossen haben. Ende Mai wurden nach Schüssen im Graefekiez vier Verdächtige gefasst.

Justizsenatorin sieht Ermittlungserfolge

Justizsenatorin Felor Badenberg erklärte gegenüber der dpa: „Die bisherigen Ermittlungserfolge bestätigen, dass wir damit genau am richtigen Punkt ansetzen. Einschüchterung hat als Geschäftsmodell keine Zukunft in Berlin.“ Weiter sagte die CDU-Politikerin: „Schutzgelderpressungen und Schussabgaben in Berlin sind nur die sichtbare Spitze eines kriminellen Systems.“ Ziel sei es, „kriminelle Netzwerke dauerhaft zu zerschlagen“.

Die Dimension des Problems zeigt ein Blick auf die Kriminalstatistik: Im Jahr 2025 registrierte die Berliner Polizei 1119 Fälle von Schusswaffengebrauch. In 515 Fällen wurde tatsächlich geschossen. In einem Großteil der übrigen Fälle wurden Waffen zur Bedrohung eingesetzt. Insgesamt lag die Zahl der Straftaten mit Waffen damit 68 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

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