Mit dem 1000X The Collexion feiert Sony zehn Jahre seiner erfolgreichen Kopfhörer-Reihe – und bittet kräftig zur Kasse. Der etwas verspielte Name soll an das Jubiläum erinnern. Wer ihn ausspricht, merkt schnell: Hier geht es weniger um Vernunft als um ein Statussymbol. 630 Euro ruft Sony für den Over-Ear auf, deutlich mehr als für das reguläre Spitzenmodell WH-1000XM6, das derzeit für rund 370 Euro zu haben ist. Aber lohnt sich der Aufpreis überhaupt?
Der erste Eindruck ist zweifellos edel. Während sich das Schwestermodell WH-1000XM6 mit Kunststoff begnügt, verbindet The Collexion glänzenden Edelstahl an der Aufhängung mit einem hochwertig wirkenden Kunstleder an Gehäuse und Bügel. Das fühlt sich teuer an und sieht auch so aus. Mit 320 Gramm bleibt der Kopfhörer angenehm leicht, jedenfalls verglichen mit dem schweren AirPods Max von Apple. Gegenüber dem WH-1000XM6, der nur rund 250 Gramm wiegt, ist er allerdings ein gutes Stück schwerer – die Edelstahlelemente fordern ihren Tribut, ohne dass man sie beim Tragen unangenehm spürt.
Die Bedienung verteilt sich auf zwei Bereiche. An der linken Ohrmuschel sitzen drei Tasten: eine schaltet den Kopfhörer ein, eine wechselt zwischen den ANC-Modi, eine ruft die Klangmodi auf. Die rechte Ohrmuschel trägt eine berührungsempfindliche Fläche, über die sich Wiedergabe und Lautstärke steuern lassen. Das ist schnell verinnerlicht, auch wenn die physischen Knöpfe beim Druck nur wenig Rückmeldung geben.
Beim Tragekomfort hat Sony aus den Schwächen der Vergangenheit gelernt. Die Ohrmuscheln sind schmaler und flacher als beim WH-1000XM6, stehen dadurch weniger weit vom Kopf ab und bieten innen dennoch mehr Platz. Wer große Ohren hat, dürfte das zu schätzen wissen – beim Vorgänger stießen sie schon mal unangenehm an die Innenwände. Das weiche Polster schließt rund ums Ohr gut ab. Einen Wermutstropfen gibt es trotzdem: Das Kunstleder wärmt die Ohren mit der Zeit auf, und nach längeren Hörsessions klammern sich die Bügel gefühlt etwas stärker um den Kopf. Wie immer bei Over-Ear-Kopfhörern empfiehlt sich ein kurzes Probetragen.
Der größte praktische Rückschritt betrifft das Zusammenfalten. Der WH-1000XM6 ließ sich kompakt zusammenklappen – einer seiner echten Vorteile. The Collexion kann das nicht mehr. Dafür legt Sony ein Hartschalencase bei, das mit seiner Aussparung und dem Tragegriff fast wie eine kleine Handtasche aussieht.
Klanglich spielt der Jubiläumskopfhörer auf hohem Niveau. Der Sound ist rund, warm und präzise, mit einem Bass, der tief hinabreicht, ohne aufdringlich zu werden. Gegenüber dem WH-1000XM6 ist der Unterschied vorhanden, aber klein. Wer das letzte bisschen herauskitzeln will, greift in der App zum Zehn-Band-Equalizer. Stimmen und Höhen sind eher zurückgenommen, dafür klingt er nie anstrengend. Für klassische Musik oder anspruchsvollen Jazz ist das vielleicht zu wenig Brillanz, für den Alltag und moderne Genres macht der warme Charakter dagegen viel Spaß.
Eine Besonderheit ist der eigene Algorithmus für 3D-Audio, den Sony 360 Upmix nennt. Drei Modi stehen bereit: Kino, Musik und Spiel. Möglich macht das eine neue Software im Zusammenspiel mit einem eigens dafür verbauten Prozessor. Der Upmix erweitert die Bühne hörbar, überzeugt aber nicht in jeder Disziplin. Bei Filmen funktioniert der räumliche Effekt passabel, auch wenn sich im Test nicht wirklich der Eindruck einer Surround-Anlage einstellt.
ANC ist weniger stark
Bei Musik fällt das Urteil gemischter aus: Herkömmliche Stereoaufnahmen wirken schnell halllastig, die Direktheit geht verloren. Hier ist der Upmix eher ein nettes Extra als ein Kaufargument. Hinzu kommt ein Modus „Hintergrundmusik“, der den Klang weiter weg in den Hintergrund rückt, damit man sich beim Arbeiten oder Lernen besser konzentrieren kann – allerdings auf Kosten der Klangqualität.
Bei der Geräuschunterdrückung arbeiten zwölf Mikrofone, acht außen und vier innen. Das Ergebnis ist gut, aber – und das überrascht ausgerechnet bei Sonys Paradedisziplin – etwas weniger wirksam als beim WH-1000XM6. Vor allem im Hochtonbereich dringen mehr Störgeräusche durch. Vermutlich trägt das dünnere Gehäuse der Ohrmuscheln seinen Teil dazu bei.
Tieffrequente Geräusche filtert der Kopfhörer dagegen zuverlässig. Wer maximale Stille sucht, etwa zum konzentrierten Arbeiten im Großraumbüro, ist mit dem günstigeren M6 besser bedient. Beim Telefonieren wiederum überzeugt The Collexion: Die eigene Stimme kommt voll und natürlich beim Gesprächspartner an, selbst Windgeräusche werden zuverlässig herausgefiltert.
Auch bei der Akkulaufzeit muss der teurere Kopfhörer Federn lassen. Mit eingeschalteter Geräuschunterdrückung (ANC) hält er rund 24 Stunden durch, der WH-1000XM6 schafft 30. Das ist im Over-Ear-Bereich ein ordentlicher Wert, aber von den Ausdauerkönigen am Markt, die 60 Stunden und mehr erreichen, ist The Collexion weit entfernt. Geladen wird per USB-C, ein Ladekabel legt Sony allerdings nicht mehr bei. Kabelgebunden hören lässt sich nur analog über den beiliegenden 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss – USB-C-Audio unterstützt der Kopfhörer nicht, was in dieser Preisklasse enttäuscht.
Fazit: Sony hat mit dem 1000X The Collexion einen hervorragenden Kopfhörer gebaut, der vor allem mit Design, Verarbeitung und einem warmen, ausgewogenen Klang punktet. Doch der Aufpreis von rund 260 Euro gegenüber dem WH-1000XM6 will gut überlegt sein. Denn ausgerechnet bei der Geräuschunterdrückung und der Akkulaufzeit macht der Luxus-Ableger leichte Rückschritte.
Wer das Beste aus beiden Disziplinen will, ist mit dem regulären Spitzenmodell besser und günstiger bedient. Wer dagegen Wert auf edle Materialien, hohen Tragekomfort und ein bisschen Luxus am Kopf legt, bekommt hier ein schönes Stück Technik – muss sich den Glanz aber einiges kosten lassen.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Thomas Heuzeroth ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Verbraucher- und Technologiethemen, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation.